Viel Mühe mit Jena: Werder kassiert den ersten Warnschuss

Das Ergebnis stimmte, die Leistung lange nicht: Werder-Trainer Florian Kohfeldt übte nach dem mühsamen 2:0-Sieg im Pokal gegen Viertligist Jena deutliche Kritik.

Theodor Gebre Selassie tritt mit hohem Bein nach dem Ball, während ihn sein Gegenspieler attackiert.
Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie war gegen Jena Werders auffälligste Offensivkraft. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und plötzlich wurde es dunkel im Ernst-Abbe-Sportfeld, das Flutlicht hatte am Samstagabend zum Ende des Pokal-Spiels kurz den Geist aufgegeben. Doch Werder hatte an diesem Abend viel Glück, dass diese Szene nicht symbolisch dafür herhalten musste, dass bei den Bremern die Lichter ausgegangen waren.

Denn Werder mühte sich bis zum 2:0.Sieg sehr viel mehr mit dem Viertligisten aus Jena ab, als sich Trainer Florian Kohfeldt das gewünscht hatte.

Man hat gemerkt, dass heute ein Pflichtspiel war und es war auch gut, dass sie es gemerkt haben. Wir haben es dann am Ende zwar hochverdient zu Ende gebracht, aber ich hätte mir einen etwas souveräneren Auftritt gewünscht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei Sky

Jena rockte das Pokal-Spiel

Ein Fan im Werder-Trikot tätschelt mit seinem Schal einen Jena-Fan vor ihm auf der Tribüne.
Gute Stimmung auf den Rängen: In Jena durften 1.600 Zuschauer die Partie im Stadion verfolgen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach sieben Testspielsiegen in der Vorbereitung gegen mittelprächtige Gegner hofften die Werder-Profis wohl, dass es auch im ersten Pflichtspiel der neuen Saison so einfach weitergehen würde. Doch der Regionalligist präsentierte sich vor 1.600 Fans bissig, mutig und leidenschaftlich und kaufte Werder in der ersten Halbzeit schnell den Schneid ab.

Der DJ im Stadion gab alles, heizte mit den Klassikern "Jump" von Van Halen und "We will rock you" von Queen den eigenen Spieler ein, die sich die Textzeilen zu Herzen nahmen und weiter mutig große Sprünge Richtung Werder-Tor machten und dieses Pokal-Spiel rockten. Einzig der Torerfolg blieb ihnen verwehrt. Kohfeldt war dagegen weniger angetan von der Leistung seiner Mannschaft. In der Defensive passierten viele leichte Fehler, das Tempo im Umschaltspiel fehlte und auch mit dem Ballbesitz tat sich Werder schwer – zudem haperte es mit der Chancenauswertung.

Wir haben gemerkt: In einem Pflichtspiel fällt nicht mal eben schnell ein Tor, wie wir es jetzt in der Vorbereitung gewohnt waren. Da müssen wir dringend dran arbeiten, dass wir dann nicht hektisch werden und dann anfangen, Sachen zu machen, die wir weder besprochen haben noch die zielführend sind. Deshalb war es wichtig für uns, dass wir so eine Erfahrung heute gemacht haben.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei der Pressekonferenz

Ein Warnschuss, der vor dem Start der Bundesliga am kommenden Samstag gegen Hertha BSC wohl zur rechten Zeit kommt. "Man hätte auch mit dem Personal der ersten Halbzeit anders spielen können", monierte Kohfeldt und konnte zumindest feststellen, dass es in der zweiten Halbzeit mit der Einwechslung von Davy Klaassen und Tahith Chong besser lief. Nicht geschmeckt hatte Kohfeldt die "dumme, unnötige Rudelbildung", die Davie Selke kurz vor der Halbzeit auslöste – dass er den Stürmer namentlich anzählte, untermauerte seine Missbilligung nochmals. "Es war eine schwere, erste Runde, aber wir sind durch", bilanziete Kohfeldt. Ihm bleibt jetzt eine Woche Zeit, seine Mannschaft auf Bundesliganiveau zu trimmen.

Kohfeldt nach Pokal-Spiel: "Konnten zu keiner Zeit locker lassen"

Video vom 12. September 2020
Florian Kohfeldt nach dem Pokal-Spiel gegen Jena bei der Pressekonferenz.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, DFB-Pokal, 12. September 2020, 20 Uhr