Hinter den Kulissen Deutschlands erfolgreichster Sportschule

Der Bremer Julian Hoyer ist eines der größten Volleyball-Talente in seiner Altersklasse. Der 16-Jährige hat den Sprung in das Sportinternat nach Berlin gewagt.

Volleyballer Julian Hoyer im Gespräch, im Hintergrund spielen einige Männer Volleyball in einer Sporthalle.

"Herzlich Willkommen in meinem neuen Zuhause", begrüßt Julian Hoyer seine Gäste stolz. Der 16-jährige lebt seit dem vergangenen Jahr im Sportinternat in Berlin, das zum Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) gehört. Und das ist nicht irgendein Sportzentrum, sondern das ist die erfolgreichste Sportschule in Deutschland. Alle 1.200 Schüler sind Leistungssportler.

Julian Hoyer Internat
In der 10. Klasse von Julian Hoyer sind nur Volleyball-Spieler und Spielerinnen.

130 davon leben im Internat. Einer von ihnen ist Julian Hoyer, der sich seinen Traum von der Karriere als Volleyball-Profi erfüllen will. Acht Mal die Woche hat er dort im Bundesstützpunkt Volleyball Training und das mit den besten deutschen Volleyballern in seinem Alter. Ende April gewann der Außenstürmer mit der U18 den Europameister-Titel. Ein historischer Triumph für den Verband und den Bremer.

Es war unglaublich. Wir konnten das alle nicht fassen. Es flossen Freudentränen, weil es so emotional war.

Julian Hoyer, U18-Europameister

Julian Hoyer führt ein Leben zwischen Schule und Leistungssport. Der Druck sportlich erfolgreich zu sein, ist genauso groß, wie in der Schule mithalten zu können. Die Sportler bekommen dabei keinen Extra-Bonus. "Auf keinen Fall. Sie müssen ja die zentrale Abiturprüfung bewältigen. Genau, wie alle anderen Schüler auch. Sie kriegen hier nichts geschenkt", so die Schulleiterin Gudrun Götze.

Julian Hoyer Internat
Die Vitrinen in der Sportschule sind voll – zuletzt haben sechs ehemalige Schüler an den olympischen Winterspielen teilgenommen.

Bei Julian, der in der 10. Klasse ist, läuft die Schule gut, und auch sportlich hat er sich in dem knappen Jahr in Berlin enorm weiterentwickelt. Bundestrainer Andreas Nestke zeigt sich fast ein wenig überrascht über sein erstes Jahr. "Er kam hierher und war schon sehr weit für sein Alter und deswegen finde ich es erstaunlich, dass er nochmal einen großen Sprung gemacht hat."

"Was er macht, macht er sehr, sehr gut"

Der 16-jährige Bremer hat allerdings ein Problem: Er ist 1,93 Meter groß und wird nicht mehr viel wachsen, so sein Trainer. Das ist fast schon zu klein für einen Außenangreifer. Die kommende internationale Konkurrenz wird über zwei Meter groß sein. Julian Hoyer hat dafür andere Stärken, so Andreas Nestke. "Bei der U18-EM hat sich Julian durch zwei Sachen ausgezeichnet: Effektivität im Angriff und Effektivität in der Annahme und das ist genau sein Spiel. Er macht selten spektakuläre Sachen, aber was er macht, macht er sehr, sehr gut."

Julian Hoyer Internat
Schule, Training oder Internat – an einer Magnettafel muss Julian Hoyer angeben, wo er sich aufhält.

Mit Training und Turnieren ist es für die jungen Talente aber noch nicht getan. Um Spielpraxis auf hohem Niveau zu sammeln, werden die Stützpunktmannschaften in die Bundesligen integriert. Gemeinsam mit den anderen deutschen Talenten seines Jahrgangs spielt Julian Hoyer mit dem VC Olympia Berlin in der Regionalliga. Mit 17 Jahren gehen sie dann hoch in die 2. Liga, mit 18 werden sie in der 1. Liga spielen.

200 Euro müssen die Eltern von Julian Hoyer monatlich für den Platz in der Sportschule bezahlen. Sein Zimmer, das er sich mit einem Schüler teilt, ist rund zwölf Quadratmeter groß. Nicht gerade viel, aber was hat Julian Hoyer zum Abschied gesagt: "Es reicht, ich bin ja sowieso beim Training, in der Schule oder sonst wo auf Turnieren."

Julian Hoyer Internat
Training, Training, Training – der Vorteil am Bundesstützpunkt Volleyball ist, dass sich Julian Hoyer dort ständig mit den besten Spielern seines Jahrgangs messen kann.

  • Claus Wilkens

Dieses Thema im Programm: buten und binnen mit Sportblitz, 3. Juni 2018, 19:30 Uhr