Eskalation im Amateur-Fußball: Schiri in Bremerhaven bedroht

Bild: Imago | Heuberger

Bei einem Kreisliga-Spiel ist es zu Gewalt gegen den Schiedsrichter gekommen. Der 20-Jährige wurde bedroht und getreten. Die Ermittlungen gegen die vier Täter laufen.

Auch einige Tage später hat Kevin Lehmann immer noch leichte Schmerzen. Der 20 Jahre alte Amateurschiedsrichter musste mit seiner Schambeinprellung ärztlich behandelt werden. Und das nur wegen eines Hobby-Fußballspiels in Bremerhaven, das am vergangenen Wochenende ganz normal begonnen hatte.

Doch nach 31 Minuten musste die Kreisliga-Partie in Leherheide zwischen der SFL Bremerhaven lll und dem FC Sparta Bremerhaven ll abgebrochen werden, weil Schiedsrichter Lehmann nach einem Platzverweis gegen einen Sparta-Spieler bedroht und getreten wurde.

Von jetzt auf gleich ist die Stimmung gekippt, nach einem Freistoß. Da ist ein Spieler sauer und aggressiv geworden und dann gewalttätig. Er hat mir einen Tritt in den Leisten-Bauchbereich verpasst.

Kevin Lehmann im Gespräch mit dem Sportblitz

"Es ist komplett eskaliert"

Der Hobbyschiedsrichter Kevin Lehman im Interview in seiner Wohnung.
Kevin Lehmann ist Hobby-Schiedsrichter im Amateur-Fußball. Bild: Radio Bremen

Die Bedrohungen und Beleidigungen hatten drei weitere Platzverweise für Sparta zur Folge, die Heimmannschaft SFL rief schließlich die Polizei, um den Schiedsrichter zu schützen. "Es ist komplett eskaliert", schilldert Lehmann weiter, "dass mehrere Spieler auf mich losgehen wollten."

Ein Mann soll Lehmann sogar mit einem Messer bedroht haben, so ist es im Schiedsrichterbericht vermerkt. Und das in einem Spiel, in dem es sportlich um nichts ging. Als die Polizei eintraf, sind die vier Täter geflüchtet.

Sparta will die 4 Täter bestrafen

Beim FC Sparta ist man betroffen, auch die übrigen Spieler der 2. Mannschaft sind fassungslos über den Vorfall. Die Vereinsführung hat die beteiligten Spieler bereits zur Rede gestellt und will Konsequenzen ziehen.

Wir werden die Spieler, bei denen der Vorgang bestätigt wurde, vereinsintern sperren. Der Spieler, der Gewalt angewendet hat, wird auch aus dem Verein entlassen.

Michael Söhlke, 1. Vorsitzender FC Sparta Bremerhaven

Der Verein, der für gelebte Integration steht, ist verärgert über den Vorfall und sieht seinen Ruf geschädigt. Söhlke entschuldigte sich im Namen des Klubs, denn Schiedsrichter zu bedrohen und zu treten – das gehe gar nicht.

Bedrohung mit Messer noch ungeklärt

Doch ob tatsächlich auch mit einem Messer bedroht wurde, konnte bisher nicht geklärt werden. Die beteiligten Spieler streiten das ab, andere Beobachter berichten, eine Person aus dem Umfeld der Mannschaft sei mit einem Messer auf dem Platz gewesen.

Es werde weitere Gespräche geben, kündigte Sparta an. Die polizeilichen Ermittlungen und die strafrechtliche Verfolgung der Staatsanwaltschaft laufen. Auch Lehmann selbst hat Strafanzeige gestellt.

"Die Entwicklung wird immer dramatischer"

Zudem reagierte auch der Bremer Fußballverband (BFV) schockiert und kündigte seinerseits an, mit ganzer Härte gegen die Täter beim Kreissportgericht vorzugehen. Dominique Ofcarek, Kreis-Schiedsrichter-Obmann in Bremerhaven, stellt schon seit länger Zeit fest, dass das Verhalten unanständiger und gewalttätiger geworden ist. Viele Schiedsrichter hören deswegen auf und Nachwuchs ist rar.

Die Entwicklung wird immer dramatischer. Es ist hier nicht fünf vor, sondern wirklich fünf nach zwölf. Hier sind die Vereine absolut gefordert, mehr für den Schiedsrichter-Nachwuchs zu sorgen, uns als Schiedsrichter-Ausschuss zu unterstützen und vor allen Dingen den Fair-Play-Gedanken auf den Sportplätzen zu leben.

Dominique Ofcarek, Kreis-Schiedsrichter-Obmann

Kevin Lehmann hingegen will dem Fußball erhalten bleiben. Seine Liebe für’s Schiedsrichter-Amt ist ungebrochen. "Ich lasse mich davon nicht unterkriegen", betont er. Am Wochenende will er wieder auf dem Platz stehen, dieses Mal allerdings als Torwart des TSV Wulsdorf in der Bezirksliga.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 6. November 2021, 19:30 Uhr