Interview

Ex-Bremer Bartels: "Werder und St. Pauli sind die Top-Favoriten"

Bartels findet: "Werder und Werner – das passt"

Bild: Imago | Picture Point

Fin Bartels kennt Ole Werner schon lange und hat in Kiel selbst unter ihm trainiert. Dem neuen Werder-Coach traut er an der Weser einiges zu – auch den Aufstieg.

Herr Bartels, haben Sie Ole Werner bereits zu seinem tollen Einstand bei Werder gratuliert?
Tatsächlich nicht. Als klar war, dass er nach Bremen geht, habe ich ihm viel Erfolg gewünscht und habe gesagt: 'Das kann eine richtig gute Geschichte werden!' Die Konstellation mit ihm kann gut passen. Und bisher läuft es ja ganz gut.
Warum waren Sie sich da so sicher?
Noch ist es eine Bestandsaufnahme, aber eine optimale aus Bremer Sicht. Ole passt mit seiner ruhigen, besonnenen und bodenständigen Art nach Bremen. Er ist immer klar in seinen Entscheidungen. Mit dem Familiären im Verein kann das gut passen. Bisher gibt der Erfolg ihm auf jeden Fall recht.
Sind sich Werder und Holstein Kiel so ähnlich?
Bevor Hauruck-Aktionen gestartet werden, behalten in beiden Klubs alle einen ruhigen Kopf. Keine Frage, in Bremen ist alles ein bisschen größer und hat mehr Tradition. Aber die Herangehensweise beider Klubs kann gut miteinander verglichen werden.
Hat Werder nach dem Trubel um Markus Anfangs Impfpass-Affäre so einen ruhigen und besonnenen Trainer gebraucht?
Im Moment sieht es so aus. Es war viel los in Bremen. Ich bin nicht mehr so hautnah dabei und kann nicht sagen, wie unruhig es jetzt wirklich vor Ort war. Aber nach außen hin war es sehr turbulent. Ich hoffe für Werder, dass jetzt Ruhe eingekehrt. Mit den Siegen wird das Arbeiten natürlich entspannter.
Was schätzen Sie an Werners Arbeit?
Ole macht keine wilden Sachen, nur um durch Aktionismus Dinge auf die Bahn zu bringen, weil es gerade mal nicht läuft. Zwischendrin hat er immer einen guten Spruch auf den Lippen. Ich kenne ihn ja auch privat noch ein bisschen von früher. Da war er noch ein bisschen wilder (lacht). Das musst du als Coach natürlich ein bisschen zurückschrauben. Trotzdem kommt da auch immer mal etwas Witziges bei rum. Ich glaube, dieses Wechselspiel aus Lockerheit und klaren Entscheidungen macht ihn zu einem guten Trainer.
Werder hatte in dieser Saison schon vier Trainer. Was glauben Sie, wie Ole Werner es direkt geschafft hat, erfahrene Spieler wie Ömer Toprak, Leonardo Bittencourt oder Niclas Füllkrug auf seine Seite zu ziehen?
Die genannten Namen sprechen auch schon für sich. Wenn man eine Elf auf den Platz bekommt, in der diese Spieler alle fit sind, ist das in meinen Augen eine Bundesliga-Mannschaft. Werder hat da schon gute Rahmenbedingungen. Da müssen nur Nuancen verstellt werden und in den ersten Situationen musst du ein bisschen Spielglück haben, dann kann sich das mit einer guten Mannschaft super entwickeln.
Werner ist erst 33 Jahre alt. Hätte es da bei der Akzeptanz durch die Spieler nicht auch Probleme geben können?
Da ist das Alter nicht so entscheidend, sondern die Art und Weise und ob es Hand und Fuß hat, was du den Spielern da erklärst. Dann hast du als Spieler auch schnell den nötigen Respekt. So war es zumindest hier.
Sind Ihnen aus der gemeinsamen Zeit in Kiel besondere Momente mit Werner in Erinnerung geblieben?
Bei den Ansprachen in Kreis nach Siegen kamen schon manchmal markante Sprüche (lacht). Dann wusste man: 'Ja, das ist der, den man von früher kennt.' Das sind Situationen, wo sein trockener Humor und die Freude am Job rüberkommen.
Fin Bartels führt den Ball, Coach Ole Werner schaut zu.
Ole Werner war in Kiel der Coach von Fin Bartels. Bild: Imago | Holsteinoffice
Bei Holstein Kiel hat Werner zumeist in einer 4-1-4-1-Formationen spielen lassen, bei Werder setzt er jetzt auf ein 3-5-2. Ist er so flexibel, dass er allen alles zeigen kann?
Ich gehe davon aus. Es kommt ja auch immer darauf an, was du für ein Spielermaterial hast. Und ich glaube, in Bremen ist es mit der Dreierkette und den beiden vorne fast prädestiniert für ein 3-5-2. Dann musst du das so spielen.
Haben Sie aktuell Kontakt mit Werner?
Nein, wir sind ja jetzt bittere Konkurrenten (lacht). Seit dem Wechsel gab es keinen Kontakt mehr. Wir sehen uns ja auch irgendwann als Gegner wieder. Dann werden wir mit Sicherheit nochmal quatschen.
Trauen Sie Werner mit Werder den Aufstieg zu?
Für mich ist Werder zusammen mit St. Pauli aktuell der Top-Favorit. Aber die Saison ist noch lang und es wird mit Sicherheit nicht immer so weitergehen, dass du jedes Spiel gewinnst. Von daher wird man sehen, wie sie dann auch durch schlechte Phasen mal kommen.

(Das Interview führte Janna Betten; verschriftlicht von Karsten Lübben)

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Autorin

  • Janna Betten Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 28. Januar 2022, 18:06 Uhr