Baumann unter Zugzwang: Aber kann Werder um Neue genug mitbieten?

Video vom 22. August 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann und Scouting-Chef Clemens Fritz stehen am Rande des Spiels in Karlsruhe beieinander.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werders torloser Auftritt beim KSC zeigte, dass dringend neue Spieler her müssen. Doch am Ende könnten die Wunsch-Transfers noch an den Ablösesummen scheitern.

Am Samstagmittag waren die Gesänge der Werder-Fans von den Rängen des Karlsruher Stadions wesentlich freundlicher als zuletzt im Bremer Weser-Stadion. Frank Baumann wurde nicht wütend beschimpft oder ausgebuht. Doch das, was Werder auf dem Rasen gegen den Karlsruher SC ablieferte, setzte den Sportdirektor dennoch mächtig unter Druck.

Denn offensiv tat sich bei den Bremern nichts und so fühlte sich dieser verbesserte Auftritt am Ende trotz des Punktgewinns wie eine kleine Niederlage an. Das Team von Markus Anfang ist zu grün, es fehlen vor allem im Sturm die schlagkräftigen Verstärkungen. Und so bekam Baumann nach dem 0:0 wieder viele quälende Fragen zu hören, die er wieder wenig konkret beantwortete.

Es wird noch etwas passieren und es kann auch etwas investiert werden. Natürlich im überschaubaren Maß. Das ist einfach so. Die wirtschaftliche Stabilität hat nach wie vor Vorrang. Und trotzdem wollen wir uns natürlich sportlich verstärken.

Werder-Sportchef Frank Baumann in der ARD

Werder muss mit offenen Karten pokern

Doch der Unterschied zwischen wollen und können ist bei Werder momentan so weit wie ein Fußball-Feld. Das größte Problem: Die Konkurrenz weiß, dass die Grün-Weißen in Finanznöten stecken. Und das ist wie Poker mit offenen Karten, schlechter geht es kaum.

Baumann bemüht sich derzeit um den griechischen Stürmer Georgios Giakoumakis von VVV Venlo. Der 26-Jährige war unter der Woche sogar zu Besuch in Bremen, um sich alles anzuschauen. Und Werders Sportlicher Leiter Clemens Fritz meinte hinterher, es habe Giakoumakis "recht gut gefallen".

"Können andere Vereine nicht mit Geld übertrumpfen"

Doch das Gehaltsangebot der Bremer hat ihm offenbar nicht sonderlich gefallen. Er will weiter überlegen. Und der Grieche hat so viele Offerten, dass er sich den besten Happen rauspicken kann. Ob das Werder sein wird, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber doch fraglich.

Denn Baumann gab nach dem KSC-Spiel zu, dass man "die anderen Vereine nicht mit Geld übertrumpfen" könne. Werder kann nur auf andere Art die Spieler überzeugen und das ist im Fußball-Geschäft heutzutage knifflig. Auch beim möglichen Transfer von Linton Maina dreht es sich um die Höhe der Ablöse und daran könnte der Wechsel noch scheitern.

Auch bei Hannovers Maina geht es ums Geld

Am Wochenende setzen sich die Verantwortlichen von Hannover 96 zusammen, um darüber zu beraten. Das bestätigte Geschäftsführer Martin Kind am Freitag. "Ergebnisoffen" wären die Beratungen, so hieß es. Und das bedeutet, dass die kolportierte Ablösesumme von mindestens zwei Millionen Euro für Werder zu hoch sein könnte. Maina hat einen geschätzten Marktwert von drei Millionen Euro und ist Hannovers wertvollster Spieler im Kader.

Der Vertrag des Flügelspielers läuft am Saisonende aus. Die Ablöse wird also der Knackpunkt. Die Frage bleibt aber, ob es Werder tatsächlich zwei Millionen Euro wert sein sollte, den nächsten verletzungsanfälligen Spieler einzukaufen. Es zeigt wohl, wie hoch der Leidensdruck bei Werder ist. Aber so oder so wird sich in den kommenden neun Tagen zeigen, wie gut oder schlecht sich Baumann beim Pokern mit offenen Karten angestellt hat.

Werder-Sportchef Baumann: "Es kann etwas investiert werden"

Video vom 22. August 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann nach dem Spiel in Karlsruhe beim Interview vor einer Werbewand.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 21. August 2021, 18:30 Uhr