So erlebten die Wellbrock-Eltern die verpasste Medaille ihres Sohnes

Bremer Wellbrock verpasst ganz knapp seine erste Olympia-Medaille

Video vom 29. Juli 2021
Der Bremer Schwimmer Florian Wellbrock blickt aus dem Becken heraus zur Anzeigetafel.
Bild: Imago | Laci Perenyi
Bild: Imago | Laci Perenyi

In seinem ersten Olympia-Finale schwamm der Bremer Florian Wellbrock nur auf Rang 4. Seine Eltern verfolgten das Rennen vor dem Fernseher – und litten kräftig mit.

Lange Zeit sah es gut aus für Florian Wellbrock und seinen Traum von der ersten Olympia-Medaille. Bis kurz vor Schluss lag der gebürtige Bremer im Finalrennen über 800 Meter Freistil sogar in Führung. Doch auf den letzten Metern verließen ihn die Kräfte. Letztendlich musste sich Wellbrock mit dem undankbaren vierten Platz begnügen – Holz also statt Edelmetall. Auch seinen Eltern, die den Finallauf am Donnerstagmorgen daheim in Bremen im Fernsehen verfolgt hatten, machte der Ausgang des Rennens zu schaffen.

Als die Anspannung abfiel, war schon eine gewisse Leere da. Am liebsten würde ich ihn jetzt in den Arm nehmen und trösten. 

Anja Wellbrock, Mutter von Olympia-Schwimmer Florian Wellbrock, im Gespräch mit dem Sportblitz

"Laufe wie ein Tiger im Kreis"

Bernd und Anja Wellbrock sitzen in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa.
Sind "megastolz" auf ihren Sohn: Bernd (links) und Anja Wellbrock. Bild: Radio Bremen

Kurz nach dem Rennen rief Florian Wellbrock bei seinen Eltern an. "Aber da waren wir schon wieder im Bett", erzählt Vater Bernd im Gespräch mit dem Sportblitz. Kein Wunder, schließlich hatte der Finallauf bereits um 3.30 Uhr morgens begonnen. Ihrem Sohn während der Wettkämpfe zuzuschauen, ist vor allem für Mutter Wellbrock nur schwer auszuhalten. "Ich kann mir das immer nur ganz schlecht von Anfang bis Ende angucken", sagt Anja Wellbrock. "Oft verlasse ich den Raum oder laufe wie ein Tiger im Kreis. Für mich ist das immer sehr aufregend."

Schon als Florian Wellbrock in die Halle kam und zum Startblock ging, hatte seine Mutter ein ungutes Gefühl. "Als er hereingekommen ist, habe ich gedacht, er sieht blass aus." Dennoch gelang ihrem Sohn ein Start nach Maß, das Happy End blieb jedoch aus. "Den vierten Platz zu schaffen, ist aber immer noch Bombe", betont Bernd Wellbrock, der Besitzer eines Fahrradgeschäfts ist.

Er wird nicht zufrieden sein, obwohl er eine ganze Menge erreicht hat. Aber sein Anspruch war mit Sicherheit ein anderer. Man leidet und fiebert schon mit ihm mit.

Bernd Wellbrock, Vater von Olympia-Schwimmer Florian Wellbrock, im Gespräch mit dem Sportblitz

Wellbrock hat noch zwei Medaillenchancen

Auch wenn die Enttäuschung bei Florian Wellbrock nach dem Verpassen des Podiums groß war, hat er noch zwei Chancen, sich sein Medaillenziel zu erfüllen. Sowohl über die Distanz von 1.500 Metern als auch über zehn Kilometer im Freiwasser geht der gebürtige Bremer sogar als Favorit ins Rennen. "Er ist ein Stehaufmännchen und kann sich motivieren", betont Vater Bernd Wellbrock. "Über 1.500 Meter wird es anders laufen."

Am liebsten wären er und Anja Wellbrock mit nach Tokio gereist, um ihren Sohn anzufeuern. Doch aufgrund der Corona-Pandemie müssen sie ihm nun von zu Hause aus die Daumen drücken. Hin und wieder sprechen sie ihm telefonisch Mut zu. "Wenn, dann ruft er an, wenn er Zeit hat. Da wollen wir ihn nicht in seiner Vorbereitung stören", erzählt Bernd Wellbrock. Trotz aller Entäuschung über den vierten Platz freuen sich Wellbrocks Eltern für den 23-Jährigen, dass er überhaupt in Tokio dabei ist: "Man ist schon megastolz, wie er sich entwickelt hat", sagt Anja Wellbrock. "Das kann man gar nicht in Worte fassen."

Erstmal nach Tokio zu kommen war der eine Traum. Für den anderen hat er nun noch zwei weitere Möglichkeiten.

Bernd Wellbrock, Vater von Olympia-Schwimmer Florian Wellbrock, im Gespräch mit dem Sportblitz

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Autoren

  • Janna Betten Redakteurin und Autorin
  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. Juli 2021, 18:06 Uhr