Wie geht die Saison für Werders U23, Atlas und Oberneuland weiter?

Weiterhin ist unklar, ob die Regionalliga Nord trotz Corona fortgesetzt wird. Atlas Delmenhorst droht nach nur sieben Spielen der Abstieg – doch der Klub will sich wehren.

Die Logos von Werder Bremen, Atlas Delmenhorst und FC Oberneuland, im Hintergrund eine unscharfe Freistoßszene (Montage)
Im Wartestand: Für Werders U23, Atlas Delmenhorst und den FC Oberneuland ruht seit dem November in der 4. Liga der Spielbetrieb. Bild: Imago | Claus Bergmann

Am Mittwochabend hat der Niedersächsische Fußballverband Fakten geschaffen und die Saison im Amateurfußball annulliert. Offen ist aber noch, was in der Regionalliga Nord passiert. Diese wurde vor der Saison in zwei Elfer-Staffeln aufgeteilt, um flexibel auf Spielbetriebsunterbrechungen reagieren und den Modus anpassen zu können. Geplant war, nach Hin- und Rückrunde eine Meister- und Abstiegsrunde auszuspielen. Dieses Vorhaben kann längst ad acta gelegt werden, denn seit dem November ist die Saison coronabedingt unterbrochen.

Jürgen Stebani hält ein Mikrofon in der Hand.
Für Spielausschussleiter Jürgen Stebani ist klar, dass es in dieser Regionalliga-Saison auch Absteiger geben muss. Eine Annullierung lehnt er ab. Bild: Imago | Foto2press

Spielausschussleiter Jürgen Stebani möchte die Saison fortsetzen. "Ich habe noch Hoffnung", sagt er im Gespräch mit buten un binnen. Stebani setzt auf eine sportliche Entscheidung, die auch Absteiger aus der Liga zur Folge hätte. Zumal es auch Aufsteiger aus der Oberliga geben soll und aus der 3. Liga möglicherweise der VfB Lübeck und der SV Meppen in die Liga stoßen. Von einer Annullierung der Regionalliga-Saison hält er nichts. Die Teams in beiden Staffeln haben zwischen sieben und zehn Spiele bestritten. Im Optimalfall sollen noch Hin- und Rückrunde, insgesamt also 20 Spieltage, komplett absolviert werden. Klappt dies nicht, werden lediglich die ausstehenden Spiele der Hinrunde nachgeholt oder eine Quotienrenregel greift. Die Klubs aus der Region sehen dies mit gemischten Gefühlen.

Werder Bremen U23:

Die Bremer liegen in der Süd-Staffel auf dem 2. Platz, haben zuletzt aber verkündet, keinen Lizenzantrag für die 3. Liga zu stellen. "Das war eine Entscheidung der wirtschaftlichen Vernunft", erzählt Björn Schierenbeck. Der Direktor des Bremer Nachwuchsleistungszentrums verweist dabei auf die ansteigenden Reise- und Kaderkosten im Falle eines Aufstiegs. Werder hofft zwar weiterhin, dass die Saison in der Regionalliga fortgeführt wird, doch Schierenbeck glaubt mittlerweile nicht mehr daran. "Wenn wir uns die Entwicklung der Corona-Zahlen anschauen, wäre es genau gegen den Trend."

Björn Schierenbeck läuft am Weser-Stadion entlang und lächelt in die Kamera.
Björn Schierenbeck rechnet nicht mit einer Fortführung der Saison. Dennoch glaubt er nicht an eine "verlorene Generation" beim Bremer Nachwuchs durch die Corona-Pandemie. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für ihn wäre eine Annullierung der Saison die logische Konsequenz. Allenfalls denkbar wäre für ihn noch, die Hinrunde mit einer verkürzten Auf- und Abstiegsrunde zu beenden. "Dann könnten der Mai und der Juni ausreichen." Mit Blick auf die Entwicklung der Werder-Talente in der Corona-Zeit beschwichtigt er, obwohl die jungen Spieler der U23 seit dem Sommer nur acht Spiele in der Regionalliga bestreiten konnten.

Ich möchte keinem ein Alibi geben, nachher sagen zu können: 'Das ist eine verlorene Generation.' An die glaube ich nicht.

