Interview

Wie sich Nachwuchs-Fahrer Kämna auf die Straßenrad-WM vorbereitet

Lennard Kämna aus Fischerhude gilt als großes Radsporttalent. Mitten in der Saison hatte sich der 22-Jährige eine Auszeit genommen. Über die Gründe haben wir mit ihm gesprochen.

Lennard Kämna
2017 fuhr Lennard Kämna mit der Vuelta de Espana seine erste Große Drei-Wochen-Rundfahrt. Bild: imago | Sirotti

Angefangen hat für Lennard Kämna alles bei der Radrenngemeinschaft Bremen. Und wie viel Talent im inzwischen 22 Jahre alten Fischerhuder steckt, demonstrierte er 2017 mit seinem furiosen ersten Profijahr. Er fuhr die Vuelta, einer der drei großen Rundfahrten, und erreichte dort beim Einzelzeitfahren einen beeindruckenden achten Platz. Danach wurde er mit seinem Team Sundweb Mannschafts-Weltmeister im Zeitfahren und holte im U23-Straßenrennen die Silbermedaille.

Zum Start der neuen Saison plagte sich das Radsporttalent allerdings oft mit Erkrankungen und Infekten herum und kam nicht richtig in Tritt. Kämna und sein Rennstall zogen daher Mitte März die Notbremse – und Teamchef Rudi Kemna verordnete dem Youngster eine Erholungspause. Erst bei der Deutschland-Tour Ende August stieg Kämna wieder in den Wettkampf auf World-Tour-Ebene ein. Vom 22. bis 30. September nimmt er an der Straßenrad-WM in Innsbruck teil. Im Interview mit buten un binnen spricht er über seine Karriereziele und den Druck, der auf ihm als eines der größten, deutschen Radsporttalente lastet.

