Finanz-Boss Filbry: "Werder Bremen geht nicht insolvent"

Die Geldsorgen bei Werder sind groß, mit Hilfe von Anleihen will sich der Klub etwas Luft verschaffen. Klaus Filbry ist überzeugt, dass man die Krise überstehen wird.

Video vom 18. April 2021
Klaus Filbry stützt bei der Mitgliederversammlung nachdenklich den Kopf auf seine Hände.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
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Klaus Filbry muss zugeben, dass "ich schon besser geschlafen habe". Der Geschäftsführer Finanzen sorgt sich um Werder Bremen, daraus macht er im Gespräch mit dem Sportblitz keinen Hehl.

"Unsere finanzielle Lage ist kritisch", sagt Filbry und auch darüber ist er seit Monaten wesentlich transparenter als es die Mehrheit seiner Kollegen anderer Bundesliga-Klubs ist. Die Corona-Krise hat Werder Bremen besonders hart getroffen. Doch Filbry will bei aller Sorge dennoch nicht schwarzmalen.

Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass Werder Bremen keine Insolvenz-Gefahr droht oder irgendwann insolvent gehen wird.

Werders Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry im Sportblitz-Gespräch

Mehr finanzielle Beinfreiheit

Seinen Optimismus zieht Filbry aus den Mittelstands-Anleihen, die Werder gerade ausgegeben hat. "Sie sind ein Instrument, mit dem wir uns in der jetzigen Situation etwas Beinfreiheit erarbeiten", so Filbry, "wir wissen ja immer noch nicht, wie die Pandemie-Situation wirklich weiter geht."

Mit Hilfe einer Bremer Landesbürgschaft hatte Werder bereits einen Kredit über 20 Millionen Euro aufgenommen und "mit der Mittelstands-Anleihe kommt noch einmal eine Summe von 15 bis 25 Millionen Euro hinzu", erklärt Filbry. Kurzum, Werder steht finanziell mit dem Rücken zur Wand und die Mittelstands-Anleihen sind eines der letzten Mittel, um für Liquidität zu sorgen.

Auch Schalke setzte auf Anleihen

Das ist umso essenzieller, da die Deutsche Fußball Liga (DFL) in den Auflagen für die neue Saison bestimmt hat, dass das Eigenkapital nicht noch negativer werden darf. Und Werder steht bereits bei etwa sechs Millionen Euro im Minus. Die Anleihen sollen also auch der Bremer Rettungsanker sein, und sie sind im Profi-Fußball inzwischen eine etablierte Finanzierung.

Schalke 04 beispielsweise wählte in der Vergangenheit ebenso wie Werder die börsennotierte Unternehmensanleihe, der 1. FC Köln dagegen das Modell der Fan-Anleihe und der Hamburger SV ein Schuldscheindarlehen. Die Vereine sind damit unabhängiger von Banken und die Finanzierungskosten vergleichsweise günstiger.

"Geht nur durch rigides Kostenmanagement"

Aber dennoch: Werder musste in einem Wirtschaftsplan darlegen, wie die Rückzahlung innerhalb der festgelegten fünf Jahre bewerkstelligt werden soll. "Wir sind zuversichtlich und stabil aufgestellt. Wir werden die Anleihen zurückzahlen", betont Filbry.

Das geht nur durch ein rigides Kostenmanagement, wir müssen einfach jeden Euro umdrehen. Wir haben in der aktuellen Saison die Kaderkosten schon um neun Prozent reduziert. Wir werden sie sicher für die neue Saison nochmals reduzieren. Wir müssen sicherlich auch Transfers tätigen und Wachstumsthemen bearbeiten.

Werders Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry im Sportblitz-Gespräch

"Brauchen kreative Lösungen"

Bei den angepeilten sechs Prozent Zinsen und den etwa 20 Millionen Euro Einnahmen durch die Mittelstands-Anleihe, müsste Werder jährlich 1,2 Millionen Euro für die Zinszahlungen aufbringen. Zudem muss der Verein, da die Anleihen an der Frankfurter Börse gehandelt werden, seine Zahlen halbjährlich offen legen. Damit der Wirtschaftsplan aufgeht, ist der sportliche Erfolg des Klubs jedoch unerlässlich.

Und darin besteht auch das Risiko, schließlich kann Werder nicht groß in die Mannschaft investieren. "Wir brauchen kreative Lösungen", sagt Filbry. Doch die finanziellen Probleme hätten eben die meisten Vereine durch die Pandemie, der neue TV-Vertrag ist geringer dotiert und die Zuschauereinnahmen fehlen allen. Aber obwohl ihn die Sorge gerade um den Schlaf bringt, sagt Filbry: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Krise meistern."

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Video vom 22. Februar 2021
Grüne Sitzreihen auf der Tribüne des Weser-Stadions, die mit rot-weißem Absperrband umwickelt sind.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorinnen

  • Janna Betten Redakteurin und Autorin
  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 18. April 2021, 19:30 Uhr