Kohfeldt: "Fühle mich sicher in dem, was ich tue"

Die Werder-Spieler sind schon im Weihnachtsurlaub. Trainer Florian Kohfeldt erzählt im Interview mit Radio Bremen, wie er die letzten acht Wochen erlebt hat.

Florian Kohfeldt
Seit Ende Oktober trainiert Florian Kohfeldt das Werder-Team. Der 35-Jährige erzählt im Interview, wie er mit seiner neuen Rolle umgeht. Bild: gumzmedia | Andreas Gumz
Sie haben Ihren Spielern Aufgaben mit in die Weihnachtsferien gegeben. Sie sollen topfit wiederkommen. Welche Aufgabe haben Sie sich denn gestellt?
Viel schlafen, nicht laufen, Kekse essen (lacht). Nein im Ernst. Also erstmal haben wir ein bisschen was zu tun, bevor wir in den Weihnachtsurlaub gehen, wir müssen das Trainingslager vorbereiten. Und dann würde ich wirklich mal ein bisschen länger schlafen. Das wäre ganz schön. Und natürlich Zeit mit der Familie verbringen, um dann die Energie zu haben in die Rückrunde zu gehen. Die wird viel Kraft kosten, aber auch viel Spaß machen. Davon bin ich überzeugt.
Sie müssen doch die letzten acht Wochen schon wie Weihnachten begriffen haben, oder?
Es war auf jeden Fall eine schöne Zeit mit schönen Erlebnissen und vor allem hier im Weser-Stadion mit emotionalen Erlebnissen.
Was macht die neue Rolle des Cheftrainers mit Ihnen?
Das ist etwas, was mich sehr freut, weil es mir unheimlich viel Spaß macht. Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass das eine große Verantwortung ist. Aber ich habe bislang nicht das Gefühl, dass mich das erdrückt. Man merkt schon, wie sehr man im Fokus steht. Wenn die Leute einen ansprechen, wie es läuft. Dessen bin ich mir bewusst. Ich bin mir auch bewusst, dass es bei Phasen, die vielleicht nicht so gut laufen, die es irgendwann mal geben wird, aber hoffentlich nicht so schnell, dass das dann auch ins Gegenteil umschwenken kann. Das weiß ich schon.
Florian Kohfeldt Trainer Werder Bremen
Was hat sich verändert?
Mein Alltag hat sich verändert. Nicht mein Arbeitsalltag im Großen und Ganzen, aber es ist schon was anderes, wenn man durch die Stadt geht und erkannt wird. Das war vorher jetzt nicht unbedingt so.
Und wie gehen Sie damit um?
Es ist für mich etwas, woran ich mich gewöhnen muss. Da bin ich ganz ehrlich. Gerade, wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin, ist das etwas, was mir sehr heilig ist. Das muss getrennt sein. Dass ich eine öffentliche Person bin, ist völlig okay. Das bringt dieser Job mit sich. Wenn es um meine Familie geht, bin ich da anders gepolt. Da bin ich ganz ehrlich, das möchte ich ungern, gerade was Fotos angeht. Das finde ich schon schwierig, wenn Leute Fotos mit der ganzen Familie machen wollen.
Wenn Sie im Stadion stehen, vor der Trainerbank: Sehen Sie nur das Spiel oder gibt es auch Momente, wo Sie denken: Wo stehe ich hier gerade?
Ehrlich gesagt sehe ich nur das Spiel. Das Stadion nimmt man wahr als Geräuschkulisse, natürlich. Ist Unterstützung da, ist Unzufriedenheit da, das merkt man schon. Aber im Grunde konzentriert man sich aufs Spiel. Ich gebe zu, es gab einen Moment, den hab ich besonders genossen und gedacht: ‚Wow‘. So in der 89. Minute gegen Hannover, da war ich mir recht sicher, dass das klappt, und da habe ich mich mal ein bisschen umgeguckt und gedacht: Ja, das ist schon was Besonderes.
Können Sie sich noch an ihre erste Berührung mit Werder Bremen erinnern?
