5 Gründe, warum der Bremer SV einen coolen Pokal-Abend abliefern wird

Video vom 24. August 2021
BSV-Trainer Benjamin Eta steht im Weserstadion am Augang des Spielertunnels mit freudigem Lächeln hinter der weißen Maske.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Fünftligist gegen Bayern München – was soll da schon passieren? Von wegen! Wir zeigen, warum es lohnt, heute Abend ab 20:15 Uhr einen Blick auf den BSV zu werfen.

Ja, im Weser-Stadion ist in den vergangenen Jahrzehnten schon das ein oder andere Fußball-Wunder zu bestaunen gewesen. Warum sollte es also heute Abend nicht wieder einer dieser fulminanten Abende werden?

Gut, der kleine Bremer SV muss gegen den großen FC Bayern ran. Das ist ein Argument. Aber war da nicht gerade etwas mit Holstein Kiel? Wir erinnern uns dunkel. Und schließlich hat der BSV das Motto des Pokal-Abends doch vorgegeben: "Solang man Träume noch leben kann." Also, träumen ist vor allem in Fußball-Jahrhundertspielen erlaubt und ganz bierernst muss man die Vorzeichen ja schließlich auch nicht nehmen.

1 Humor siegt!

Seien wir ehrlich, der Bremer SV ist in diesem Pokal-Duell wie das gallische Dorf und die Bayern wie die übermächtigen Römer. Sollte BSV-Coach Benjamin Eta heute Abend aber keinen Zaubertrank parat haben, um den Münchnern eine ordentliche Watschn verpassen zu können, hilft in diesem ungleichen Duell auf jeden Fall eins: Humor!

So macht man Schwächen sehr schnell zur Stärke, wie schon der Vereinsslogan beweist: "Seit 1962 nicht in der Bundesliga." Noch Fragen? Die Einstellung stimmt! Nach der Auslosung frozzelten die BSV-Spieler direkt bei Twitter "Hammerlos für euch!". Auf die witzige Antwort der Bayern warten sie bis heute. Klarer Fall: humorlos! Dagegen hilft sicher: BSV-Kicker, die nach dem Spiel mit breitem Grinsen ihre "Weltpokalsiegerbesieger"-T-Shirts tragen...

2 Zu viel Luxus lenkt nur ab

Eine alte Bank aus Holz in einer Umkleidekabine in einer Sporthalle.
Da werden Kindheitserinnerungen wach: Alte Holzbänke in muffigen Turnhallen-Umkleiden. So etwa sieht es in der Kabine für den BSV aus. Bild: Imago | Eibner

Haben wir es nicht alle in Rocky IV gesehen? Zurück zu den Wurzeln, weg mit allem Luxus und schon klappt es am Ende mit dem K.o., ganz einfach. Gut, der Bremer SV konnte sich jetzt nicht in der Eiseskälte Sibiriens für das Jahrhundertduell mit den Bayern stählen. Aber puristisch ist zumindest ihre Unterbringung im Weser-Stadion: Die guten alten brettharten Holzbänke, die wir alle noch aus dem Sportunterricht in der Schule kennen. Dazu der leicht muffige Hauch alter Sportsocken, das erdet.

Klar, die Werder-Profis konnten aus ihrer schicken Umkleide natürlich nicht einfach für einen Abend ihren ganzen Privatkram räumen. Wo kommen wir da hin? Und wer weiß, ob nicht doch ein BSV-Spieler im Freudenrausch noch in den Ermüdungsbad-Jacuzzi gepieselt hätte – nein, da bleibt die Tür zu Komfort und Luxus eben zu.

Und stattdessen heißt es für den Bremer SV dort umziehen, wo es sonst die Werder-Einlaufkids machen. Und das dann nicht in einer Kabine, sondern gleich in vier. Ist halt alles ein bisschen enger. Aber die Bayern werden schon sehen, was sie von ihrer bling-bling Gästekabine haben. Lenkt doch alles nur ab vom Wesentlichen und verweichlicht die raue Fußballer-Seele. Also ein echtes Plus für den BSV!