Lennard Kämna in Nahaufnahme.
Seit 2017 fährt Lennard Kämna für das Sunweb-Team. Bild: dpa | Michael Bahlo
Lennard Kämna, lange nichts von Ihnen gehört. Wie geht's?
Mir geht es sehr gut. Ich sitze entspannt im Freien und genieße den Tag.
Wie sieht denn so ein Tag eineinhalb Wochen vor der WM aus?
Heute hatte ich einen ganz entspannten Ruhetag und habe nicht viel gemacht. Ausgeschlafen, lange gefrühstückt, bisschen Dehnung gemacht und ansonsten die Beine hochgelegt. Morgen stehen dann wieder vier Stunden auf dem Programm. Da fahre ich ein intensiveres Training, auch mit dem Zeitfahrrad.
Nach einem ganz starken ersten Profijahr 2017 sind Sie im März diesen Jahres plötzlich aus dem Renngeschehen ausgestiegen und haben mitten in der Saison eine Pause eingelegt. Was war da los?
Ich hatte im Frühjahr ein bisschen Pech gehabt, ich bin von Infekt zu Infekt gelaufen, und am Ende hat mein Körper mir einfach signalisiert, dass ich mal eine längere Pause brauche. Ich habe dann auch viel mit dem Team geredet und die haben mir dann auch glücklicherweise die Zeit gelassen, wirklich mal Abstand vom Rad zu nehmen und mich einfach mal komplett zu erholen. Ich bin jetzt wieder voll im Training und fühle mich wieder gut. Ich habe das Gefühl, dass es mir sehr gut getan hat.
Woran haben Sie die Erschöpfung gemerkt? Profisport ist ja auch viel Kopfsache.
Der Kopf ist im Sport immer mit dabei, das kann man nicht leugnen. Aber im Großen und Ganzen war es eher der Körper. Ich habe trainiert, bin krank geworden und hatte dann nach den Krankheitstagen Probleme mit dem Einstieg, weil ich meistens etwas zu früh angefangen habe oder zu ehrgeizig trainiert habe. Und irgendwann bin ich einfach nicht mehr in Schuss gekommen. Und da haben wir gesagt: Jetzt muss echt mal eine Pause her.
Und wie haben Sie die ersten Wochen Pause erlebt?
Gut. Klar, erstmal ist es komisch, wenn man mal länger als drei Tage das Rad nicht anfasst. Aber ich habe mich dann mit vielen anderen Dingen beschäftigt und gesagt: 'Okay, das ist jetzt mal so, kann ich nichts dran ändern.' Und dann habe ich das einfach mal so mitgenommen. Das war irgendwo auch eine schöne Zeit.
Wo haben Sie die Zeit verbracht?
Ich war die komplette Pause in Fischerhude. Ich wohne ja auch wieder in Fischerhude. Es war super. Das Wetter war ja top die Wochen, in denen ich pausiert hatte, und da konnte man entspannt im Garten seinen Tag genießen.
Es hieß damals, Sie wollen die Pause nutzen, um sich über die langfristigen Ziele klar zu werden. Wie sehen die denn jetzt aus?
Die langfristigen Ziele sind mehr oder weniger gleich geblieben. Ich möchte richtig Fuß fassen im Profiradsport. Meine konkreten Ziele für das nächste Jahr zu benennen, das ist schwierig. Ich kenne den Rennplan noch nicht, und wir haben mit dem Team noch nicht über das nächste Jahr gesprochen. Aber im Großen und Ganzen möchte ich mich einfach festigen im Profiradsport und ein guter Radfahrer werden.
Lennard Kämna
Bei der U23-Weltmeisterschaft 2017 holte Lennard Kämna aus Fischerhude im Straßenrennen die Silbermedaille. Bild: imago | Sirotti
Das erste große Rennen nach der Pause war die Deutschland-Tour Ende August. Sie sind auf Platz 22 gelandet, ihr Kapitän auf Rang 4. Wie zufrieden sind Sie?
Die Platzierung war bei mir zweitrangig, denn wir hatten mit Tom Dumoulin einen ziemlich guten Leader. Ich denke, ich bin gute Rennen gefahren bei der Deutschland-Tour. Ich hatte eigentlich immer den Job, früh das Rennen ein bisschen zu aktivieren, bin viele Attacken mitgegangen und habe eigentlich ein sehr offensives Rennen gezeigt. Das hat riesig Spaß gemacht, und es war auch eine tolle Atmosphäre.
In eineinhalb Wochen steht nun die Straßen-WM an. Sie sind Titelverteidiger im Mannschaftszeitfahren, waren Zweiter beim U23-Straßenrennen. Was sind dieses Jahr die Ziele – gerade nach der langen Pause?
Beim Mannschaftszeitfahren bin ich in diesem Jahr nicht dabei, da wurde ich jetzt durch einen anderen Fahrer ersetzt. Bei den Planungen war nicht abzusehen, wie fit ich sein werde. Ich starte dafür beim Einzelzeitfahren der U23 und beim Straßenrennen. Die Ziele sind ein bisschen schwierig zu definieren, weil ich immer noch einen gewissen Trainings- und Wettkampfrückstand habe. Ich hoffe, dass ich eine gute Tagesform habe und dann lässt sich mit allem möglichen spekulieren. Im Großen und Ganzen gehe ich da ganz entspannt ran.
Sie gelten als eines der größten Talente im deutschen Radsport. Wie schwierig ist es, auch mit diesem Druck von außen, auch über die Medien, umzugehen?
Der Druck aus den Medien geht mir nicht so nahe. Man liest das und teilweise freut man sich drüber, teilweise denkt man sich: 'Okay, etwas übertrieben.' Aber im Großen und Ganzen bin ich ein Mensch, der eher auf sich selber guckt. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann und versuche mir da wenig Druck zu machen. Natürlich kann man nicht leugnen, an manchen Renntagen macht man sich selber auch einen Kopf. Aber generell gehe ich das noch sehr locker an.

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  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 11. September 2018, 23:30 Uhr