Sixdays-ABC: Das Wichtigste zum Finale

Die Regeln der Sixdays sind nicht einfach. Wie funktioniert die Jagd, wie errechnet sich der Gesamtstand? Und wer ist Favorit auf den Sieg? So steigen auch Sie beim Finale durch!

Video vom 14. Januar 2020
Drei Radrennfahrer während eines Rennens auf den Sixdays.

Grundwissen

Rundengewinn vor Punktgewinn: Die Mannschaft oder die Mannschaften, die in der sogenannten Nullrunde sind, führen in der Gesamtwertung. Zu sehen an der 0 auf dem Ergebnistableau. Dahinter folgen die Punkte. Sind mehrere Teams in der gleichen Runde, zählen die Punkte. Das Ziel in den Jagden und in der Finaljagd am Dienstagabend ist es, die Konkurrenz zu überrunden. Für einen Rundengewinn muss ein Team vorne aus dem Feld ausbrechen, einmal rumfahren und das Feld wieder einholen. Dann bekommen sie eine Runde gutgeschrieben – auf der Anzeigetafel äußert sich das in einer Minusrunde für die restlichen Teams. Die Mannschaften, die um den Sieg kämpfen, müssen also immer schauen, was die Konkurrenz macht, Ausreißer einfangen, selbst attackieren. Gewinnen kann nur ein Team, das in der Nullrunde ist.


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Wim Stroetinga und Nico Selenati bei den Sixdays Bremen
Auch Außenseiter haben noch Chancen auf den Gewinn. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

A wie Außenseiter: Die Montagnacht hat das Rennen um den Sieg nochmal richtig offen gemacht. Vor dem Finalabend liegen nun sechs Teams in der Nullrunde – allerdings mit einer sehr unterschiedlichen Punkteausbeute. Die besten Außenseiterchancen hat derzeit Team Nummer 7: Der Niederländer Wim Stroetinga und der Schweizer Nico Selenati. Vor Beginn des Rennabends liegen sie zwar nur auf Platz Fünf, stehen aber dicht vor einer so genannten Bonusrunde. Die bekommen sie, wenn sie die 200-Punkte-Marke knacken. Damit würden sie dann eine Runde Vorsprung auf die anderen Teams haben. Ein großer Vorteil vor der Finaljagd.


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B wie Bonusrunde: In den einzelnen Disziplinen sammeln die Teams Punkte. Für jede erreichte Hunderter-Marke bekommt das Team eine Bonusrunde. Das gilt aber nur bis zum Start der Finaljagd am Dienstagabend. Knackt ein Team durch die Wertungssprints am Ende des Finales noch eine Hunderter-Grenze gibt es keine Bonusrunde! Spanned wird, ob das führende Team Politt/de Ketele noch vor der Finaljagd die 300-Punkte-Marke erreicht. Theoretisch ist das machbar – dafür müssen sie aber in allen Wettbewerben sehr gut abschneiden. Tendenz: Unwahrscheinlich.

B wie Bremsen: Bahnräder sind speziell und auf das Nötigste reduziert. Sie haben keine Bremsen und nur einen Gang. Zwei Räder, ein Rahmen, eine Kette, Sattel, Lenker: Das war es. Die Fahrer können nicht aufhören zu treten und bremsen mit den Beinen, in dem sie Druck aus den Pedalen nehmen und leicht gegenhalten.


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Blick über die Schultern der Schiedsrichter
Die Wertungsrichter haben den besten Blick auf den Zielstrich. Hier werden die Punkte per Computer addiert.

D wie Doppelte Punkte: Die fünf Wertungssprints am Ende der Finaljagd zählen doppelt. Statt 5-3-2-1 gibt es nun 10-6-4-2 Punkte. Oft wurde das Rennen durch diese Punkte entschieden. Die Fahrer müssen also nicht nur schnell fahren sondern auch schnell rechnen.


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Nils Politt und Kenny de Ketele bei der Fahrervorstellung
Nils Politt (vorne links) und Kenny de Ketele führen das Feld an. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

F wie Favoriten: Favorit auf den Gesamtsieg ist das deutsch-belgische Duo Politt/de Ketele in weiß. Sie führen derzeit und haben die meisten Punkte gesammelt. Außerdem besitzen sie die Stärke, die lange Ein-Stunden-Jagd zu dominieren. De Ketele ist einer der erfahrensten und erfolgreichsten Sechs-Tage-Fahrer (75 Rennen, 16 Siege). Nils Politt gehört zu den besten deutschen Straßenfahrern, war 2019 Zweiter bei Paris-Roubaix, hat schonmal dreimal die Tour de France bestritten. Er hat die nötige Ausdauer und Härte, ein Finale durch schnelle Attacken zu entscheiden. Dazu fehlt es ihm nicht an Bahn-Erfahrung. In Bremen fuhr er schon als Nachwuchsfahrer und als Profi.


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Sixdays 2017
Klassischer Sound bei den Sixdays: Das laute Gong der Glocke an der Bahn.

G wie Glocke: Wenn die Glocke ertönt, dann steigt die Nervosität der Fahrer. Das Läuten bedeutet: Noch eine Runde bis zum Sprint oder dem Ende der Prüfung. Die letzte Glocke bei den Sixdays Bremen 2020 ist am Dienstag zirka um 23.10 Uhr zu hören.


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Sixdays 2017 Fahrerlager an Bahn
Immer linksrum, ein alter Grundatz im Bahnradsport.

L wie Linksrum: Alle Bahnradrennen laufen linksrum. Warum genau das so ist, ist nicht hundertprozentig belegt. Hartnäckig hält sich die Meinung, das liege daran, dass auch das menschliche Herz links zu finden ist.


P

P wie Partyfreie Zone: Dienstag steht der Sport im Vordergrund. Wer also noch auf Live-Musik oder Disko in den Hallen hofft, ist hier fehl am Platz. Bahn statt Bühne ist das Motto am Dienstag.


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Sprinter Förstemann am Zielstrich bei den Sixdays Bremen
Hier ist die Sprintentscheidung klar - sonst wird auch mal das Zielfoto zurate gezogen. Bild: Soller Fotografie | Oliver Soller

Z wie Zielstrich und Zeitnahme: Es gewinnt der Fahrer einen Sprint, dessen Vorderreifen als erstes den Zielstrich erreicht. Die Richter sitzen direkt am Zielstrich und ziehen bei hauchdünnen Entscheidungen das Zielfoto heran. Einzige Ausnahme der Regel: Beim Ausscheidungsfahren entscheidet der Hinterreifen. Der Fahrer, dessen Hinterreifen als letzter über den Zielstrich rollt, scheidet aus.

Die Zeit, beispielsweise beim Rundenrekordfahren oder 500-Meter-Zeitfahren, wird elektronisch gemessen. Für den Fall, dass die Zeitmessung mal ausfällt, stoppen drei Wettkampfrichter zeitgleich per Hand mit. Gibt es kein elektronisches Ergebnis wird der Mittelwert der drei handgestoppten Zeiten ermittelt. Das ist internationales Reglement.


Autorin

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Sechs-Tage-Radio, 14. Januar 2020, 20-23 Uhr

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