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Woher Lennard Kämna seinen Siegeswillen hat

Seit seinem Etappen-Gewinn bei der Tour de France gilt der Bremer als kommender Radsport-Superstar. Sein Jugendtrainer erzählt, wieso er ihm sogar noch mehr zutraut.

Lennard Kämna breitet bei der Zieleinfahrt die Arme aus.
Niemand zu sehen: Mit großem Vorsprung vor der Konkurrenz fuhr Lennard bei seinem ersten Etappen-Gewinn ins Ziel. Bild: Imago | Zuma Wire
Herr Schreiber, wie groß war die Freude bei Ihnen, als Lennard Kämna bei 16. Tour de France-Etappe als Erster über die Ziellinie fuhr?
Die war riesig, weil er das mit Ansage gemacht hat. Als er im Vorfeld meinte, er wolle noch eine Etappe gewinnen, dachte ich mir: 'Woher nimmt er den Mut?' Gut, er weiß, was er drauf hat, aber es war erfrischend, das zwei Tage später dann auch zu sehen. Er ist ein frecher Kerl, aber er weiß, was er kann.
Was haben Sie ihm als Trainer geraten?
Ich habe ihm immer gesagt: 'Die Oma muss es sehen!' Er soll so eindeutig fahren, dass jeder erkennt: 'Ah, dort kommt der Erste.' Dann muss ein bisschen Zeit vergehen und erst dann kommen die anderen Fahrer. Alleine im Ziel anzukommen, das ist Radfahren auf der Straße! Und das macht er schon seit seiner Jugend. Wenn er in guter Form ist, dann kommt er halt alleine an.
Wie war das Training früher mit ihm?
Beim Radsport muss man schlank sein, um die Berge hochzukommen. Früher aber war ihm alles zu groß. Alles, auch die Brille. Die Leute haben mich immer auf der Straße böse angeguckt: Der große Alte und der kleine Junge dahinter, das ist ja ungerecht! (lacht) Man muss aber schon sagen, dass er nicht sehr gerne trainiert hat. Er ist lieber Wettkämpfe gefahren und nur wenn er gewonnen hat, hat es ihm Spaß gemacht. Je mehr Flaggen da waren und je mehr Internationale auf der Matte standen, desto wohler fühlte er sich.
Welchen Anteil hat seine Familie an Kämnas Erfolg?
Sein älterer Bruder John fährt auch Rad und Lennard ist immer zu den Rennen mitgenommen worden, weil die Eltern den Kleinen ja nicht zu Hause lassen konnten. So hat Lennard schon frühzeitig Bundesliga-Rennen gesehen und mitbekommen, wie der Vater im Auto geflucht hat, wenn John nicht gut genug war. Scheinbar ist es immer noch in ihm drin, dass er nicht will, dass sein Vater sich aufregt. (lacht)
Was ist er abseits der Strecke für ein Typ?
Er ist wirklich ein netter Kerl, sehr bodenständig. Ich freue mich, dass dieser Kontakt weiterhin da ist. Das Herzliche, das ist natürlich das Fundament für alles. Ich bin sehr stolz auf ihn und freue mich, dass er so gern nach Bremen kommt.
Was glauben Sie, kann er zukünftig noch erreichen?
Ich habe mich mal vor fünf Jahren als Nostradamus versucht und gesagt: 'Lennard wird bei der Tour 2022 den 3. Platz belegen.' Das ist meine Vorhersage.

(Das Interview führte Janna Betten. Aufgezeichnet von Helge Hommers.)

Lennard Kämna rast allen davon und gewinnt Tour de France-Etappe

Video vom 15. September 2020
Der Radprofi Lennar Kämna bei der Zieleinfahrt. Er jubelt.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Janna Betten

Dieses Thema im Programm: Sporblitz 16. September 2020, 18:06 Uhr