OSC Bremerhaven fühlt sich mit Corona-Sorgen als gallisches Dorf

Dass sich der OSC am Wochenende weigerte, vier seiner Fußball-Teams in Bremen spielen zu lassen, hat ein Nachspiel mit dem Verband. Der OSC fühlt sich allein gelassen.

Video vom 12. Oktober 2020
Das Logo Fußballvereines OSC Bremerhaven.
Bild: Radio Bremen

Bremen ist derzeit ein Corona-Risikogebiet, das bereitet dem OSC Bremerhaven Sorge. Der größte Verein der Seestadt hatte am Wochenende "die Fürsorgepflicht für unsere Spieler im Blick", wie der Abteilungsleiter Fußball Hans Joachim Böhm am Montag dem Sportblitz erklärte. Daher traten vier Fußball-Mannschaften (die B- und C-Junioren, die 1. Damen und die 1. Herren aus der Bremen-Liga) zu ihren Partien in Bremen nicht an.

Böhm stellte beim Bremer Fußball-Verband (BFV) die Anträge, damit die Spiele abgesetzt und später nachgeholt werden – der Verband wertete die Partien aber zunächst als mit 0:5 verloren. Am Montag begründete der BFV diesen Schritt in einer Pressemitteilung.

Es ist absolut vertretbar, dass Fußballspiele in der Stadt Bremen zwischen stadtbremischen Teams sowie gegen auswärtige Mannschaften stattfinden. Gleiches gilt für Spiele in Bremerhaven, bei denen Mannschaften aus dem stadtbremischen Gebiet zu Gast sind.

Pressemitteilung des Bremer Fußball-Verbands

Bremer Fußball-Verband beruft sich auf Coronaverordnung

Der BFV beruft sich auf die aktuelle Coronaverordnung, die die Ausübung von Mannschaftssport mit Körperkontakt weiterhin erlaubt. Die Hygienekonzepte seien zudem laut Verband der neuen Situation angepasst worden: Ein Großteil der Spiele hätten ohne Zuschauer stattgefunden und in den Kabinen seien oftmals Masken getragen worden.

Anderen Vereinen aus Bremerhaven schienen diese Anpassungen gereicht zu haben, um ihre Mannschaften in Bremen antreten zu lassen. Böhm hatte die Bremerhavener Vereine über ihre Schritte informiert, mitgezogen ist aber keiner. Der OSC steht mit seiner Sorge und dem Nichtantritt allein da – und fühlt sich allein gelassen. "Die Solidarität ist auch schon an anderen Stellen durchbrochen worden", bedauert OSC-Präsident Gerd Gräfing gegenüber dem Sportblitz: "Wir wollen nicht als Spielverderber dastehen. Aber vielleicht geben wir dem Verband einen Impuls, Dinge zu überdenken."

Einen erneuten, kompletten Lockdown möchte der Amateursport unbedingt vermeiden, auch der OSC. Ihm schwebt eher eine kurzzeitige Aussetzung vor, bis die Fallzahlen wieder gesunken sind. Dass die vier Spiele als verloren gewertet werden, damit rechnet Böhm nicht. Doch er schließt auch nicht aus, rechtliche Schritte einzulegen.

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. Oktober 2020, 18:06 Uhr