Interview

Lennard Kämna: "In Paris ankommen ist das größte Ziel"

Der Radprofi aus Fischerhude bei Bremen fährt seine erste Tour de France. Im ARD-Interview spricht er über seine Ziele in Frankreich, die Faszination der Tour und seine Zukunftspläne.

Lennard Kämna im Interview mit ARD-Reporter Moritz Cassalette
Bild: ARD Sportschau
Lennard Kämna, erstmal herzlichen Glückwunsch zu einer auffälligen ersten Tour-Woche. Wie zufrieden sind Sie selbst?
Ich bin persönlich super zufrieden, wie es bisher gelaufen ist. Ich merke, meine Beine sind gut, der Teamspirit ist da und es macht richtig Spaß.
Sehr auffällig war, dass Sie sehr oft das Tempo gemacht haben im Feld, als Neuling auch nicht selbstverständlich. Woher nehmen Sie dieses Selbstvertrauen und die Kraft?
Ich merke, dass das ganze Team gut drauf ist, und da wird man mitgezogen. Und wenn man sieht, dass die anderen vorne fahren, dann weiß man auch, dass man sich da mit einreiht. Wir haben vielleicht noch nicht den Sieg geholt, aber an sich sind wir super stark und deswegen sind wir auch nicht enttäuscht.
Wie sind die ersten Eindrücke von der großen Tour de France?
Sehr, sehr gut. Die Stimmung ist immer toll und die Fans sind super. Es ist natürlich auch ziemlich hart, das muss man auch sagen. Die Geschwindigkeiten sind hoch und man muss sich ganz schön bücken, um überhaupt eine Chance zu haben, mal vorne mit reinzufahren und eine Chance zu kreieren.
Was macht dieses Rennen anders als andere große Rennen? Die Vuelta sind Sie auch schon gefahren.
Ich denke, dass alles drumherum nochmal einen Ticken größer ist. Es sind fast alle Top-Stars da. Jedes Team hat seine besten Leute hier und versucht Etappensiege einzufahren, in der Gesamtwertung vorne zu sein. Deswegen ist es alles einen Ticken stressiger. Das ist sozusagen unsere Weltmeisterschaft hier, unser höchstes sportliches Gut.
Haben Sie selbst noch persönliche Ziele bei dieser Tour?
Ich würde gern in Paris ankommen. Das ist das größte Ziel, was ich habe, und ich würde mich freuen, wenn wir mit dem Team noch einen Etappensieg holen.
Und eigene Ambitionen?
Ich würde gern mal in eine Spitzengruppe gehen, das sind so die Dinge, die ich mir noch vorgenommen habe. Aber ich habe nicht die Ambitionen, hier noch eine Etappe zu gewinnen oder so. Das wäre natürlich schön, und ich würde da nichts gegen sagen, aber so richtig als Ziel würde ich das nicht ausgeben.
Jetzt kommen die Pyrenäen. Wie groß ist der Respekt vor der zweiten Tourhälfte? Erst die Pyrenäen und dann noch die Alpen?
Es wird richtig, richtig hart werden und wir haben auch auf dem Profil gesehen, dass ein paar schwierige Anstiege mit dabei sind. Der Respekt ist natürlich groß, aber ich freue mich auch.
Was macht die Vorfreude auf die Berge aus?
Ich denke, die Bilder aus dem Fernsehen kennt jeder, wo Zweier- oder Dreierreihen am Berg stehen und einen anfeuern. Das ist das, was man als junger Fahrer sieht, und wo man unbedingt mal hinwill. Deswegen ist es das, worauf ich mich am meisten freue.
Jetzt hat Radsport-Deutschland in den letzten Jahren einige Erfolge gehabt, durch Etappensiege, durch Sprinter. Aber was fehlt ist ein Gesamt-Klassement-Fahrer. Nun ist Emanuel Buchmann immerhin schon Fünfter. Aber auch Ihnen wird nachgesagt, dass das durchaus mal was für Sie sein könnte. Sie sind am Berg gut, sie können gut Zeitfahren. Ist das perspektivisch was für Sie, hier bei einer großen Rundfahrt aufs Gesamtklassement zu fahren?
Vielleicht. Das kann ich noch nicht unbedingt sagen. Ich würde mich die nächsten Jahre erstmal freuen, wenn ich es schaffe, bei einer einwöchtigen Rundfahrt in die Top-Ten zu fahren. Ich möchte das alles Step by Step angehen und noch nicht zu groß träumen.

Das Interview führte Moritz Cassalette für die ARD.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 17. Juli 2019, 8 Uhr