Corona-Mutation bei Regensburg: Reicht das DFL-Hygienekonzept noch?

Bei Werders Pokal-Gegner herrscht Ratlosigkeit: Wie die britische Variante zum Zweitligisten kam, ist unklar. Einen "Warnschuss" nennt es Werder-Sportchef Baumann.

Video vom 2. März 2021
Marco Friedl in Nahaufnahme beim Werder-Training.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Etwas beunruhigend war es schon, was die Klub-Verantwortlichen von Jahn Regensburg am Montag zu sagen hatten. Geschäftsführer Christian Keller fragte sich angesichts der acht Corona-Fälle beim Zweitligisten, die die Absage des Pokal-Spiels gegen Werder Bremen zur Folge hatten, ob die Schutzmaßnahmen im Profi-Fußball wohl "nicht mehr stark genug" seien. Und noch beunruhigender waren die vielen offenen Fragen, auf die die Regensburger keine Antwort hatten.

Wir waren auch nicht weniger vorsichtig und weniger achtsam, es ist alles so gelaufen wie immer. Wir können es uns deshalb auch nicht wirklich erklären.

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller am Montag

In Regensburg ist man ratlos: Wie konnten sich Trainer Mersad Selimbegovic und drei weitere Personen aus dem Mannschafts- oder Betreuerkreis mit der besonders ansteckenden, britischen Corona-Mutante infizieren? Welche sieben Personen sich neben dem Trainer, der bereits am vergangenen Freitag positiv getestet wurde, genau angesteckt haben, wollte der Verein nicht mitteilen.

"Ein Warnschuss für den Fußball insgesamt"

Das Gesundheitsamt im Landkreis Regensburg hatte am vergangenen Freitag nach der Kontaktverfolgung bei Selimbegovic noch keinen Grund für eine Quarantäne weiterer Personen gesehen. Die Zweitliga-Partie gegen Paderborn durfte abends stattfinden. Doch mit weiteren positiven Tests am Montag änderte sich die Lage, wie das Gesundheitsamt auf Nachfrage der Sportschau mitteilte.

Denn "innerhalb der Mannschaft waren die einzelnen Kontakte nicht klar eruierbar", hieß es in der Mitteilung. Daraufhin folgte am Montag die 14-tägige Quarantäne-Anordnung. Bei den vier Fällen der britischen Mutante wird nun nachgeforscht, doch die Infektionsursache dürfte schwer nachvollziehbar sein. Bei allem Verständnis für die Spielabsage sorgt man sich auch bei Werder Bremen.

Es hat gezeigt, dass wir als Fußball weiterhin vorsichtig sein müssen. Wir sind noch nicht durch die Pandemie durch. Es ist ein Warnschuss für den Fußball insgesamt.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Montag

Werders Baumann zu Corona-Fällen: "Warnschuss für den Fußball"

Video vom 2. März 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann sitzt bei einer Video-Konferenz vor einer Werbewand.
Bild: Radio Bremen

Schwachstelle: das Privatleben

Ein Warnschuss, der nun wohl die Mitglieder der Taskforce, die für die Deutsche Fußball Liga (DFL) das allseits gelobte Hygienekonzept erstellt haben, hellhörig machen sollte. Denn die Frage, die Keller am Montag aufwarf, dürfte auch die anderen Klubs nachdenklich stimmen. Reichen die bestehenden Schutzmaßnahmen noch aus? Die besonders ansteckende, britische Corona-Mutante stellt den Profi-Fußballbetrieb vor eine neue Herausforderung. Die DFL muss nun schnellstens überprüfen, inwieweit das bestehende Hygienekonzept noch funktioniert.

"Ob es eine generelle Veränderung des Hygienekonzepts erfordert, müssen letztlich die Experten beurteilen", sagte Baumann am Montag. Doch obwohl Werder mit nur einem Corona-Fall bisher glimpflich durch die Pandemie kam, ist es keine Garantie. Und so oder so hat das DFL-Hygienekonzept eine Schwachstelle, die durch die Mutante noch mehr zum Tragen kommen könnte: Es deckt das Privatleben der Spieler, Trainer und Betreuer nicht ab.

Die Vereine können nur zur Vorsicht mahnen – mehr nicht

Wer in den Supermarkt geht, wer wie viele Kontakte hat oder wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt – es liegt alles im eigenen Ermessen und der Eigenverantwortung. Und wo Ansteckungen passieren, ist immer noch nicht sicher. Doch die Bereiche des Privatlebens scheinen eine Hauptursache zu sein. Und hier können Baumann und die anderen Vereinsverantwortlichen nichts anderes tun, als zu appellieren und das Beste zu hoffen. Angesichts der Fälle in Regensburg hängt diese Hoffnung jedoch an einem seidenen Faden.

Wir können, was das Privatleben und das Berufsleben angeht, nur nochmal zur Vorsicht mahnen. Insofern hoffe ich, dass das Virus keinen Einlass ins Weser-Stadion findet.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Montag

Corona-Fälle bei Jahn Regensburg: Werders Pokalspiel abgesagt

Video vom 1. März 2021
Grüne Sitzreihen im Weser-Stadion sind mit rot-weißen Absperrband überzogen.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 1. März 2021, 18:06 Uhr