Punkt gewonnen oder Sieg verspielt? Gemischte Gefühle bei Werder

Video vom 30. Oktober 2021
Die Werder-Mannschaft steht nach dem Unentschieden gegen St. Pauli vor der Fankurve und applaudiert.
Bild: Imago | Nordphoto
Bild: Imago | Nordphoto

Mutig aufgetreten, gut gespielt, geführt – und doch musste sich Werder mit einem 1:1 gegen St. Pauli begnügen. Bei Trainer Markus Anfang überwog das Bedauern.

Die Partie war vorbei, doch für einen Moment fragte man sich, ob der Abpfiff tatsächlich zu hören gewesen war. Denn von den erstmals seit 20 Monaten wieder voll besetzen Rängen des Weser-Stadions kam keine Reaktion. Kein Jubel, keine Pfiffe, kein Applaus.

Es schien, als bräuchten die Werder- wie auch die St-Pauli-Fans nach diesem intensiven Spiel einen Moment, um ihre Gefühlslage zu sortieren. Was sollten sie mit diesem 1:1 anfangen? War es gut oder doch ärgerlich?

"Es ist sehr ärgerlich"

Werder-Trainer Markus Anfang steht fragend mit ausgebreiteten Armen an der Seitenlinie.
Hätte gerne eine bessere Chancenverwertung von seiner Mannschaft gesehen: Werder-Coach Markus Anfang. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Während sich beide Mannschaften fast einträchtig nah nebeneinander am Mittelkreis versammelten, um für sich selbst diese 90 Minuten kurz einzuordnen, überwog auf den Rängen schließlich die Freude über diesen unterhaltsamen Fußball-Nachmittag. Und als die Bremer und Hamburger dann vor ihre jeweiligen Kurven zogen, herrschte auf beiden Seiten Partylaune. Fast wie nach einem Sieg.

Bei Werder-Trainer Markus Anfang schwang jedoch mehr Bedauern über die verpasste Siegchance gegen den Zweitliga-Tabellenführer mit.

Mit dem 1:1 müssen wir beide leben. Wenn man in der 60. in Führung geht und in der ersten Halbzeit so viel liegen lässt, ist es sehr ärgerlich.

Werder-Trainer Markus Anfang

Werder belohnt sich für die erste Halbzeit nicht

Anfangs Frustration war verständlich, schließlich war seine Mannschaft im Vergleich zum schwierigen Spiel in Sandhausen mit sehr viel Schwung, Leidenschaft und Willen gegen die formstarken Hamburger aufgetreten. "Wir haben um jeden Meter Boden gekämpft", lobte der Werder-Trainer.

Die Doppelspitze aus Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug trieb St. Paulis Defensive ein ums andere Mal den Angstschweiß auf die Stirn. Doch so klar die Möglichkeiten für Werder auch waren, der Ball wollte partout nicht ins Tor. Marco Friedl half dann mit der Hand nach, aber Faustball ist eben eine andere Sportart. Das 0:0 zur Halbzeit wäre angesichts der jüngsten Auftritte der Bremer schmeichelhaft gewesen, aber nach dieser mitreißenden Leistung war es viel zu wenig.

In der ersten Halbzeit hatten wir viel mehr vom Spiel und klare Torchancen. Wenn wir mit 2:0 in die Pause gehen, ist das mehr als okay. Man hat gemerkt, dass St. Pauli ein bisschen überrascht war, dass wir so gespielt haben.

Werder-Trainer Markus Anfang

Führung hält nur 5 Minuten

Der Überraschungseffekt legte sich nach der Pause zwar, doch Werder gelang nach schönem Pass von Füllkrug in den Lauf von Ducksch die 1:0-Führung – sie sollte aber nur fünf Minuten währen. Wieder macht eine Unkonzentriertheit den Bremer Aufwand zunichte, St. Pauli glich aus.

Wenn wir die Führung länger halten, denke ich schon, dass wir das Spiel gewinnen. Aber das haben wir nicht geschafft. Wir verlieren wieder den Ball.

Werder-Trainer Markus Anfang

Werders Schwung und die Überlegenheit vom Beginn waren dahin, aber die Bremer wehrten sich zumindest. Zwei Chancen in der Schlussphase hätten den Sieg noch bringen können, stattdessen hatte man Glück, dass St. Paulis Treffer in der Nachspielzeit wegen Handspiels nicht gegeben wurde.

"Können viele positive Dinge mitnehmen"

Die Werder-Mannschaft mit Betreuern versammelt sich nach dem Spiel im Kreis zur Besprechung.
Zusammenhalt nach dem Abpfiff: Werder holte einen Punkt gegen den Tabellenführer. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Am Ende müssen wir noch das zweite Tor machen und das Spiel gewinnen", bedauerte Anfang, doch er sagte auch: "Wir können viele positive Dinge mitnehmen. Ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen, wie sie sich in die Zweikämpfe geworfen hat."

Und was war dieses 1:1 nun für Werder wert? Es sei ein nächster Schritt in Werders Wiederaufbau, sagte Anfang. Schnelle Wunder sind eben nicht zu erwarten, die Entwicklung der Mannschaft brauche Zeit, fügte er hinzu. Doch die gute Leistung gegen den Tabellenführer ist in jedem Fall ein Mutmacher für die beiden nächsten schweren Aufgaben gegen Nürnberg und Schalke. "Wir sind auf einem guten Weg", meinte Anfang.

Füllkrug spielte als Werder-Kapitän: "Natürlich bin ich stolz"

Video vom 31. Oktober 2021
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug vor einer Werbewand nach dem Spiel gegen St. Pauli im Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Oktober 2021, 19:30 Uhr