Nach Corona-Infektion: Bremer Handballer Finn Lemke ist auf WM-Kurs

Der 28-Jährige steht nach seinem Comeback in der Nationalmannschaft im vorläufigen Aufgebot für die Handball-WM. Das Turnier ist jedoch bereits im Vorfeld stark umstritten.

Video vom 9. Dezember 2020
Finn Lemke sitzt lächelnd in seiner Küche.
Bild: Radio Bremen

Mit den "Bad Boys" der deutschen Handball-Nationalmannschaft holte Finn Lemke im Winter 2016 sensationell den EM-Titel. Der gebürtige Bremer stand in allen Endrundenpartien auf dem Parkett und schwang sich als Abwehrchef und als Motivator zu einem der Führungsspieler des Teams auf. In den Jahren darauf folgten für ihn im Nationaldress zwar weitere Höhen, aber auch manche Tiefen. So fand er unter Bundestrainer Christian Prokop trotz vieler Befürworter zwischenzeitlich gar keine Berücksichtigung mehr. Bei Neu-Nationalcoach Alfred Gislason ist er hingegen wieder gesetzt: In den Länderspielen gegen Bosnien und Herzegowina (25:21) und Estland (35:23) gab Lemke nach mehr als anderthalbjährige Abwesenheit wieder sein Comeback. Mehr noch: Der Kapitän der MT Melsungen, der im DHB-Team vorwiegend in der Defensive zum Einsatz kommt, warf sogar in beiden Partien jeweils ein Tor.

Wieder dabei zu sein und meine Mitspieler wiederzusehen, hat mich riesig gefreut. Es war ja doch ein wenig Zeit vergangen. Dass wir zwei Siege geholt haben, war natürlich besonders schön. Und zwei Tore mache ich ja auch nicht so häufig.

Handball-Nationalspieler Finn Lemke im Gespräch mit "buten un binnen"

Wenig überraschend steht Lemke nun auch im vorläufigen Aufgebot der deutschen Auswahl, die ab Mitte Januar in Ägypten um den WM-Titel mitspielen soll. Ob er es auch in den endgültigen Kader schafft, entscheidet sich erst in knapp zwei Wochen, wenn Gislason das Team von 32 auf 20 Spieler reduziert. Bis dahin gilt für Lemke also: "Leistung zeigen und mich präsentieren". Sich in Szene zu setzen, das war für ihn zuletzt jedoch nur bedingt möglich: Den 28-Jährigen setzte im November eine Corona-Infektion außer Gefecht. Er und seine Teamkollegen mussten daraufhin in Quarantäne. Zwei Wochen lang war Lemke von seinen Mitmenschen isoliert, was dem Familienvater ordentlich zusetzte. "Keine schöne Zeit", erzählt der Rechtshänder.

Handball-Nationalspieler Finn Lemke beim Torwurf.
Ein seltenes Bild im Nationalteam: Finn Lemke (rechts) beim Torwurf. Bild: Imago | wolf-sportfoto

Die Austragung des WM-Turniers ist bereits im Vorfeld äußerst umstritten. Trotz der Umstände durch die Corona-Pandemie hält die Internationale Handballföderation an der Austragung des zweiwöchigen Wettbewerbs mit insgesamt 32 teilnehmen Mannschaften aus aller Welt fest. Mehrere Vereine und einige Spieler finden das nur schwer verständlich. Für Aufsehen sorgte etwa Patrick Wiencek, Kreisläufer des deutschen Nationalteams. "Bam-Bam", wie er in DHB-Kreisen gerufen wird, teilte nach seiner Nominierung mit, dass er auf seine WM-Teilnahme verzichte. "Ich bin nicht nur Nationalspieler, sondern auch Spieler des THW Kiel und vor allem Familienvater", sagte Wiencek. Angesichts der aktuellen Situation habe es sich für ihn nicht richtig angefühlt, für so lange Zeit so weit weg von zu Hause zu sein. Ein Schritt, für den Lemke Verständnis aufbringt.

Natürlich ist es immer eine große Ehre, in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber ich kann seine Entscheidung zu 100 Prozent nachvollziehen, gerade wenn man so wie ich selbst einmal infiziert gewesen ist. Das muss man bei der Bewertung in Betracht ziehen und von daher glaube ich, dass "Bam-Bam" die richtige Entscheidung für sich getroffen hat.

Handball-Nationalspieler Finn Lemke im Gespräch mit "buten un binnen"

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Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau, 9. Dezember 2020, 12 Uhr