Björn Schierenbeck, Direktor des Nachwuchsleistungszentrums von Werder Bremen

Atlas Delmenhorst:

Die Delmenhorster sind mit viel Euphorie im vergangenen Sommer aufgestiegen, doch schnell setzte die Katerstimmung ein. Aus ihren bisher bestrittenen sieben Spielen konnten sie lediglich zwei Punkte holen und stehen am Tabellenende der Süd-Staffel. Im Oktober hatte der Klub mit einigen Corona-Fällen im Team zu kämpfen und hat daher noch weniger Spiele als seine Konkurrenten bestritten.

"Mit Herrn Stebani bin ich überhaupt nicht d'accord", sagt Bastian Fuhrken, Vorstand Sport bei Atlas, zu buten un binnen. "Wir haben nicht mal ein Drittel der ursprünglich geplanten Saison ausgetragen. Dann kann nicht gesagt werden: 'Atlas Delmenhorst muss jetzt wieder absteigen.' Das ist sportlich nicht fair."

Bastian Fuhrken jubelt im Weser-Stadion beim Pokalspiel zwischen Werder und Atlas Delmenhorst.
Ein Bild aus besseren Tagen: Im August 2019 spielte Bastian Fuhrken (Mitte) mit seinem Klub in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen Werder. Bild: Imago | Nordphoto

Mindestens 50 Prozent der ursprünglich zu Beginn geplanten Spiele müssten für Fuhrken absolviert sein, um eine faire und nachvollziehbare Entscheidung treffen zu können. "Dann wäre es für mich okay." Dass dies noch umzusetzen ist, glaubt er allerdings nicht. Sollte der Klub unter den aktuellen Gegebenheiten absteigen müssen, hält er sich rechtliche Schritte offen. "Wir werden alles daran setzen, sportlich fair behandelt zu werden. Das kann ich allen versprechen. Das sind wir Spielern, Sponsoren und Fans schuldig." Schließlich habe auch die Stadt Delmenhorst rund 300.000 Euro an Finanzmitteln zur Verfügung gestellt, um die Lizenzierungsbedingungen für die Regionalliga zu erfüllen.


FC Oberneuland:

Wie Atlas Delmenhorst ist auch Oberneuland im vergangenen Sommer aufgestiegen. In der neuen Liga haben sie sich schnell akklimatisiert und aus zehn Spielen zwölf Punkte geholt. "Wir haben einen sehr guten Job gemacht", freut sich Coach Kristian Arambasic. "Selbst bei Anwendung der Quotientenregelung blieben wir über dem Strich." Den Unmut der Delmenhorster kann er aber durchaus nachvollziehen. Dabei sieht Arambasic allerdings auch, wie verzwickt die Lage insgesamt ist. Die Liga spielt bereits mit 22 Teams und auch die Klubs aus den Oberligen wollen aufsteigen. Dafür bräuchte es auch Absteiger. Arambasic ist daher froh, diese Entscheidung am Ende nicht fällen zu müssen, sagt er.

Kristian Arambasic gestikuliert resignierend an der Seitenlinie.
Für Oberneulands Coach Kristian Arambasic ist die derzeitige Situation "sehr frustrierend". Bild: Imago | Joachim Sielski

Dass die Saison noch weitergeht, glaubt er derweil nicht. "Vor zwei Wochen hatten wir noch Hoffnung. Diese schwindet aber von Tag zu Tag. Wir trainieren seit Wochen ohne Ziel. Das ist sehr frustrierend." Der FCO-Coach hofft, dass nach Ostern eine finale Entscheidung fällt. Im Falle einer Annullierung beziehungsweise eines vorzeitigen Abbruchs müsste er auch die weitere Trainingsplanung in Angriff nehmen. Abhängig würde er diese davon machen, ob der Bremer Pokal noch ausgespielt wird. "Den haben wir zweimal in Folge gewonnen und wollen ihn auch ein drittes Mal gewinnen." Doch auch dann würde das Pensum von vier Einheiten erstmal auf drei pro Woche reduziert werden.

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 2. April 2021, 23:30 Uhr