Braunschweig macht es vor: Wie wär's mit einer Werder-Präsidentin?

Braunschweig-Präsidentin Nicole Kumpis steht auf einer Stadiontribüne und schaut in die Kamera..
Nicole Kumpis führt künftig den Vorsitz des Drittligisten Eintracht Braunschweig. Bild: Imago | regios24

Nach 30 Jahren leitet erstmals wieder eine Frau die Geschicke eines deutschen Profi-Fußballklubs. Anlass für eine Zeitenwende, findet die Bremer Landesfrauenbeauftragte.

Zum ersten Mal seit 30 Jahren steht mit Nicole Kumpis wieder eine Frau an der Spitze eines deutschen Profifußball-Vereins. Vergangene Woche bestimmten die Mitglieder des Drittligisten Eintracht Braunschweig die 48-Jährige zur neuen Präsidentin ihres Klubs. Auch in Bremen sorgte Kumpis' Wahl für Freude. "Das wurde höchste Zeit", sagt Bettina Wilhelm, die Bremer Landesfrauenbeauftragte, zu buten un binnen.

In den Vereinsspitzen des Profi-Fußballs halten die Männer bisher eisern an ihrer Macht fest. Die bestehenden Strukturen lassen sich daher nur langsam und schwer aufbrechen. Aber es gibt erste Risse.

Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm

56 Profivereine und nur eine Präsidentin

Die Landesgleichstellungsbeauftragte Bettina Wilhelm im Interview bei buten un binnen.
Kann sich für die Zukunft eine Werder-Präsidentin vorstellen: Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm. Bild: Radio Bremen

Kumpis ist somit die momentan einzige Frau, die einen der 56 Vereine in den ersten drei Profiligen in führender Position verantwortet. Dass der Profifußball hierzulande eine Männerdomäne ist, verdeutlicht aber auch eine andere Zahl: Laut einer ARD-Radio-Recherche sind nicht einmal fünf Prozent aller Führungspositionen der Erst- und Zweitligaklubs weiblich besetzt.

Frauen, die die Geschicke von Fußballvereinen lenken, stellen nicht nur im Profibereich die große Ausnahme dar. Bei den Amateuren sind es ebenfalls überwiegend Männer, die das Präsidentenamt oder die Leitung der Fußball-Abteilungen der Vereine innehaben. So auch in Bremen, wo rund 80 Klubs im Bremer Fußball-Verband organisiert sind. "In den Fußballsparten unserer Vereine ist uns derzeit keine weibliche Abteilungsleiterin bekannt", teilt BFV-Sprecher Oliver Baumgart auf Anfrage mit.

Die Ursache für das Missverhältnis im Fußball sieht die Bremer Landesfrauenbeauftragte unter anderem historisch begründet. Explizit verweist Wilhelm auf das Frauenfußball-Verbot aus dem Jahr 1955. Damals untersagte der Deutsche Fußball-Bund seinen Mitgliedervereinen, Fußball für Frauen anzubieten. Die Begründung lautete: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut." Erst 15 Jahre später wurde das Verbot wieder aufgehoben. "Frauen konnten sich in der Sportart also erst viel kürzer etablieren als Männer", betont Wilhelm.

Frauen sind im Fußball immer noch Vorurteilen ausgesetzt. Vieles machen daher die Männer noch unter sich aus.

Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm

Ulrike Hiller ist erste Werder-Aufsichtsrätin

Ulrike Hiller hält bei der Werder-Mitgliedsversammlung eine Rede.
Seit Herbst 2021 gehört Ulrike Hiller als erste Frau dem Werder-Aufsichtsrat an. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Auch bei Werder waren und sind es trotz der inzwischen über 120 Jahre alten Vereinsgeschichte stets Männer, die im Klub das Zepter schwingen. Nach Meinung der Landesfrauenbeauftragten könnte – so wie in Braunschweig geschehen – aber auch bei den Grün-Weißen eine Frau den Präsidentenposten innehaben. "Ich bin mir sicher, es fänden sich ausreichend qualifizierte Frauen für den Job – wenn sie denn gewollt werden", so Wilhelm.

Zuletzt sorgte im vergangenen Herbst die Aufsichtsratswahl der Grün-Weißen für Aufsehen. Der Grund: Die Bremer hatten auf ihrer ersten Kandidatenliste, die sieben Personen umfasste, keine einzige Frau berücksichtigt. Erst als einem der Kandidaten eine rechte Gesinnung vorgeworfen wurde, nominierten die Verantwortlichen die SPD-Politikerin Ulrike Hiller nach. Dass die 56-Jährige anschließend als erste Frau in den Werder-Aufsichtsrat einzog, wertet die Landesfrauenbeauftragte als gutes Zeichen. Denn ihre Wahl, so Wilhelm, sei "immerhin ein Anfang".

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Dieses Thema im Programm: NDR, Sportclub, 20. März 2022, 22:50 Uhr