Ja, mein Vater – wir haben nicht in Bremen gewohnt – ist hier beruflich hingefahren, und das Erste, was er mir aus Bremen mitgebracht hat, war eine Postkarte der Werder-Mannschaft. Da gab es noch so kleine Postkarten mit dem Portas-Trikot damals noch, und das war meine erste bewusste Berührung mit Werder Bremen.
Was war denn dann Ihr prägendstes Erlebnis mit Werder Bremen?
Jetzt wollen wahrscheinlich viele was hören von der Profi-Mannschaft, aber ich muss was anderes erzählen. Das tollste Erlebnis, was ich bislang bei Werder Bremen hatte, war das Halbfinale Deutsche Meisterschaft mit der U17 mit Viktor (Skripnik; Anm. d. Red.) damals im Trainerteam und mit vielen Spielern, die auch später in der Profimannschaft dabei waren. Wir haben in Stuttgart gespielt. Das war eine besondere Situation, weil es nur ein Halbfinale gab, sonst gibt es in den Jugendmannschaften Hin- und Rückspiel. Und wir waren klarer Außenseiter. Das war bei Stuttgart eine starke Mannschaft damals. Serge Gnabry hat gespielt. Und da habe ich dieses Gefühl gehabt, wie wir zusammen was schaffen. Da haben wir wirklich ein wahnsinniges Spiel geliefert. Es war im Mai, aber es hat geregnet in Strömen, und wir haben im Elfmeterschießen gewonnen. Den Moment werde ich nie vergessen, wie Lukas Fröde den letzten Elfer in den Winkel haut, und wir stehen im Finale um die Deutsche Meisterschaft. Das war ein prägender Moment bei Werder Bremen. Da erinnere ich mich total gerne dran.
Wie gut vorbereitet sind Sie auf Ihre neue Rolle als Cheftrainer?
Ich muss sagen, dass mich nichts überfordert. Ich habe das Gefühl, es ist natürlich fordernd, aber nicht überfordernd. Deshalb fühle ich mich auch wohl und fühle mich grundsätzlich sicher in dem, was ich tue. Das ist auch ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit, denn so muss ich vor die Mannschaft treten. Mit einer gewissen Sicherheit, mit einer gewissen Überzeugung.
Sie sind ja sehr zuversichtlich, dass Werder die Klasse hält. Ist diese Zuversicht ungebrochen?
Ja. Die ist ungebrochen. Die fußt auf meiner Meinung über die Qualität des Kaders, der Wissbegierigkeit dieser Mannschaft Sachen anzunehmen und dem Charakter dieser Mannschaft, auch Widerstände zu brechen, Rückschläge hinzunehmen. Und das alles bringt mich zu der Überzeugung, dass wir die Klasse halten werden.
Halten Sie Nachbesserungen im Kader überhaupt für nötig?
Wir sollten Ohren und Augen offenhalten, nach Möglichkeiten suchen, sie aber nur realisieren, wenn sie uns zu 100 Prozent auch verstärken. Grundsätzlich glaube ich, dass die Qualität des aktuellen Kaders definitiv ausreicht, um die Bundesliga zu halten.
Woran wollen Sie im Winter-Trainingslager vor allem arbeiten?
Es gibt zwei Hauptschwerpunkte: Das Positionsspiel offensiv wird ein Schwerpunkt sein, also geordnet mit Ball. Man hat in den letzten Spielen gesehen, dass wir da durchaus noch dran arbeiten können. Ich halte das für einen wichtigen Punkt, mal Phasen im Spiel zu haben, in denen wir Ruhe haben, weil wir den Ball haben. Daran wollen wir arbeiten. Genauso an dem Moment nach Ballverlusten. Was tun wir in diesem Moment? Wir wollen da verteidigen, wo wir den Ball verlieren. Aber das müssen wir weiter verfeinern. Wer ist es, der den Ball wieder erobert? Wer sichert in dem Moment? Das werden die zwei Schwerpunkte sein, und da haben wir in einer Woche auch genug zu tun.
  • Henry Vogt
  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Dezember 2017, 18:06 Uhr