Neue Pyrofackel: Eine Alternative für Stadien?

Fast jede Woche werden in Fußballstadien illegal bengalische Fackeln gezündet. Das kostet Vereine wie Werder Bremen viel Geld. Jetzt gibt es eine neue Idee.

Reporter Daniel Haselbach macht den Hitzetest
Reporter Daniel Haselbach macht den Hitzetest

Trotz eines Verbots im Fußball, hoher Strafen und scharfer Kontrollen: Fast jedes Wochenende werden in den Stadien der Bundesliga illegal bengalische Fackeln und Rauchbomben gezündet. Das ist nicht nur buchstäblich brandgefährlich, es kostet die Klubs auch eine Menge Geld, die sie als Strafe an den DFB zahlen müssen.

Der Erfinder der kalten Pyrofackel
Tommy Cordsen mit einer von ihm erfundenen Fackel.

Die Fanbeauftragten unter anderem von Werder Bremen, Schalke 04 und Zweitligist St. Pauli haben sich nach Informationen der ARD-Radio-Recherche-Sport nun bei einem Treffen in Stockholm über die sogenannte "kalte Pyrotechnik" informiert. Auch ein Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL) war mit dabei. 1.000 dieser neu entwickelten Fackeln sollen schon im Dezember erstmals bei einer Massenveranstaltung, bei einem Erstliga-Spiel in Dänemark, großflächig getestet werden.

Werder Bremen hält sich mit einer Bewertung noch zurück und will sich bisher nicht zur Präsentation der "kalten Pyrofackeln" äußern. Die Ergebnisse sollen zunächst vereinsintern zusammengetragen und bewertet werden, heißt es. Sven Langner, ein Vertreter vom FC St. Pauli, sieht dagegen gute Chancen für das neue Produkt: "Alle waren sehr positiv überrascht und durchaus auch zuversichtlich, dass das vielleicht was für die Zukunft sein kann."

Fackel kann theoretisch im Supermarkt verkauft werden

Jahrelang hat der dänische Pyrotechniker Tommy Cordsen an den "kalten Pyrofackeln" getüftelt. Herausgekommen ist ein Produkt, das mit dem CE Prüfzeichen europaweit zugelassen ist. Die Fackel darf theoretisch in jedem Supermarkt verkauft werden. Nach seinen Angaben bietet die Fackel gleich mehrere Vorteile: Sie brennt bei etwa 230, statt bei bis zu 2.000 Grad Celsius, ab. Das ist ein Vielfaches weniger als bei einer normalen Kerze (zirka 1.000 Grad). Es gibt so gut wie keine Rauchentwicklung und die Fackel kann mit Wasser gelöscht werden. Klassische bengalische Feuer sind so gut wie gar nicht zu löschen.

Das Wichtige hier ist auch: Statt Verboten, Möglichkeiten zu geben.

Tommy Cordsen, Erfinder der "kalten Pyrotechnik"

Das jahrelange Verbot der klassischen bengalischen Fackeln im Stadion hat auch in Dänemark bisher nicht zum Erfolg geführt. Auch die neue Pyrofackel, die einer großen Wunderkerze gleicht, ist nicht komplett ungefährlich. Zwar kann man mit der Hand kurz durchfassen, wie durch die Flamme einer Kerze. Aber verbrennen kann man sich dabei nach wie vor. Die "kalte Pyrofackel" ist als Kompromiss gedacht, um die besonders gefährlichen Produkte aus den Stadien zu verbannen.

Größenvergleich zwischen der Fackel und unserem Mikrofon
Die neue Fackel – so groß wie ein Mikrofon

"Wir bemühen uns, in diesem Bereich neue Wege zu beschreiten und lassen gerade prüfen, ob das eine Chance sein könnte", hatte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald schon im Juni in einem Zeitungsinterview angekündigt.

Wie wenig das Thema "kalte Pyrotechnik" bisher bekannt ist, zeigt eine schriftliche Anfrage beim Bremer Innenressort. "Uns liegen insgesamt keine ausreichenden, belastbaren Informationen zu dieser Technik vor, um derzeit konkrete Aussagen treffen zu können", so eine Sprecherin. Auch der Deutsche Fußball Bund will zu dem heiklen Thema nichts sagen.

Der DFB hat seine Position zum Thema Pyrotechnik bereits mehrfach dargestellt. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir uns aktuell dazu nicht äußern.

Stellungnahme Deutscher Fußball-Bund
Eine Fackel mit rötlicher Flamme
Es gibt die Fackeln in rot, gelb, grün, weiß und blau

Ob sich die Hardcore-Fans von der neuen Technik überzeugen lassen, das wird auch für Sig Zelt von der Fanorganisation "Pro Fans" die entscheidende Frage sein: "Für Ultras ist die Pyrotechnik sehr schwer verzichtbar. Und machen wir uns nichts vor: Es ist außerordentlich attraktiv und faszinierend, so ein gleißender Lichteffekt. Das zieht einfach. Darauf will man einfach nicht verzichten. Gleichzeitig: Wenn man die Möglichkeit hat, das gesellschaftskonform zu tun und tatsächliche Gefahren, die ja vorhanden sind, auszuschließen oder weitgehend auszuschließen, dann wäre das ein Weg in die richtige Richtung."

Nun folgt zunächst der große Testversuch in Dänemark. Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport plant die schwedische Liga ebenfalls einen großen Probelauf. Die Verantwortlichen haben dafür bereits 1.000 Fackeln bestellt.

Neue Pyrotechnik: Revolution in den Stadien?

Neue Pyrofackel, im Hintergrund das Weserstadion.

Dieses Thema im Programm: Bremen zwei, 20. November 2018,