"Ich sinke – kein Witz": Segler Herrmann hilft bei Rettungsaktion

Der gebürtige Oldenburger war bei der Vendee-Globe an der Suche nach dem verunglückten Kevin Escoffier beteiligt. Trotz erfolgreicher Rettung machte ihm der Vorfall zu schaffen.

Segler Boris Herrmann schaut zum Mast hoch.
Auf hoher See läuft selbst für erfahrene Segler wie Boris Herrmann nur selten alles nach Plan (Archivbild). Bild: DPA | Pierre Bouras

Spektakuläre Rettung bei der Vendee Globe: Der Segler Kevin Escoffier hat in der Nacht zu Dienstag bei der Vendee Globe ein SOS-Signal gefunkt und im Anschluss Hunderte Seemeilen vor Kapstadt zwischen fünf Meter hohen Wellen auf einem Rettungsfloß ausgeharrt. Erst nach fast zwölf Stunden konnte der Franzose gerettet werden. Auch der gebürtige Oldenburger Boris Herrmann half bei der Suchaktion mit.

Ich habe einen sehr engmaschigen Suchsektor mit nur 600 Metern Abstand zwischen den Passagen zugeteilt bekommen, den ich sehr genau absuchen sollte. Jede Passage hätte eine Stunde in Anspruch genommen. Ich hätte also 15 bis 20 Stunden gebraucht, um das Gebiet abzusuchen. In solchen Momenten wird man sich bewusst, wie unglaublich groß das Suchfeld ist und was für eine Nadel im Heuhaufen wir hier suchen.

Solo-Segler Boris Herrmann in seinem Youtube-Tagebuch

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Ereignet hatte sich der Schockmoment des bis dato Drittplatzierten bei der wohl härtesten Regatta der Welt am frühen Montagnachmittag. Escoffiers Boot war in zwei Teile gebrochen, woraufhin er in Lebensgefahr geriet. Surreal sei es gewesen, wie in einem Film, "nur schlimmer", sagte der Franzose nach seiner Rettung: "Binnen vier Sekunden ist die Nase des Schiffes abgetaucht, der Bug ist um 90 Grad abgeknickt, überall war Wasser und ich musste sofort die Nachricht schicken, bevor die Elektronik den Geist aufgibt." Darin stand: "Ich brauche Hilfe. Ich sinke. Das ist kein Witz." Inzwischen hatte die Regatta-Leitung alle Boote, die in der Nähe segelten, umgeleitet, sodass mit einer Rettungs-Flotte nach dem Verunglückten gesucht werden konnte. Keine leichte Aufgabe, wie Herrmann erzählt.

Ich habe versucht, so gut es geht in alle Richtungen zu gucken. Gleichzeitig war es natürlich absehbar, dass man es nicht schaffen wird, dort zehn Stunden lang Ausschau zu halten. Der Wind ist sehr kalt gewesen in der Nacht und der Seegang hoch, Gischt kommt über Deck – irgendwo sind da auch Grenzen.

Solo-Segler Boris Herrmann in seinem Youtube-Tagebuch

Dass sein Kontrahent schließlich geborgen werden könnte, sei für den 39-Jährigen eine "große Erleichterung" gewesen. Nach der Rettung nahm Herrmann das Rennen, das nonstop und ohne Hilfe einmal um die Welt führt, mit einer Zeitgutschrift wieder auf – jedoch spukten die aufwühlenden Ereignisse noch länger in ihm herum: "Ich bin im Kopf noch nicht dort, wo das Rennen ist. Aber das wird sicherlich bald kommen und ich gebe mir Zeit, die Sache sacken zu lassen."

Alleine um die Welt: So läuft Boris Herrmanns Weltumsegelung

Video vom 29. November 2020
Ein großes Segelschiff in starker Krängung.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Dezember 2020, 18:06 Uhr