Einmaliges Projekt: In Bremen werden Häftlinge zu Schiris ausgebildet

Es ist ein einmaliges Projekt in Deutschland: Der Bremer Fußball Verband (BFV) bildet im Gefängnis in Oslebshausen Insassen zu Schiedsrichtern aus.

Ein Fußballer hält den Ball hoch.
"Viele haben Familie und wollen in Zukunft ein besseres Vorbild für ihre Kinder sein", sagt Burkhard Meyer, Sportbeamter und Leiter des Projekts. Bild: DPA | Uwe Anspach

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oslebshausen in Bremen sitzen fast 480 Insassen ihre Strafe ab, vom Kleinkriminellen bis zum Schwerverbrecher. Einer von ihnen ist Tali. Im grauen Gefängnisalltag ist Sport sein ganz persönliches Highlight. Besonders gern spielt er Fußball. Seit ein paar Wochen nun lässt er sich hinter Gittern auch noch zum Schiedsrichter ausbilden, genauso wie neun seiner Mithäftlinge. "Man lernt Konflikte einfach zu lösen ohne handgreiflich zu werden", sagt Tali.

Gefängnis-Insasse Tali zeigt die Gelbe Karte
Tali macht den Schiedsrichter-Lehrgang im Gefängnis: "Es schult den Charakter."

"Dieses einmalige Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem Bremer Fußballverband entstanden", erklärt Burkhard Meyer, Sportbeamter und Leiter des Projekts. Ziel sei es, den Häftlingen Werte zu vermitteln und sie auf das Leben nach ihrer Entlassung vorzubereiten. "Viele haben Familie und wollen in Zukunft ein besseres Vorbild für ihre Kinder sein. Außerdem können sie sich nach der Entlassung als Schiedsrichter einem Verein anschließen, haben gleich neue Kontakte und können so vielleicht aus ihrem alten Milieu herauskommen."

Tipps von Bundesliga-Schiri Jablonski

Gepaukt wird vor allem viel Theorie, aber auch die Praxis kommt nicht zu kurz. So gehören auch Rollenspiele zur Ausbildung. "Da gib es zum Beispiel eine Rudelbildung, oder du wirst als Schiedsrichter von allen angegangen. Wie verhalte ich mich da eigentlich richtig?", sagt Kursleiter Adrian Gajewski vom BFV, "wie zeige ich eine Karte, wie spreche ich mit den Spielern, wie wirke ich auf andere. All das sind Themen".  "Du hast nur die Pfeife in der Hand und musst versuchen Ruhe zu bewahren – alles mit Gestik und Mimik lösen. Das ist schon sehr Interessant", sagt Tali. Tipps und Tricks hat auch Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski den "Auszubildenden" schon gegeben. Zwei Mal hat er den Kurs in der JVA besucht.

Die JVA Oslebshausen
Ungewöhnlicher Ort für einen Schiedsrichter-Lehrgang: Die Justizvollzugsanstalt in Oslebshausen.

Voraussichtlich noch in dieser Woche sollen die zehn Kursteilnehmer nun ihre Prüfung ablegen. Burkhard Meyer glaubt nicht, dass einer durchfällt: "Die Jungs verhalten sich vorbildlich, sie sind mit Elan dabei und pauken ohne Ende. Es kommt auch schon mal vor, dass ich – wenn ich die Jungs zufällig auf dem Gefängnishof treffe – aus Spaß eine Frage stelle. Und die haben immer die passende  Antwort parat."  Für Tali hat sich die Teilnahme an dem Kurs so oder so gelohnt: "Jeder macht Fehler im Leben und die Leute die hier sind, haben ihre Strafe dafür bekommen. Im Grund genommen sind wir ja hier, um etwas zu lernen. Und ich nehme sehr viel mit. Es schult den Charakter – es verändert einen."

  • Daniel Haselbach

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 11. Dezember 2018, 9:15 Uhr