Werder zieht beim Finanz-Poker den allerletzten Joker

Werder Bremen hat Mittelstands-Anleihen auf den Markt gebracht, die ab Mai auch Privatpersonen erwerben können. Für den Klub ist es der letzte Weg aus der Verschuldung.

Drei Werder-Fahnen wehen vor dem Weser-Stadion mit Blick auf den Osterdeich mit schwarzen Gewitterwolken am Himmel.
Werder Bremen muss durch die Corona-Pandemie Mindereinnahmen von bis zu 40 Millionen Euro hinnehmen. Bild: Imago | Nordphoto

Werder Bremen hat seinen letzten Joker aus dem Ärmel gezogen, um die finanziell prekäre Situation des Bundesliga-Klubs abzufedern. Wie das Internetportal "Deichstube" berichtet, hat Werder Mittelstands-Anleihen auf den Markt gebracht, die sich unter anderem an Kreditinstitute und Versicherungen richten.

Werders Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry hatte bereits im Februar bestätigt, dass sich der Verein mit solchen Finanzmodellen beschäftigt. Besser gesagt: beschäftigen muss. Denn der Verein hat inzwischen alle übrigen Mittel ausgeschöpft, um der durch die Corona-Pandemie mitbedingten Verschuldung entgegenzuwirken.

Kredite sind ausgeschöpft

Werder hatte mit Hilfe einer Bremer Landesbürgschaft Ende 2020 bereits einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro aufgenommen. Weitere Kredite wird der Klub nicht bekommen. Filbry schätzt jedoch die Mindereinnahmen im Zeitraum seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr bis zum Saisonende auf 40 Millionen Euro.

Die vergangene Saison brachte dem Verein ein Rekord-Minus von 23,71 Millionen Euro ein, zudem brach auch der Umsatz ein und das Eigenkapital steht im zweistelligen Millionen-Minus. Auch auf dem Transfermarkt rauschten die Preise in den Keller.

Erste Zeichnungsphase brachte Werder 10 Millionen Euro

Nun also Mittelstands-Anleihen, um frisches Geld in die leeren Vereinskassen zu spülen. In der ersten Zeichnungsphase, die am vergangenen Montag zu Ende ging, wurden bereits mehr als zehn Millionen Euro generiert. Werder zeigt sich zufrieden. Gesetzlich vorgeschrieben war in dieser Zeitspanne eine Zeichnungsgröße von mindestens 100.000 Euro. Die Anleihe lässt insgesamt bis zu 30 Millionen Euro zu, Werder peilt eine Einzahlungssumme von rund 20 Millionen Euro an.

Wir betteln nicht um Geld, sondern machen ein interessantes Angebot.

Werder Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry

Die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre und drei Monate, die Verzinsung liegt bei mindestens sechs Prozent. Ab Mitte Mai stehen Zeichnungsgrößen ab 1.000 Euro bereit. Das bedeutet, dass dann auch Privatanleger einsteigen können, die ein Wertpapierdepot besitzen.

Werders Finanzkrise: 40 Millionen Euro weniger Einnahmen

Video vom 22. Februar 2021
Grüne Sitzreihen auf der Tribüne des Weser-Stadions, die mit rot-weißem Absperrband umwickelt sind.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 18. April 2021, 19:30 Uhr