Raus mit Applaus – Pinguins verkaufen sich teuer in der "Königsklasse"

Audio vom 13. Oktober 2021
Die Pinguins-Spieler Stanislav Dietz und Markus Vikingstad enttäuscht nach dem Spiel auf dem Eis
Bild: Imago | Eibner
Bild: Imago | Eibner

Für den historischen Achtelfinal-Einzug in der Champions League hat es knapp nicht gereicht. Doch das Team aus Bremerhaven verabschiedet sich erhobenen Hauptes.

Zwei Minuten vor Schluss ging Trainer Thomas Popiesch volles Risiko. Er nahm seinen Torhüter Maximilian Franzreb raus und schwor seine Mannschaft an der Bande energisch auf das Powerplay ein. Es stand 1:2 aus Sicht der Pinguins, sie brauchten unbedingt ein Tor.

Popiesch schickte also seine beste Line aufs Eis, auch Stürmer Jan Urbas, und eben einen Spieler mehr statt des Torhüters – und die Pinguins kratzten noch einmal ihre letzten Kräfte aus den müden Knochen zusammen und bestürmten das Tor der Prager.

"Die Enttäuschung spürt man bei allen"

Die 2.500 Fans auf den Rängen der Eisarena Bremerhaven peitschten ihr Team nach vorne, aber die Euphorie war nach einer Minute schlagartig ernüchtert. Ein kleiner Fehler, den Puck verloren und Spartas Patrik Prymula traf ins leere Tor zum 3:1. Es war vorbei.

Das Aus im letzten Gruppenspiel der Champions Hockey League war besiegelt und damit auch der Traum vom ersten Achtelfinal-Einzug der Vereinsgeschichte geplatzt. Hängende Köpfe bei den Spielern auf dem Eis, doch von ihren Fans wurden die Fischtown Pinguins trotzdem frenetisch gefeiert, und das zu recht.

Die Enttäuschung ist schon noch sehr groß. Die Mannschaft ist dann noch mal rausgegangen zu den Fans und sie spürte diese tolle Unterstützung. Der ein oder andere fühlte sich dann schon etwas besser. Aber die Enttäuschung spürt man bei allen.

Pinguins-Coach Thomas Popiesch im Sportblitz

Schneller, präziser, besser

Als Debütanten auf internationaler Bühne hatten die Pinguins einen guten Eindruck in der schweren Gruppe A hinterlassen und dürfen erhobenen Hauptes die "Königsklasse" verlassen. Dass neun Punkte aus sechs Spielen knapp nicht zum Weiterkommen gereicht hatte, war bitter. Doch die Bremerhavener hatten zu spüren bekommen, dass das Niveau in der Champions League noch einmal eine Stufe besser ist.

Ich denke, dass die Mannschaft gesehen hat, dass international eben noch schneller und noch präziser gespielt wird. Irgendwann wollen wir uns da etablieren. Und das heißt, dass wir diese Details besser machen müssen.

Pinguins-Coach Thomas Popiesch im Sportblitz

Auch in diesem letzten Gruppenspiel am Dienstagabend hatten die Pinguins gekämpft und alles reingeworfen, was sie nach dem fordernden Spielplan der Deutschen Eishockey Liga (DEL) noch zu bieten hatten. Fünf Stammspieler hatten verletzt gefehlt. Gegen das Spitzenteam Sparta Prag konnte man mithalten, kam zu Chancen, doch am Ende war der Gegner insgesamt einfach etwas besser.

Pinguins-Coach Popiesch: "Die Mannschaft hat sich Respekt verdient"

Video vom 13. Oktober 2021
Pinguins-Coach Thomas Popiesch nach dem Aus in der Champions League im Sportblitz-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Finanziell profitierten die Pinguins nicht

Das tschechische Team, das mit einem 21-köpfigen Betreuerstab nach Bremerhaven gereist war, zieht nun mit 13 Punkten ins Achtelfinale ein. Gemeinsam mit dem schwedischen Gruppenzweiten Växjo Lakers, der durch einen 4:2-Sieg mit zehn Punkten an den Pinguins noch vorbeizog.

Wenn die erste Enttäuschung bei den Bremerhavenern verflogen sein wird, dürfte der Stolz sicherlich überwiegen. Obwohl die Mannschaft am Stock geht, nahm sie den Kraftakt an und wird von den Erfahrungen profitieren. Finanziell hat der kleine Klub jedoch nicht vom Ausflug in die Champions League profitiert.

Anders als im Fußball verdient man im Eishockey erst im Finale Geld und dieses Ziel war für die Pinguins dann doch zu hoch gegriffen. Und spätestens mit der K.o.-Runde wären der Aufwand und die Kosten noch einmal extrem angestiegen. So verabschieden sich die Pinguins zwar mit einem weinenden Auge, doch das dürfte schnell trocknen.

Wir haben uns sehr sehr gut präsentiert. Dass es am Ende nicht gereicht hat, lag an verschiedenen Sachen. Aber in dieser schweren Gruppe haben wir bis zur letzten Minute um das Weiterkommen gefightet – da hat sich die Mannschaft Respekt verdient.

Pinguins-Coach Thomas Popiesch im Sportblitz

Paraden, Patzer, Pucks: Pinguins-Keeper Franzreb über das bittere Aus

Video vom 13. Oktober 2021
Pinguins-Torhüter Maximilian Franzreb im Interview mit dem Sportblitz nach dem Champions-League-Aus.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 13. Oktober 2021, 7 Uhr