Bremer Schiri Jablonski: "Wir sind keine Marionetten"

Der Videobeweis sorgt für mehr Zoff als für Gerechtigkeit. Auch Bremens einziger Bundesliga-Schiri Sven Jablonski hat das hautnah miterleben müssen.

Sven Jablonski
Der Bremer Bundesliga-Schiedsricher Sven Jablonski musste mehrfach die Spieler in der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 beruhigen. Bild: Imago | Jan Huebner

Lange Diskussionen, nicht geahndetes Foul, unnötiges Eingreifen – der Videoassistent in der Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 war deutlich überfordert. Leittragender in diesem Spiel war der Bremer Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski. Keine Hilfestellung leistete der Videoschiedsrichter, der Assistent aus Köln stiftete nur Verwirrung.

Ferngesteuert aus Köln?

Es war ein hektischer Nachmittag für den jüngsten Schiri der Fußball-Bundesliga, der sich dadurch seinen Job aber nicht vermiesen lässt. "Ich habe nicht vor, schon wieder aufzuhören – mit 27. Ich bleibe noch dabei", so Jablonski schmunzelnd im Radio Bremen-Interview.

Jablonski steht erst am Anfang seiner Karriere. Natürlich schmeißt er seinen Job nach dem ersten Gegenwind nicht hin. Auch den Vorwurf, dass die Schiedsrichter mittlerweile aus Köln wie ferngesteuert wirken, wollte er so nicht stehenlassen:

Wir fühlen uns nicht als Marionetten. Die Verantwortung liegt nach wie vor beim Schiedsrichter auf dem Platz.

Sven Jablonski, Bundesliga-Schiedsrichter

Dennoch gibt auch der Blumenthaler zu, dass zuletzt Fehler gemacht worden sind. Mit dem Videobeweis sind Spontaneität und Spielfluss verlorengegangen. "Natürlich müssen wir hinterfragen, warum Entscheidungen so lange dauern. Klar ist, dass der Fußball immer im Mittelpunkt stehen muss", so Jablonski.

Angesichts der anhaltenden Diskussionen im deutschen Fußball wird vermehrt die Einführung eines Profi-Schiedsrichters gefordert. So wie es in England gehandhabt wird. Jablonski, der Schiedsrichter im Nebenjob ist, sieht dafür aber keine Veranlassung. "Wir sind in Deutschland professionell aufgestellt. Erst im Sommer hatten wir zwei Schiedsrichter, die ein internationales Finale gepffiffen haben. Wir haben national und international ein großes Ansehen", so Jablonski.

Der Videoschiedsrichter hat zuletzt in der Bundesliga zu oft in das Geschehen auf dem Platz eingegriffen. Auch bei Szenen, die nicht in seiner Verantwortung lagen. Das müsse sich in Zukunft ändern, fordert Jablonski: "Die meisten Entscheidungen liegen in der Grauzone. Wir müssen aber die Entscheidungen rausfiltern, die schwarz-weiß sind und nur diese korrigieren."

  • Claus Wilkens

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. November 2017, 18:06 Uhr