3 Demut muss belohnt werden!

Die BSV-Kicker wissen genau, dass sie nicht kurz davor sind, die Champions League zu gewinnen. Und dass es eher schwierig für sie wird, Joshua Kimmich und Co. im eins zu eins ein bisschen auszutanzen. Das macht aber nichts, denn die Jungs haben einfach richtig Bock auf dieses Jahrhundertduell. Und das ist doch schon die halbe Miete für einen coolen Pokal-Abend.

Zudem weiß Trainer Benjamin Eta genau, dass es bei ihm nur einen Star gibt: "In jeder Situation, egal, gegen welchen Bayern-Spieler, es wird nur über die Mannschaft gehen. Es geht für uns nur im Kollektiv." Einer für alle also und alle für einen. So viel Demut sollte das Herz des Fußball-Gotts doch erweichen und eine böse Klatsche verhindern. Und es ist ja nicht so, als könnten die BSV-Spieler gar nicht kicken.

Für mich ist eines der wichtigsten Ziele, dass man tatsächlich sieht, dass wir Fußballspielen können. Dass wir nicht mit elf Mann im Strafraum parken, alles wegbolzen und hoffen, dass das Spiel schnellstmöglich vorbei geht. Wir wollen frech und mutig sein und alles reinwerfen, damit es lange spannend bleibt.

BSV-Coach Benjamin Eta

4 Gute Vorbereitung ist alles!

Einmal im Weser-Stadion auflaufen, davon träumen die meisten Bremer Amateur-Kicker. Für die BSV-Spieler kommt es sogar noch besser: Sie dürfen einmal die Vorbereitung wie richtige Profis mitmachen. Also heute um 13 Uhr treffen im Tageshotel an der Waterfront, zusammen Mittagessen, dann ein bisschen Bubu auf den Zimmern, Mannschaftsbesprechung, ein kleiner Spaziergang und dann mit dem schicken Event-Bus zum Stadion kutschieren. Nicht schlecht.

Und wer sich wie ein echter Profi fühlt, der kitzelt sicher noch ein paar Prozent mehr aus dem Tank heraus und der Adrenalin-Kick tut dann sein übriges. Dabei sollte die Ansage von Coach Eta doch sowieso beflügeln: "Wir werden alles in vollen Zügen genießen – und haben am Wochenende zum Glück nur ein Testspiel – wir werden es noch ein paar Tage ausgenießen." Richtig so!

5 Wie ging noch der Satz mit Hochmut?

Ach ja, der kommt dann vor dem Fall, richtig. Aber wie kommen wir bloß darauf, dass man an der Säbener Straße in München die Nase etwas höher trägt als anderswo? Stimmt, dieses "Mia san mia"-Gehabe, darauf reagiert man im Norden halt traditionell allergisch. Aber vielleicht stolpern die Bayern dann ja doch über ihre Stolz geschwellte Brust, schließlich schonen sie heute die Creme de la Creme ihres Starensembles – das könnte sich rächen!

Kein Lewandowski, kein Goretzka, kein Neuer? Sollte Julian Nagelsmann in der 70. Minute beim Stand von 0:0 an der Außenlinie das Rumpelstilzchen geben, dann hätte er sich mit diesem Bremer SV wohl doch etwas intensiver beschäftigen sollen. Und für Trainer-Kollege Benjamin Eta wäre das allein schon ein gefühlter Sieg.

Und wer weiß, vielleicht wird es heute der große Abend von Sebastian Kurkiewicz, Lamine Diop oder Oscar Carcia. Wie, die kennen Sie nicht? Das sind die Lewandowskis des BSV und eventuell gelingt es ja den Torjägern tatsächlich, den Münchner Ersatzkeeper wenigstens einmal nass zu machen. Bayern ärgern, das wird nie langweilig. Und seien wir ehrlich: Ist es nicht das, wovon jeder Bremer Kicker sein Leben lang träumt? Da kramen wir doch glatt unsere alten Münchner-Freiheit-Kassetten wieder raus!

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 24. August 2021, 18:06 Uhr