Leere, Frust und Finanz-Loch: Der nächste Dämpfer für Werder

Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Erst der Abstieg, nun der K.o. im DFB-Pokal: Für Werder Bremen kommt es gerade richtig dick und macht die ohnehin angespannte finanzielle Situation noch brisanter.

Es ist nicht ganz einfach, echte Emotionen hinter FFP2-Masken zu deuten. Doch am Samstagnachmittag auf der Tribüne im Stadion an der Bremer Brücke, fiel das nicht schwer. Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald, Aufsichtsratchef Marco Bode und Sportchef Frank Baumann hockten dort nebeneinander und allein ihre Blicke sprachen Bände.

Sie passten zu den leeren und enttäuschten Blicken der Werder-Spieler auf dem Rasen, nachdem das 0:2 in Osnabrück das erste Auftaktaus im Pokal seit 2016 besiegelt hatte. Lange hockten und standen die Werderaner verloren herum, konsterniert und ratlos. Erst der Abstieg aus der Bundesliga, nun der K.o. in ihrem Lieblingswettbewerb, den die Bremer bereits sechs Mal gewonnen haben und bei dem sie noch im Frühjahr im Halbfinale standen. Wie viele Nackenschläge können sie noch wegstecken?

Trainer Anfang: "Es soll ja wehtun"

Der Bremer Trainer Markus Anfang sammelte seine Spieler schließlich ein, holte sie zu einem Motivationskreis zusammen. Draufzuhauen, wenn die Spieler-Seele bereits am Boden liegt, macht schließlich keinen Sinn.

Die Enttäuschung ist da, es sind alle gerade sehr niedergeschlagen. Und das soll ja auch wehtun, der Mannschaft und mir. Aber genau daraus müssen wir die Lehren und Stärke ziehen. Wenn es dir wehtut, willst du das nicht mehr erleben.

Werder-Coach Markus Anfang nach dem Pokal-Aus

Anfang gab sich Mühe, seine Profis wieder aufzurichten. Ihnen mitzugeben, "wenn wir 90 Minuten so spielen, wie in der zweiten Halbzeit, dann sind wir auf dem richtigen Weg". Weitermachen, weiterkämpfen in diesen irgendwie unwirklichen Wochen, in denen Werders Kader völlig in der Schwebe hängt. Aber so schwierig wie in diesen Tagen war Anfangs Job bei Werder bisher noch nicht.

Sportchef Baumann muss handeln

Werder-Sportchef Frank Baumann lehnt am Rande des Trainings an einem Tor und telefoniert.
Heiße Phase für Frank Baumann: Werders Sportchef muss Spieler verkaufen und günstig neue einkaufen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Wir müssen uns alles hart erarbeiten, wir kriegen nichts geschenkt", betonte der Werder-Coach und es war wohl das Stichwort für Baumann. Der Sportchef kümmerte sich nach dem Abpfiff wieder direkt um seine derzeit wichtigste Aufgabe: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Mit ersten Erfolgen, der Transfer von Yuya Osako ging am Sonntag durch, der von Joshua Sargent steht unmittelbar bevor. Zumindest der Verkauf des US-Stürmers soll Baumann etwas Handlungsspielraum für den Einkauf geben.

Werder gehen die satten Pokal-Prämien verloren

Werder-Torwart Michael Zetterer zieht sich frustriert nach dem Gegentor aus 50 Metern das gelbe Trikot über den Kopf.
Der endgültige Nackenschlag für Werder: Keeper Michael Zetterer wurde von einem Schuss aus 50 Metern düpiert, das den 0:2-Schlusspunkt setzte. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Im Sturm und auf den Außenpositionen hat Werder dringenden Bedarf, das war auch gegen Osnabrück unübersehbar. Bis zum nächsten Heimspiel am kommenden Sonntag gegen Paderborn möchte Baumann Verstärkung vorstellen, die Zeit drängt und der wirtschaftliche Druck wächst mit jedem neuen Rückschlag.

Umso mehr schmerzt nun vor allem finanziell das Aus im DFB-Pokal. Knapp 260.000 Euro hätte Werder der Sieg gegen Osnabrück eingebracht, im Achtelfinale hätte es eine Prämie von gut 515.000 Euro gegeben, im Viertelfinale sogar mehr als eine Million Euro. Für einen Verein, der jeden Cent umdrehen muss, ein herber Schlag. Der Sportliche Leiter Clemens Fritz hatte vor der Partie noch gewitzelt, man hätte nur die erste Pokal-Runde eingeplant, meinte aber den Einzug in die zweite. Nun hat der Scherz einen faden Beigeschmack und Werder muss sich tatsächlich mit der Antrittsprämie von etwa 120.000 Euro für diese Pokal-Saison begnügen. Alles kommt bei den Bremer nun also darauf an, wie gut bei den Spieler-Transfers verhandelt wird.

Werder-Kapitän Toprak: "Dürfen keine Ausreden suchen"

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 8. August 2021, 19:30 Uhr