Kapitän Kruse zum Fanboykott: "Wir brauchen die Fans"

Ligaweit protestierten viele Fußball-Fans mit einem Stimmungsboykott gegen die Zerstückelung der Spieltage. Auch im Weser-Stadion war es 18 Minuten lang still.

SV Werder Bremen vs Hertha BSC Berlin, im Bild Protest-Choreo gegen die Anstosszeit um 18:30 Uhr mit Bannern, auf denen geschrieben steht "Football is for you and me, Not for Fucking Pay-TV.
Neben den großen Bannern hielten etliche Werder-Fans dazu Pappen mit aufgemalten Fernsehern darauf hoch. Bild: Andreas Gumz

Bei der Vorstellung der Mannschaft waren stimmlich noch alle Werder-Fans an Bord. Da wurden gemeinsam die Nachnamen der Startelf geschmettert und die Spieler dann auch noch frenetisch beim Einlaufen auf dem Rasen begrüßt. Dann aber, als der Ball rollte, verstummte die Ostkurve des Weser-Stadions in großen Teilen. Stattdessen entrollten sie Transparente, die ihren Stimmungsboykott untermauerten.

Sogar Kohfeldts Anweisungen waren zu hören

Etliche Fan-Gruppen hatten einen "bundesweiten Aktionsspieltag" verabredet. Auch die Werder-Ultras von Infamous Youth, Caillera, Ultra-Team Bremen, Wanderers und Intesa Verde beteiligten sich an der Aktion, mit der sie gegen die "zunehmende Spieltagszerstückelung" protestieren wollten. Die Werder-Spieler hatten sich darauf eingestellt, dass es in den ersten 18 Minuten der Partie sehr viel stiller als sonst im Stadion sein würde. Auch, wenn es ihnen weit besser gefiel, als die Geräuschkulisse mit den Anfeuerungen später wieder gewohnt ohrenbetäubend war.

Werder gegen Hertha BSC Berlin Banner der Bremer Wanderers
Werder-Ultras schwiegen für 18 Minuten und 30 Sekunden, um gegen die Ansetzung unter der Woche um 18:30 Uhr zu protestieren. Bild: Imago | DeFodi

Das lag ja nicht an uns, das war ligaweit so geplant. Von daher wissen wir, dass die Fans komplett hinter uns stehen. Und wir brauchen die Unterstützung unserer Fans auch.

Werder-Kapitän Max Kruse

Trainer Florian Kohfeldt trieb bei diesem Stimmungsboykott vor allem eine Sorge um: "Ich hatte immer Angst, dass mich alle hören." Tatsächlich waren die Anweisungen, die er seinen Spielern aufs Feld zurief, sehr deutlich zu verstehen. Doch dem Gegner zumindest nützten diese Informationen wenig. Kohfeldt, der die einzigartige Atmosphäre bei Heimspielen immer wieder betont, sagte hinterher: "Schöner war es natürlich dann mit Fans. Es war vorher schon ein komisches Gefühl." Und genau dieses Unbehagen wollten die Fans mit ihrem Protest sicher auslösen, um für ihre Interessen zu werben.

Aussenansicht vom Weserstadion.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sendungsbezug: ARD, Sportschau, 25. September 2018, 22:45 Uhr