Spitzenreiter über Nacht: Werder wittert Bundesliga-Luft

Die Werder-Spieler stehen aufgereiht Arm in Arm nebeneinander vor dem Bremer Fanblock im Ostseestadion und feiern den Sieg.
Bild: DPA | Eibner-Pressefoto / Andy Buenning

Obwohl Darmstadt und St. Pauli an den Bremern in der Tabelle wieder vorbeiziehen können, wird das Ziel Aufstieg immer realistischer. Trainer Werner bremst dennoch.

Diese 500 Kehlen waren ganz schön laut. "Spitzenreiter, Spitzenreiter" skandierten die Bremer Fans am Freitagabend ausgelassen im Ostseestadion zwischen 9.500 Rostockern, denen gar nicht zum Feiern zumute war.

Doch die grün-weiße Welt war nach dem 2:1-Sieg rosarot, denn der siebte Erfolg in Folge katapultierte Werder auf Platz eins der Zweitliga-Tabelle. Die Trauer und die Wut über den Abstieg im vergangenen Mai sind beim Anhang längst verflogen: "Der SVW ist wieder da", sangen sie selig.

Erstmals seit elf Jahren wieder spitze

Und wer hätte das vor wenigen Wochen tatsächlich so erwartet? Werder kämpfte mit der Umstellung auf die 2. Liga, während sich der Kader erst zurecht ruckelte, als die Saison längst im Gange war. Dann sorgte die Anfang-Affäre für einen Skandal, der aber die Chance zum Neuanfang wurde – und Werder nutzt sie.

Mindestens für knapp 24 Stunden thronen die Bremer nun über der Konkurrenz und man muss lange zu jener Zeit zurückblättern, als Werder zum letzten Mal Spitzenreiter gewesen ist. Elf Jahre oder auch 3.800 Tage ist das bereits her und damals, im September 2011, spielten die Grün-Weißen noch in der Bundesliga.

Darmstadt und St. Pauli lauern

Dass sie im Mai dorthin zurückkehren könnten, ist inzwischen gar nicht so unwahrscheinlich geworden. Zwölf Punkte war Werder schon von den Aufstiegsplätzen entfernt, doch unter Trainer Ole Werner sind mittlerweile 41 Punkte auf dem Konto.

Darmstadt 98 (39 Punkte) und der FC St. Pauli (38 Punkte) können im Laufe des Wochenendes zwar wieder an den Bremern vorbeiziehen, doch das ist unerheblich. Entscheidend ist: Werder wittert wieder Bundesliga-Luft.

"Außergewöhnlich, was sie geleistet haben"

Abzuheben drohen die Bremer jedoch nicht, dafür sorgt allein schon Werner mit seiner bodenständigen, norddeutsch-nüchternen Art. Nur der Fokus aufs nächste Spiel zählt, predigt der Trainer, und der Aufstieg sei noch viel zu weit weg, um jetzt schon darüber zu sprechen. Ansprechen will er dagegen aber, was im Werder-Spiel noch nicht gut genug läuft. So ist Werner und seine Ansprache fruchtet offenbar.

Ich habe den Spielern im Kreis auch gesagt, dass das außergewöhnlich ist, was sie in den letzten Wochen geleistet, was sie reingesteckt haben. Aber man sieht auch, dass das jedes Mal harte Arbeit ist.

Werder-Trainer Ole Werner in der ARD

Werners Mantra lautet also: Weiterarbeiten, immer weiter. Und sich dabei auch nicht von irgendwelchen Rekorden ablenken lassen, die in Sichtweite der Bremer sind. Stürmer Marvin Ducksch ist in Rostock mit seinem siebten Treffer im siebten Spiel bereits mit Rudi Völler gleichgezogen, gegen Ingolstadt könnte er ihn gar überflügeln.

Werner nervt der Rehhagel-Rekord

Dass die Serie von sieben Siegen in Folge außergewöhnlich ist, wird daran deutlich, dass es sie in der 2. Liga seit der Saison 2015/16 nicht mehr gegeben hat. Damals gewannen die Freiburger gar acht Mal am Stück. Sollte Werder gegen Tabellenschlusslicht Ingolstadt am Samstag also erneut drei Punkte holen, wäre diese Bestmarke egalisiert.

Aber nicht nur das: Auch Werner hätte dann Trainer-Legende Otto Rehhagel eingeholt, der nach seinem Amtsantritt 1981 acht Mal in Folge gewann. Der aktuelle Coach ist von diesen Nachfragen inzwischen genervt und kann mit persönlichen Rekorden nichts anfangen. Vermutlich auch ein Teil des Bremer Erfolgsrezepts.

Bei dem Thema kriege ich mittlerweile schlechte Laune. Ich habe jetzt ein paar Mal gesagt, dass mich das überhaupt gar nicht interessiert. Ich versuche, der Mannschaft auf dem Platz eine Richtung vorzugeben. Alles andere ist mir egal.

Werder-Trainer Ole Werner in der ARD

Deshalb ist Werders Siegesserie Fluch und Segen zugleich

Bild: Imago | Eibner

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende, 11. Februar 2022, 20:20 Uhr