"Gigantisches Rennen": Bremer Wellbrock schwimmt zum Olympiasieg

Bild: Reuters | Leonhard Foeger

Der gebürtige Bremer ist im Freiwasser-Finale über zehn Kilometer zur Goldmedaille geschwommen. Es ist die erste Schwimm-Goldmedaille für Deutschland seit 13 Jahren.

Stolz und sichtlich erschöpft ließ sich Florian Wellbrock nach seiner olympischen Machtdemonstration Richtung Interview-Zone im Odaiba Marine Park fahren.

Schwimmer Florian Wellbrock bei seinem zehn Kilometer Rennen im Freiwasser vor der Skyline von Tokio.
Keiner konnte mit ihm mithalten: Florian Wellbrock gewann mit 25 Sekunden Vorsprung Gold. Bild: Reuters | Antonio Bronic

Aus einem überdimensionierten Golfcart heraus zeigte der Olympia-Champion im Freiwasserschwimmen die Siegerfaust, nach dem Aussteigen wurde er von seinen Teamkollegen in die Arme geschlossen. Im Zehn-Kilometer-Rennen bestimmte der Doppel-Weltmeister vom Start an eindrucksvoll das Geschehen und schwamm in der Nacht zum Donnerstag zur ersten Olympia-Goldmedaille für den Deutschen Schwimm-Verband seit 13 Jahren.

"Das ist mein Sommermärchen heute"

Schwimmer Florian Wellbrock liegt nach seinem Olympia-Sieg über zehn Kilometer im Freiwasser erschöpft am Steg.
Florian Wellbrock ist nach seinem souveränen Sieg erst einmal völlig ausgepowert. Bild: Reuters | Leonhard Foeger

"Für mich persönlich ist das, glaub ich, mein Sommermärchen heute", sagte Wellbrock. Im Zielbereich krabbelte er zunächst auf allen vieren aus dem Wasser und ließ sich in der großen Hitze kaltes Wasser und ein nasses Handtuch reichen. Dann spannte er stolz den starken Bizeps an – die Geste passte am Tag seines bombastischen Auftritts.

"Ich bin begeistert", freute sich Bundestrainer Bernd Berkhahn. Der 50-Jährige räumte auch gut anderthalb Stunden nach dem Triumph seines Ausnahme-Athleten ein: "Das ist noch nicht wirklich angekommen. Dafür war jetzt zu viel Spannung die vergangenen Tage und Wochen. Aber das kommt schon noch." Wellbrock hatte nach 1:48:33,7 Stunden mit über 25 Sekunden Vorsprung vor dem Ungarn Kristof Rasovszky und dem Italiener Gregorio Paltrinieri angeschlagen.

Florian war heute auf einem anderen Planeten.

Bronze-Gewinner Gregorio Paltrinieri über Florian Wellbrock

Nach "Albatros" Groß wieder Gold bei den Herren

Wellbrocks Teamkollege Rob Muffels, immerhin WM-Dritter, kam abgeschlagen als Elfter ins Ziel. Für die deutschen Schwimmer war es nach Bronze für Wellbrock und dessen Verlobte Sarah Köhler im Becken über 1.500 Meter Freistil die dritte Medaille von Tokio.

Erfolgreicher waren die Schwimmer zuletzt 2008 in Peking, als sich Britta Steffen zur Doppel-Olympiasiegerin krönte und Rekordweltmeister Thomas Lurz im Freiwasser Bronze gewann. Damals gab es insgesamt fünf Medaillen für den DSV. Bei den Herren musste der Verband sogar seit dem Erfolg von "Albatros" Michael Groß vor 33 Jahren auf einen Schwimm-Olympiasieg warten. Damals gewann auch Uwe Daßler Gold für die DDR.

Ich wusste: Es ist das letzte Rennen. Ich habe die Medaille für den DSV schon geholt, es gibt nicht mehr allzu viel zu verlieren. Deswegen habe ich einfach nochmal alles reingeworfen und wurde heute mit einem recht souveränen Rennen mit Gold belohnt. Das fühlt sich unglaublich gut an.

Florian Wellbrock nach seinem Gold-Rennen

Wellbrock macht von Beginn an Druck

Florian Wellbrock während des Freiwasser-Finals bei Olympia.
Florian Wellbrock hat die Konkurrenz vom Start weg im Griff gehabt. Bild: DPA | Oliver Weiken

Lurz hatte 2012 in London mit Silber die bis dato letzte olympische Freiwasser-Medaille für Deutschland geholt. "Ein absolut gigantisches Rennen. Außergewöhnlich stark, außergewöhnlich schnell", sagte er als Eurosport-Experte. Der DSV war in Tokio mit drei Schwimmer- und zwei Springer-Medaillen klar erfolgreicher als bei den Spielen in Rio 2016 und London 2012, als es jeweils nur eine Medaille für das gesamte Team gab.

Wellbrock setzte gleich nach dem Start bei schon 29,2 Grad Wassertemperatur in den frühen Morgenstunden in der Tokyo Bay ein Zeichen. Er machte in seinem ersten olympischen Freiwasserrennen sofort Druck und erarbeitete sich schnell einen Vorsprung auf das Feld.

"Wollt ihr keinen Wettkampf heute?"

Schwimmer Florian Wellbrock zeigt nach seinem Gold-Rennen im Freiwasser selbstbewusst seinen rechten Bizeps.
Selbstbewusster Olympiasieger: Florian Wellbrock nach seiner Machtdemonstration an die Konkurrenz. Bild: Reuters | Leonhard Foeger

"Ich bin in der ersten Runde um die erste Boje rum, habe mich umgeguckt und gedacht: Jungs, wollt ihr keinen Wettkampf schwimmen heute?", sagte Wellbrock. "Ich glaube, viele waren von der Wassertemperatur recht eingeschüchtert und ich habe beim Training in den letzten Tagen schon gemerkt: So viel wärmer als ein Schwimmbecken fühlt sich das nicht an."

Berkhahn, der sich einen ruhigen Start von Wellbrock gewünscht hatte, sagte: "Er konnte praktisch nicht langsamer schwimmen." Zwar kamen die Konkurrenten zwischenzeitlich noch einmal heran, doch Wellbrock war an diesem Tag einfach zu stark.

Verlobte Köhler fieberte in Bremen mit

Er ließ sich vom Trubel um seine Person als größter Medaillenhoffnungsträger der deutschen Schwimmer schon vor Olympia nicht aus dem Konzept bringen. Der gebürtige Bremer, der in Magdeburg bei Berkhahn trainiert, präsentierte sich in den Tagen von Tokio hochkonzentriert und steckte auch einen ärgerlichen vierten Platz in seinem ersten Finale weg. Über 800 Meter fehlten ihm nur 35 Hundertstelsekunden zu Bronze.

Er und Köhler, die bereits aus der japanischen Hauptstadt abgereist ist und das Rennen mit Wellbrocks Eltern in Bremen verfolgte, waren die Medaillengaranten für die deutschen Schwimmer. Auf den kurzen Strecken erreichten einige Sportler - darunter auch frühere Leistungsträger - nicht ihre Topform zum großen sportlichen Höhepunkt.

Wellbrock schwimmt zu Bronze – sein Jugendtrainer freut sich mit

Bild: Reuters | Stefan Wermuth

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 5. August 2021, 7 Uhr