Diese Bremerin erkämpft bei ihrem 1. Duathlon direkt WM-Gold

Audio vom 22. September 2021
Duathlon-Weltmeisterin Merle Brunnee läuft im Regen und kommt bei der Radstation an.
Bild: Powerman Zofingen
Bild: Powerman Zofingen

Laufen, Rad fahren, wieder laufen: Diese siebenstündige Herausforderung hat Merle Brunnée am Sonntag in der Schweiz am besten gemeistert – und das als Debütantin.

Laufen, das ist ihr Ding. Überhaupt alles, was mit Ausdauersport zu tun hat, reizt Merle Brunnée. Die Grenzen des eigenen Körpers auszutesten, zu sehen, was möglich ist. 27 Jahre alt ist die Bremerin und hat gerade in Heidelberg ihr Medizinstudium beendet.

Erst seit vier Jahren betreibt sie Laufen als Leistungssport, bisher nur in Marathon-Wettbewerben und seit einem Jahr beim Triathlon. Duathlon hatte Brunnée bis zum vergangenen Wochenende noch nie ausprobiert – doch ihre Premiere brachte ihr gleich den WM-Titel ein.

Ich bin selbst etwas überrascht über dieses Resultat. Schließlich ist es mein erster Duathlon und meine erste Weltmeisterschaft überhaupt gewesen.

Weltmeisterin Merle Brunnée

Dauerregen und Eiseskälte

Duathlon-Weltmeisterin Merle Brunnee im Regen beim der Teildisziplin Radfahren.
Aquaplaning bei Dauerregen: Die 150 Kilometer Radfahr-Strecke war für alle eine Herausforderung. Bild: Powerman Zofingen

Denn bei dieser Langdistanz-WM in Zofingen, im Schweizerischen Kanton Aargau, waren eigentlich andere die Favoritinnen – doch bei garstigen Wetterbedingungen mit Dauerregen und eiskalten Temperaturen gerieten viele bei zehn Kilometer laufen, dann 150 Kilometer Rad fahren und 30 Kilometer laufen schnell an ihre Grenzen.

Wie die Schweizer Titelverteidigerin Nina Zoller, die nach der erste Radrunde entkräftet absteigen musste, meinte: "Ich fror wahnsinnig. Es hätte keinen Sinn gemacht, so 100 Kilometer weiterzufahren. Die Gesundheit geht vor." Von den 13 in ihrer Disziplin gestarteten Athletinnen erreichten bei diesen extremen Bedingungen nur sieben das Ziel. Der Wettbewerb, der sinnigerweise "Powerman Zofingen" heißt, fand am Ende eine echte Powerfrau aus Bremen als Siegerin.

Konkurrentinnen gaben reihenweise auf

Duathlon-Weltmeisterin Merle Brunnee strahlt nach dem Sieg.
Strahlende Siegerin: Erster Duathlon, erster WM-Titel. Besser hätte es für Merle Brunnée nicht laufen können. Bild: Powerman Zofingen

Brunnée war in diesem Duathlon eine Klasse für sich. Leicht und locker wirkte ihr Laufstil trotz der bergigen Strecke, sie blieb bei ihrer Siegerzeit von 7:07:27 Stunden immer im Rhythmus.

Während die Konkurrentinnen reihenweise mit Unterkühlungen und anderen Problemen aufgaben und mit Wärmflaschen versorgt wurden, kämpfte sich Brunnée durch den Schmerz hindurch und kam mit 14 Minuten Vorsprung vor der Slowakin Nikola Corbova ins Ziel.

Es ist ein unglaubliches Gefühl! Schon als ich in den zweiten Lauf gestartet bin, wusste ich, dass ich führe, und das war sehr beflügelnd. Da konnte ich schon ahnen, wo es hingeht, und dem Weltmeistertitel entgegen zu laufen, war unbeschreiblich.

Weltmeisterin Merle Brunnée

Nach schwerem Radunfall 2018 zurückgekämpft

Aus dem Ärmel geschüttelt hatte Brunnée diese furiose Leistung aber natürlich nicht. In den vergangenen Wochen hatte sie sich mit rund 20 Stunden Training pro Woche in den Schweizer Alpen auf die Höhenluft und das Gebirge vorbereitet.

Dass das alles überhaupt wieder geht, ist nicht selbstverständlich. Brunnée hatte sich 2018 bei einem Rennradunfall schwer verletzt und mühsam in den Sport zurückgekämpft. Umso mehr genoss sie den Moment der Medaillenübergabe. Die Quälerei hatte sich gelohnt.

Duathlon-Weltmeisterin Merle Brunnee bei der Siegerehrung.
Weltmeisterin Merle Brunnée (Mitte) neben der Zweitplatzierten Nikola Corbova (links) und Sarah Noemi Frieden. Bild: Powerman Zofingen

Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 21. September 2021, 23:30 Uhr