Werder ist einfach zu grün zum Gewinnen

Video vom 21. August 2021
Werder-Spieler Marco Friedl kniet nach verpasster Torchance auf dem Rasen und fährt sich frustriert durch die Haare.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
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Überzahl beim Karlsruher SC, trotzdem 0:0 – die Bremer Übergangsmannschaft ist gespickt mit unerfahrenen Spielern. So fehlte die Abgebrühtheit vor dem Tor.

Es gibt Mannschaften, für die ist eine Gelb-Rote Karte, wie sie KSC-Spieler Marvin Wanitzek in der 57. Minute kassierte, ein Geschenk. Eine halbe Stunde in Überzahl, das verlangt dem Team mit einem Mann weniger physisch alles ab. Mehr rennen, mehr konzentrieren, mehr ausbügeln – irgendwann fällt dann meist doch das Gegentor.

Doch die Karlsruher hatten am Samstag Glück, dass Werder Bremen momentan eben nicht zu jenen Mannschaften gehört, die mit einem solchen Geschenk etwas anfangen könnten. Ob elf gegen elf oder elf gegen zehn, am Ende hieß es doch 0:0.

Wir waren in Überzahl dann nicht mehr so zwingend. Da merkt man eben auch, dass die Selbstsicherheit noch nicht da ist, den Gegner so auszuspielen, dass man zu ganz klaren Torchancen kommt. Das ist aber normal bei einem Umbruch mit einer so jungen Mannschaft.

Werder-Sportchef Frank Baumann in der ARD

Auch Füllkrug wirkt total verunsichert

Werder-Spieler Romano Schmid und Niclas Füllkrug schlagen nach einer verpassten Torchance verzweifelt die Hände vors Gesicht.
Fassungslose Bremer: Seine Teamkollegen können kaum glauben, wie knapp sie am Ende den Siegtreffer durch Marco Friedl verpasst haben. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Eren Dinkci, Abedenego Nankishi und Dejan Galjen sind noch Teenager, Felix Agu, Romano Schmid oder Niklas Schmidt auch keine gestandenen Profis. Zudem haben Werder zuletzt viele Leistungsträger verlassen, Kapitän Ömer Toprak fiel ebenso kurzfristig aus wie Kevin Möhwald. Trainer Markus Anfang musste also mal wieder umbauen.

Ich kann der Mannschaft insgesamt keinen Vorwurf machen. Nach zwei Niederlagen haben wir zu null gespielt. Leider haben wir vorne auch kein Tor gemacht, obwohl wir genug Möglichkeiten hatten. Wenn wir als Sieger vom Platz gegangen wären, wäre das mehr als gerecht gewesen.

Werder-Trainer Markus Anfang in der ARD

Einmal mehr machte Stürmer Niclas Füllkrug eine unglückliche Figur, dabei sollte der 28-Jährige den unerfahrenen Kollegen Sicherheit geben. Doch Füllkrug wirkt total verunsichert. Auch Marco Friedl, der österreichische Nationalspieler und EM-Teilnehmer, vergab in der Schlussphase eine dicke Kopfballchance nach einem Standard. "Wir hatten unzählige Chancen, ich auch", sagte Friedl selbstkritisch bei Sky, "wir hätten dieses Spiel gewinnen müssen."

"Die jungen Spieler haben das ordentlich gemacht"

Es fehlte die Abgezocktheit, Werder im August 2021 ist einfach noch zu grün, um die Überlegenheit in einen Sieg umzusetzen. "Insgesamt ist der Punkt mehr als verdient, wir haben aber auch zwei Punkte verloren", sagte Anfang. Doch er nahm seine junge Mannschaft auch demonstrativ in Schutz.

Wir haben viele junge Spieler in unseren Reihen und ich finde, die haben das ordentlich gemacht heute, auch wenn nicht immer alles gelingt. Wir müssen sie da unterstützen, die Jungs haben auf jeden Fall Potenzial.

Werder-Trainer Markus Anfang

Anfang muss dieses Potenzial jedoch so schnell wie möglich herauskitzeln. Denn die Neuzugänge lassen auf sich warten und Werder droht mit fünf Punkten auf Rang acht den Anschluss an die Tabellenspitze zu verlieren. Und er braucht dringend Spieler, für die 30 Minuten Überzahl ein Geschenk und keine Last ist.

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Video vom 22. August 2021
Werder-Spieler Eren Dinkci applaudiert nach dem Spiel in Karlsruhe den Fans.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 21. August 2021, 18:30 Uhr