Werder-Präsident Hess-Grunewald für Frauenquote im Profi-Fußball

Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald auf dem Podium bei einer Pressekonferenz.

Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen im Sport

Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Deutschland hat eine Außenministerin, Unternehmen haben Frauen im Vorstand. In der Welt des Männer-Fußballs ist das komplett anders. Eine Initiative will das ändern.

Frauen sind im deutschen Fußball die klare Minderheit, zeigen die Ergebnisse der ARD Radio Recherche Sport. Von über 200 Stellen in Vorstand, Geschäftsführung und Präsidium der Erst- und Zweitliga-Klubs übernehmen nur zehn Frauen eine Führungsposition. Das sind gerade mal 4,9 Prozent – der Rest sind Männer.

Das kann nicht so bleiben, findet die Initiative "Fußball kann mehr", die aus neun Frauen besteht. Darunter auch Ex-Schiedsricherin Bibiana Steinhaus oder Katja Kraus, ehemaliges Vorstandsmitglied des HSV.

"Ein sehr geschlossener Kreis"

Sie machen auf die Ungleichheit aufmerksam und fordern eine Frauenquote im Profi-Fußball. Die Mehrheit der Profi-Klubs lehnt das aber ab. Eine der wenigen Frauen, die es bis an die Spitze eines deutschen Profi-Klubs geschafft hat, ist Anne Baumann, Vorständin für Finanzen beim Zweitligisten Darmstadt 98. Warum ist das weiterhin eine Ausnahme?

Weil es ein sehr geschlossener Kreis ist. Und da reinzukommen, ist sehr schwierig – und dann noch in eine Führungsposition, das ist sehr außergewöhnlich. Es wird zwar jetzt immer mehr und besser. Aber es wird sicherlich noch dauern.

Anne Baumann, Finanzvorständin Darmstadt 98

Auch bei vielen Klubs im Norden gibt es in puncto Frauen in den Chefetagen noch Nachholbedarf. Bei Werder Bremen, Holstein Kiel, Hansa Rostock oder auch dem VfL Wolfsburg gibt es keine Frauen in Vorstand, Geschäftsführung oder Präsidium. Der Hamburger SV hat immerhin eine Frau in der Geschäftsführung mit Anne Gnauk. Beim FC St. Pauli sind drei von 13 Positionen mit einer Frau besetzt.

St. Pauli führte die Frauenquote schon ein

Der Hamburger Kiez-Klub ist sogar schon einen Schritt weiter gegangen und hat Anfang September auf seiner Mitgliederversammlung eine Frauenquote eingeführt. Demnach sollen Vereinsgremien wie das Präsidium, der Aufsichts- und Ehrenrat sowie der Wahlausschuss mindestens mit 30 Prozent Frauen besetzt sein.

Auch Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald war bereits mit der Initiative "Fußball kann mehr" in Kontakt und begrüßt den Vorstoß.

In den Funktionärskreisen ist das nach wir vor eine Männerdomäne. Und es wird Zeit, dass sich die gesellschaftlichen Entwicklungen auch im Fußball Bahn brechen.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald

"Quote ist das Mittel zum Zweck"

Bei Werder hat es zuletzt erstmals mit Ulrike Hiller eine Frau in den Aufsichtsrat geschafft – doch dieses Gremium arbeitet ehrenamtlich, auf den bezahlten Chefposten der Grün-Weißen sitzen Männer. Hess-Grunewald möchte allerdings nicht ausschließen, dass eine Frauenquote im Verein eingeführt wird.

Ich glaube, eine Quote ist ja nicht das Ziel, sondern das Mittel zum Zweck. Und ich bin sehr für die Quote, wenn wir sehen, dass wir auf anderem Wege nicht weiterkommen.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald

Allerdings sieht der Werder-Präsident "positive Entwicklungen" innerhalb des Vereins, mit "immer mehr Frauen in Führungspositionen", betonte er. Mit der Initiative wollte er "im Austausch bleiben", so Hess-Grunewald. Wie weit und steinig der Weg für Frauen im Fußball aber weiterhin ist, zeigt allein die Kandidatenliste für die Wahl des neuen DFB-Präsidenten im März: zwei Männer.

Radio Bremen-Sportchefin: "Beim Fußball gibt es ein Ungleichgewicht"

Bild: Importer

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 14. Dezember 2021, 11:40 Uhr