Interview

Kämna vor der letzten Tour-Woche: "Es gibt keine Schonfrist mehr!"

Lennard Kämna holte in der vergangenen Woche bei der Tour de France fast seinen ersten Etappensieg. Das möchte der Bremer bis zur Ankunft in Paris noch nachholen.

Video vom 14. September 2020
Moderatorin Janna Betten im Sportblitz-Studio. Auf einem Monitor Radrennsportler Lennard Kämna,
Bild: Radio Bremen

Nach einem schwierigen Start sorgt Lennard Kämna bei der Tour de France mittlerweile für Furore. Auf der 13. Etappe von Châtel-Guyon nach Puy Mary hätte er in der vergangenen Woche beinahe seinen ersten Etappensieg eingefahren. Am Ende musste er sich knapp dem Kolumbianer Daniel Martinez geschlagen haben. Doch aufgeschoben ist für den 24-Jährigen nicht aufgehoben. Wie Kämna am Montag – einem Ruhetag bei der Tour de France – im Interview mit dem Sportblitz verriet, möchte er vor der Ankunft am Sonntag in Paris noch den großen Coup landen.

Herr Kämna, der Montag war bei der Tour de France ein freier Tag. Wie locker-flockig sind ihre Beine denn noch?
Gute Frage. Beim lockeren Fahren habe ich mich eigentlich ganz gut gefühlt. Ich war nicht so kaputt wie ich dachte. Am Sonntag hatten wir auch eine schöne Massage. Von daher ging es eigentlich überraschend gut.
Nach all den Stürzen am Anfang: Wieviel Selbstbewusstsein gibt Ihnen dieser zweite Platz zuletzt?
Auf jeden Fall eine Menge. Mit den Stürzen hatte ich eine schwierige erste Woche. Das war alles ein bisschen suboptimal. Jetzt geht es mir eigentlich wieder ganz gut. Ich habe das Gefühl, dass die Stürze gut verkraftet sind und mich nicht mehr blockieren. Ich kann wieder tiefgehen und meinen Körper voll ausbelasten. Deshalb bin ich ziemlich selbstbewusst für die nächste Woche.
Viele lassen nach den bisher rund 2.000 gefahrenen Kilometern nach – aber Sie zünden den Turbo. Woher kommt die Kraft?
Ich konnte am Anfang nicht ganz so tiefgehen, wie ich es eigentlich gerne wolle. Unbewusst habe ich meinen Körper und meine Muskeln da vielleicht auch ein bisschen geschont. Ich war gefühlt zwar immer am Limit, aber hatte mich trotzdem nicht komplett ausbelastet. Das hilft mir jetzt vielleicht in Woche zwei und drei. Obwohl ich sagen muss, dass wir in der letzten Woche extrem viel gearbeitet haben und ich da echt viel an Kräften gelassen habe. Ich muss jetzt schauen, wie ich mich davon erhole und wie ich mich fühle. Aber an sich gibt es jetzt keine Schonfrist mehr. Es sind jetzt noch sechs Tage, und da wird einfach Vollgas gefahren.
Wie kommt es, dass Sie als Bremer Flachlandfahrer so gut in den Bergetappen sind?
Man trainiert ja auch viel in den Bergen, ich fahre ja nicht nur im Flachen. Wir sind im Höhentrainingslager gewesen und ich war auf Mallorca. Ich habe viele Höhenmeter gesammelt. Am Ende kommt es dann immer darauf an: Was wiege ich und wieviel Leistung kann ich treten? Und das kann man theoretisch auch im Flachen trainieren.
Die Tour de France geht noch eine Woche. Ist ein Etappensieg für Sie drin?
Ich hoffe! Ich werde weiterhin alles geben. Ich denke, ich war nicht so weit davon entfernt, einen reinzufahren. Deswegen denke ich auch, dass ich eine ehrliche Chance habe, vielleicht noch um einen Etappensieg zu kämpfen, wenn alles gut läuft.

(Das Interview führte Janna Betten. Aufgezeichnet von Karsten Lübben.)

So lief die bisherige Tour de France für Lennard Kämna

Video vom 14. September 2020
Kämna während einer Etappe bei der Tour de France
Für den Radprofi aus Bremen läuft es bei der Frankreich-Rundfahrt immer besser. In der letzten Woche soll ihm noch der große Coup gelingen. Bild: Imago | Belga

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Autorin

  • Janna Betten Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. September 2020, 18:06 Uhr