Neuer Eisbären-Coach: "Die Mannschaft ist verunsichert"

Erst seit einer Woche ist Arne Woltmann Eisbären-Coach, die erste Pleite hat er schon eingesteckt. Samstag wartet das Nordderby. Im Interview verrät er, woran es hakt.

Woltmann im Austausch mit Tre Bussey
Arne Woltmann im Austausch mit Eisbären-Neuzugang Tre Bussey Bild: Imago | Christoph Worsch
Am Mittwoch gab es bei Ihrem Debüt als Trainer der Eisbären eine 68:90-Niederlage in Jena. Können Sie mit etwas Abstand zusammenfassen, woran es gelegen hat?
Wir haben fünf Tage Zeit gehabt, um zusammenzufinden. Die Mannschaft musste sich an mich gewöhnen, ich musste mich an die Mannschaft gewöhnen. In fünf Tagen kann man natürlich nicht viel ändern. Wir haben an ein paar Kleinigkeiten gedreht, von denen wir dachten, dass wir das auch im Spiel umsetzen könnten. Das hat leider nicht so geklappt. Der Kopf, der viel denken muss, hat dann auch ein bisschen die Beine gelähmt.
Was konnten Sie in der kurzen Zeit überhaupt verändern, oder was steht auf Ihrem Plan für die nächsten Tage?
Letztendlich geht es darum, dass wir defensiv gefestigter werden. Dass wir da disziplinierter werden und jeder weiß, wie er sich in welcher Situation zu verhalten hat. Das ist ein Prozess, der nicht so ganz einfach ist – gerade in der Hektik des Spiels, wenn Emotionen und Adrenalin dazukommen. Da haben wir jetzt die meiste Arbeit investiert. Mit 90 kassierten Punkten ist da natürlich nicht viel von zu sehen.
Eine Sache, die auch wichtig ist, ist, dass wir wieder Selbstvertrauen finden. Wenn das Selbstvertrauen nicht da ist und die Köpfe nach unten gehen, kann man solche Defensivkonstrukte auch nicht so leicht verändern. Da ist der Hebel irgendwo dazwischen: Wir müssen defensiv konstanter werden, dadurch Selbstvertrauen bekommen, und dann können wir die Sachen auch umsetzen.

Der Kopf, der viel denken muss, hat dann auch ein bisschen die Beine gelähmt.

Arne Woltmann über die Niederlage gegen Jena.
Wie sind denn Ihre ersten Eindrücke vom Team als Trainer?
Ich war vorher auch nah dran. Jetzt ist es aber anders. Jetzt weiß ich genau, wie reagieren die Jungs konkret, wenn ich ihnen etwas sage. Wie reagieren sie auf Anweisungen. Wie können sie Anweisungen umsetzen. Das war vorher immer nur aus der Distanz zu sehen.
Ich glaube, die Mannschaft ist verunsichert. Und das aus gutem Grund: Wenn man im Dezember, fast schon Januar, nur mit zwei Siegen dasteht, dann gehen einem natürlich viele Dinge durch den Kopf. Fakt ist aber, wir müssen den Fokus auf Basketball richten. Nur dann können wir gut spielen. Die Spieler sind gewillt, alles zu tun, wir müssen nur schauen, wie wir es hinkriegen, dass sie auch Automatismen verinnerlichen. Ohne wird es nicht gehen.
Am Samstag ist das Nordduell gegen Oldenburg. Wie bereiten Sie die Mannschaft darauf vor?
Wir haben uns Oldenburg natürlich zur Genüge angeschaut und unsere Schlüsse daraus gezogen. Jetzt gucken wir, was davon zu unseren Möglichkeiten passt, wie wir Oldenburg möglichst vor Probleme stellen können. Dazu gibt es natürlich individuell die Vorbereitung auf Schlüsselspieler der Oldenburger. Das ganz normale Prozedere, was im Bundesliga-Alltag dazugehört. Das ist jetzt nichts Besonderes, weil es das Derby ist, was natürlich emotional immer noch mal eine andere Sache ist. Aber wir müssen das ganz fokussiert sehen.

Wir haben ein paar Jungs im Team, die wissen, wie Oldenburg zu schlagen ist.

Arne Woltmann vor dem Nordderby am Samstag.
Vor rund einem Jahr haben die Eisbären in der Bremer Stadthalle einen fulminanten Sieg gegen Oldenburg gefeiert. Helfen solche Erinnerungen?
Klar! Sechs Spieler aus der derzeitigen Mannschaft waren dabei, die sicherlich noch sehr gute Erinnerungen daran haben. Dementsprechend haben wir ein paar Jungs, die wissen, wie Oldenburg zu schlagen ist. Das hilft, und die sollten die Anführer sein, wenn es darum geht, mit Selbstvertrauen in dieses Spiel zu gehen.
Was macht Ihnen denn Mut, dass die Zuschauer am Samstag einen ähnlichen Erfolg sehen können wie im Vorjahr?
So schlecht das Jena-Spiel von uns auch war: Man kann auch aus solchen Spielen viel lernen. Ich glaube, nach der Video-Session gestern haben wir wirklich sehr viel mitnehmen können. Wenn wir die Sachen abstellen können, die wir da gemacht haben und vielleicht noch einen Schritt weitergehen und einiges aus dem Training gestern und heute umsetzen können, dann haben wir auch eine Chance. Es ist ja Sport und da hat man immer eine Chance. Wir müssen sehen, dass wir den Fokus auf das Spiel legen und nicht auf die Gesamtsituation.
Sie sind jetzt seit einer Woche als Manager und Trainer in Personalunion. Wie ist diese Doppelbelastung für Sie in den ersten Tagen gewesen?
Ich habe erstmal einen Antrag gestellt, dass mein Tag mehr als 24 Stunden haben kann. Das ist aber abgelehnt worden ... Es ist sehr, sehr umfangreich. Langeweile kommt nicht auf.

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  • Silke Boos

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, 29. Dezember 2017, 7:40 Uhr