"Überleben sichern": Pinguins-Fans unterstützen ihren Klub finanziell

Solidarität im Eishockey: Pinguins-Fans zahlen für Geisterspiele

Bild: Radio Bremen

Zuschauer sind bei den Spielen der Bremerhavener aktuell nicht erlaubt. Viele Fans überlassen dem Klub aber ihr Geld für Tickets oder kaufen gar neue, um ihm zu helfen.

Als die Fischtown Pinguins am Freitagabend gegen den EHC Ingolstadt mit 2:1 nach Verlängerung gewannen, mussten die Ränge in der Eisarena erneut leer bleiben. Aufgrund der aktuellen Lage in der Corona-Pandemie sind die Geisterspiele im Profisport zurück. Für die Bremerhavener bedeutet dies, dass sie auf die Unterstützung ihrer Anhänger, die die Eisarena gerne einmal in einen Hexenkessel verwandeln, verzichten müssen. Es geht ihnen bei jedem Heimspiel allerdings auch eine ganze Menge Geld verloren.

Deshalb setzen die Pinguins auf die Unterstützung ihrer Fans und baten diese zuletzt, bereits verkaufte Tickets für die Spiele nicht zurückzugeben und bestenfalls sogar neue Tickets zu kaufen, um "das Überleben des Eishockeystandorts Bremerhaven zu sichern".

70 Prozent der Fans verzichten auf ihr Geld

Die Aktion zeigt Wirkung. Nur etwa 30 Prozent der Fans wollen ihr bereits bezahltes Geld zurückerhalten. Der Rest verzichtet auf eine Erstattung, um dem Klub zu helfen. "Diese Art der Unterstützung bedeutet uns echt viel", erzählt Kapitän Mike Moore im Gespräch mit dem Sportblitz. "Wir versuchen, diesen Stolz in den Spielen zu zeigen." Der Etat der Bremerhavener liegt bei rund vier Millionen Euro pro Saison. Ein erheblicher Teil davon wird durch die Ticketverkäufe eingenommen. Teammanager Alfred Prey ist ein Besuch auf der Geschäftsstelle in den vergangenen Tagen besonders ans Herz gegangen.

Da kam ein älteres Ehepaar auf die Geschäftsstelle und hat sporadisch zwei Karten gekauft, um den Verein zu unterstützen. Das berührt einen auch persönlich.

Pinguins-Manager Alfred Prey im Interview mit dem Sportblitz in seinem Büro.
Alfred Prey im Gespräch mit dem Sportblitz

Der Förderverein hilft den Pinguins

Für Prey bleibt die Hoffnung, dass sich die Situation bald wieder ändert und die Fans in die Eisarena zurückkehren dürfen. Bevor das Team wieder nach vorne gepeitscht wird, kümmern die Fans sich um die klammen Kassen. Hier steht auch der Förderverein der Pinguins parat. Die Geisterspiele seien "traurig" für die Anhänger und den Klub, sagt Cord Henken, der 1. Vorsitzende des Fördervereins. Der 62-Jährige hat in den vergangenen 20 Jahren kein einziges Heimspiel verpasst. Im August ist er mit dem Auto bis ins finnische Turku gefahren, um beim Champions-League-Spiel der Bremerhavener dabei zu sein.

Damit die Pinguins auch in Zukunft für besondere Erlebnisse sorgen können, gibt es finanzielle Unterstützung. "Unsere Mitglieder sind bereit, ohne Gegenleistung Geld für die Fischtown Pinguins zu geben", berichtet Henken. Rund 15.000 Euro kamen im letzten Jahr durch den Förderverein zusammen. Jetzt helfen den Pinguins vor allem die Ticketgelder, die sie nicht zurückzahlen müssen oder gar noch weiterhin erhalten, obwohl sie niemanden in die Eishalle lassen dürfen.

Wenn die Pandemie vorbei ist, möchten wir unseren Sport wieder in vollen Stadien genießen können. Dazu gehört auch, dass die Vereine überleben.

Cord Henken steht in der Eisarena und schaut in die Kamera.
Cord Henken, 1. Vorsitzender des Fördervereins der Fischtown Pinguins

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Autorinnen und Autoren

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor
  • Maike Albrecht Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 7. Januar 2022, 18:06 Uhr