Wenig Kohle, viel Erfolg: Die Fischtown Pinguins mischen die DEL auf

Während die Bremer Fußballer gegen den Abstieg kämpfen, mischen die Eishockeyspieler aus Bremerhaven in der DEL ganz oben mit. Vor allem dank ihres Torjägers.

Spieler der Fischtown Pinguins bejubeln ein Tor
Auf der Erfolgsspur: Die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven dürfen auf die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale hoffen. Bild: Imago | eibner

Der Eishockey-Underdog aus Bremerhaven wird mutig: Die Spieler der Fischtown Pinguins träumen vom Titel, die Stars bleiben und erstmals winkt die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale. "Ich bin ehrlich: Damit habe ich nicht gerechnet. Wir haben Eishockey gezeigt, das mehr denn je begeistert", sagte Team-Manager Alfred Prey der Deutschen Presse-Agentur. In seiner vierten Saison in der Deutschen Eishockey Liga steht der Club, der mit 4,5 Millionen Euro den kleinsten Etat besitzt, vor der vierten Qualifikation zur K.o.-Runde. Als Tabellenfünfter hat der Verein aus Bremerhaven neun Spiele vor dem Ende der regulären Runde zum ersten Mal die Chance, direkt ins Viertelfinale einzuziehen. Mit den Erfolgen wächst auch der Mut. "Wir sind so weit, dass wir sagen können: Es reicht uns nicht, ins Viertelfinale zu kommen. Wir können in Zukunft noch viel mehr erreichen – auch wenn es natürlich sehr schwer wird", sagte Angreifer Jan Urbas der "Nordsee-Zeitung".

Jan Urbas klatscht mit Mannschaftskollegen ab.
Mit 22 Toren ist Bremerhavens Jan Urbas (roter Schutzhelm) aktuell der beste Torjäger in der DEL. Bild: Imago | Eibner

Urbas gehört zu den herausragenden Profis in der Seestadt. Der Slowene führt mit 22 Treffern die Torjägerliste der DEL an. In der Vergangenheit wäre es üblich gewesen, dass ein Spieler vom Format des zweifachen Olympia-Teilnehmers nach der Saison zu einem zahlungskräftigeren Liga-Konkurrenten gegangen wäre. Doch Manager Prey gelang es nach zahlreichen Abgängen in den Vorjahren, den von sämtlichen Top-Teams umworbenen Stürmer zu halten. Als "eine neue Dimension" bezeichnete der 66-Jährige die Vertragsverlängerung des 31-Jährigen und ernannte ihn zum "König von Fischtown". Der Pinguins-Manager befürchtete eigentlich "einen harten Kampf" um seinen besten Spieler. "Aber am Ende war es eine einfache Geschichte", sagte er. Die Bremerhavener um Trainer Thomas Popiesch haben beim Familienmenschen Urbas vor allem auf den Wohlfühlcharakter des Vereins gesetzt - und gewonnen. "Bremerhaven hat Vorteile und Nachteile. Die Vorteile überwiegen", erklärte Urbas.

Der Etat der Kölner Haie ist beinahe dreimal so hoch

Finanziell können die Fischtown Pinguins eigentlich mit keinem DEL-Club mithalten. Allein die Qualifikation für die Pre-Playoffs (Platz sieben bis zehn) wäre "wie eine Meisterschaft", betonte Prey. 21 Punkte beträgt der Vorsprung auf die elftplatzierten Kölner Haie, die fast über den dreifachen Etat verfügen. "Da muss schon sehr viel in die Hose gehen", merkte der sonst sehr zurückhaltende Manager an. Immer wieder gelingt es ihm, mit klugen Transfers und Schnäppchen aus Österreich oder Dänemark die DEL-Konkurrenz zu überraschen. Wie gut die Pinguins mit den Top-Clubs mittlerweile mithalten können, zeigte der vergangene Spieltag. Nur nach Penaltyschießen verloren die Pinguins gegen Meister Adler Mannheim. "Die Realität sieht aber so aus: Da spielen vier gegen 16 Millionen Euro", erklärte Prey, der klar stellte: "Bei uns geht alles nur über das Kollektiv."

So wollen die Pinguins mit dem Start in den Liga-Endspurt am Freitag gegen die Augsburger Panther ins Viertelfinale stürmen und wieder die Großen ärgern. Denn in einer Serie wird niemand gerne gegen die Fischtown Pinguins antreten wollen. "Wir sind eine unbeliebte Mannschaft", sagte Prey. "Wir sind laufstark, spielen aggressives Eishockey über 60 Minuten, lassen den Gegner nie in Ruhe. So etwas verabscheuen spielerisch starke Mannschaften. Für einen Sieg muss uns der Gegner vom Eis kratzen." 

Fischtown Pinguins sichern sich Playoff-Platz

Mehrere Spieler der Fischtown Pinguins liegen sich in den Armen.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 12. Februar 2020, 23:30 Uhr