Nach dem Bayern-Rausch wacht der Bremer SV mit Problemen auf

Video vom 5. Juli 2021
Die Vereinsverantwortlichen des Bremer SV sitzen mit Abstand am Rande des Stadions am Panzenberg bei einer Besprechung.
Bild: Radio Bremen | Yannick Lowin
Bild: Radio Bremen | Yannick Lowin

Gegen den FC Bayern München im Pokal anzutreten, ist für den Fünftligisten ein Traum – die Organisation nach DFB-Auflagen entpuppt sich aber zum kleinen Albtraum.

Die Party dauerte bis zum frühen Montagmorgen und der ein oder andere Spieler des Bremer SV dürfte sich wohl wieder indisponiert bei seinem Chef abgemeldet haben. Doch wer mochte es ihnen verdenken? Gegen den großen FC Bayern spielt man als Amateur-Kicker schließlich nur einmal im Leben, wenn überhaupt.

Und der kleine Traditions-Verein aus Walle konnte sein Pokal-Glück kaum fassen, doch am Morgen nach dem Rausch schlich sich zumindest bei den Vereins-Verantwortlichen ein wenig Katerstimmung ein. Denn nun geht es ans Organisieren des Traum-Spiels, doch das bereitet reichlich Kopfzerbrechen.

Panzenberg entspricht nicht den Anforderungen

Alfons von Werde, der stellvertretende Vorsitzende des Bremer SV, im Gespräch mit dem Sportblitz
Alfons von Werde, der stellvertretende Vorsitzende des Bremer SV. Bild: Radio Bremen

Fünf Mann, eine Mission und gerade mal vier Wochen Zeit. Und die drängendste Frage lautet: Wo kann das Spiel überhaupt stattfinden? Im eigenen Stadion am Panzenberg wird es nach den strengen Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht gehen. "Wahrscheinlich scheitert es schon an der Größe unserer Umkleidekabinen, wo die Bayern-Spieler dann nicht reinwollen", fürchtet Alfons von Werde, der stellvertretende Vorsitzende des Bremer SV, im Gespräch mit dem Sportblitz.

Auch die Schiedsrichter-Kabine ist zu klein, ein Raum für Doping-Tests fehlt völlig und die Pressevertreter haben auch nicht genügend Platz. Dazu gibt es keinen abgetrennten Bereich für Gäste-Fans. Es sind altbekannte Probleme, die auch trotz der zweijährigen Modernisierung des Stadions nicht den Wünschen des DFB entsprechend gelöst sind. Was kann der BSV also tun?

Bisher ging das so: Man verkauft das Spiel an den, der das größere Stadion hat. Aber das ist kategorisch ausgeschlossen worden, der DFB hat es abgelehnt. Das Spiel muss bei uns stattfinden.

Alfons von Werde, Stellvertretender Vorsitzender des BSV, im Sportblitz

Heimrecht darf nicht mehr getauscht werden

Das Spiel wird also nicht in der Münchner Arena stattfinden und die Bremer können nicht von den größeren Ticketeinnahmen profitieren. Das Heimrecht zu tauschen hat der DFB untersagt, coronabedingt war es in der vergangenen Saison erlaubt gewesen. So spielte der FC Oberneuland zum Beispiel bei Borussia Mönchengladbach und war den Organisations-Albtraum los.

Der Bremer SV war in der Vergangenheit bereits für seine Pokal-Spiele ausgewichen, allerdings innerhalb von Bremen: 2014 spielten sie im Stadion Platz 11 gegen Eintracht Braunschweig, 2015 und 2016 gegen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 jeweils beim FC Oberneuland. Dieses Mal wäre das Weser-Stadion die favorisierte Option, doch die scheitert wohl an den Kosten.

Zuschauer-Kapazität immer noch offen

Denn immer noch ist unklar, wie viele Zuschauer beim Spiel zwischen dem 6. und 9. August zugelassen sein werden. Und je weniger Fans rein dürfen, desto teurer wird die Stadionmiete. Das Traumlos vor der Traumkulisse des Weser-Stadions – der Traum platzt für den BSV vermutlich.

Das kann nicht sein, dass wir am Ende ins Weser-Stadion gehen, weil da die Kameras so schön hängen können, aber uns werden nur 1.000 Zuschauer zugestanden. Ich glaube, dann ist der Verein pleite.

Alfons von Werde, Stellvertretender Vorsitzender Bremer SV, im Sportblitz

Bis zum Ende der Woche will das fünfköpfige Organisationsteam alle wichtigen Fragen geklärt haben, denn die Zeit drängt. Bis dahin sollen auch das Stadt- und Gesundheitsamt mitteilen, mit vielen Zuschauern der BSV planen kann. Still steht das Telefon in der Geschäftsstelle seit Sonntagabend nicht mehr. "Wir hätten schon 1.000 Karten verkaufen können", sagt von Werde. Stand jetzt könnte das Stadion Platz 11 von Werder Bremen die geschickteste Option werden. Auch wenn die Mannschaft im Rest-Rausch noch ein bisschen von einer Kulisse von 10.000 Zuschauern im Weser-Stadion träumt.

BSV-Trainer Eta zum Pokal-Knaller: "Das ist ein super Geschenk"

Video vom 4. Juli 2021
Reporter Yannick Lowin interviewt den BSV Trainer Benjamin Eta.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin
  • Yannick Lowin Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. Juli 2021, 18:06 Uhr