Vor DFB-Pokal-Auslosung: Diese vier Bremer Vereine sind noch im Rennen

Beim FC Oberneuland, SC Borgfeld, FC Huchting und Blumenthaler SV schaut man am Sonntag ganz genau zu. Denn einer der Klubs wird Bremen im DFB-Pokal vertreten.

Ebrima Jobe vom FC Oberneuland bejubelt seinen Treffer gegen den SV Darmstadt.
Im August 2019 hatte der FC Oberneuland beim 1:6 im Pokalspiel gegen den SV Darmstadt nur wenig Grund zum Jubeln. Immerhin erzielte Ebrima Jobe (vorne) den Ehrentreffer für den FCO. Bild: Imago | Nordphoto

Dicht gedrängt beisammensitzende Spieler und Funktionäre, die gebannt auf einen Fernseher starren, bevor sie plötzlich aufspringen und sich in die Arme fallen – zur Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokals gehören sie genauso dazu wie die Losfee und die vielen durchsichtigen Kugeln, in denen mit Vereinslogos bedruckte Zettelchen stecken. Wenn aber DFB-Präsident Fritz Keller am Sonntag (18:30 Uhr/ARD) in Köln in den Lostopf greift, werden Jubelbilder aus Vereinskneipen eine Seltenheit bleiben – und das nicht nur wegen Corona.

Denn die meisten der "kleinen" DFB-Pokal-Teilnehmer werden erst noch beim auf den 22. August verschobenen "Tag der Amateure" ermittelt. So auch in Bremen, wo sich noch vier Vereine Hoffnungen machen, über den Gewinn des Bremen-Pokals auf einen der ganz Großen wie Bayern oder Dortmund zu treffen – und den Goliath im Idealfall auch ein wenig zu ärgern.

Mit der Auslosung sieben Wochen vor der ersten Hauptrunde (11. bis 14. September) will der DFB den zumeist eher kleinen Klubs mit Heimrecht mehr Zeit einräumen, um auch in Corona-Zeiten ein Fußballfest mit einem namhaften Gegner zu feiern – möglichst auch mit Zuschauern. Denn ohne Fans, so viel scheint klar, werden Pokalüberraschungen oder gar Sensationen noch unwahrscheinlicher sein, als sie es ohnehin schon sind.

So oder so gilt: Wenn am Sonntagabend der Platzhalter-Zettel mit dem Aufdruck "Bremer Landespokalsieger" aus dem Lostopf gezogen wird, werden der FC Oberneuland und der SC Borgfeld sowie der FC Huchting und der Blumenthaler SV ganz genau hinschauen. Denn diese Klubs kämpfen in den Halbfinal-Begegnungen des Bremen-Pokals, die nach jetzigem Stand am 15. und 16. August ausgetragen werden, um den Einzug ins Endspiel um die DFB-Pokal-Teilnahme.

FC Oberneuland ist der große Favorit

Vor Kurzem sorgte der FC Oberneuland neben dem Platz für Aufsehen, als der Verein mit Clemens Schoppenhauer einen erfahrenen Zweitliga-Spieler sowie Ex-Werderaner als Neuzugang präsentierte. Klar ist, man hat Großes vor beim FCO. In der vergangenen Spielzeit, die wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendet wurde, sicherte sich der Klub den Titel in der Bremen-Liga. Und nicht nur das: In der kommenden Saison treten die Oberneulander in der Regionalliga an. Folglich ist das Team von Trainer Kristian Arambasic der große Favorit im Rennen um den DFB-Pokal-Startplatz – zumal der FCO dort schon seine Erfahrungen gesammelt hat.

Ailton und Tim Wiese posieren vor dem VIP-Raum am Rande des Pokalspiels von Oberneuland.
Hatten trotz der 1:6-Niederlage des FCO im DFB-Pokal 2019/20 gegen den SV Darmstadt gute Laune: Ailton (links) und Tim Wiese. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Im vergangenen Jahr trafen die Oberneulander in der ersten Pokal-Runde auf den SV Darmstadt. Gegen den hessischen Zweitligisten war der damalige Bremen-Ligist chancenlos: Unter den Augen der Werder-Legenden Ailton und Tim Wiese unterlag der FCO mit 1:6 (0:3). Gut möglich, dass die Oberneulander auch in diesem Jahr wieder den Bremer Fußball-Verband im DFB-Pokal vertreten werden.

Halbfinal-Gegner des FCO ist der SC Borgfeld, der am 15. August Heimrecht genießt. Der Verein, für den Nationalspieler Julian Brandt als Kind auflief, stieg vor zwei Jahren erstmals in die Bremen-Liga auf. Nach einem zwölften Platz im Vorjahr beendete der Verein die letzte Spielzeit auf dem achten Rang. Topscorer des Teams war mit acht Treffern und sechs Vorlagen Kasim Uslu, der im offensiven Mittelfeld die Fäden zieht. Aufpassen sollte der FCO aber vor allem auf Uslus Mannschaftskollegen Christopher Taylor: Der Mittelstürmer erzielte in den letzten zwei Liga-Partien gegen die Oberneulander gleich vier Tore. Im direkten Vergleich lagen die Teams in der vergangenen Saison übrigens gleichauf: Während Borgfeld das Hinspiel mit 3:2 (2:1) gewann, entschied der FCO das Rückspiel ebenfalls mit 3:2 (2:1) für sich.

Huchting hofft auf nächste Pokal-Überraschung

Das Überraschungsteam unter den vier Halbfinalisten ist der FC Huchting. Der Landesligist, bei dem Ex-Nationalspieler Karim Bellarabi seine Fußball-Laufbahn startete, schaltete unter anderem in der Runde der letzten Acht den favorisierten ESC Geestemünde aus – und das sogar mehr als deutlich: Mit 5:2 (2:0) schoss der Außenseiter den Bremen-Ligisten ab, wobei vor allem Mittelfeldmann Constantin Luchita mit vier Torerfolgen überragte. Im Aufeinandertreffen mit dem Blumenthaler SV gehen die gastgebenden Huchtinger, die die Liga auf dem fünften Tabellenplatz abschlossen, logischerweise erneut als Underdog ins Rennen.

Der Druck liegt somit bei Blumenthal. Der Bremen-Ligist bringt es in seiner Vereinsgeschichte auf bereits acht Pokalsiege, wenngleich der letzte Erfolg mehr als 40 Jahre zurückliegt. Auf dem Weg zum neunten Pokalgewinn schaltete der Klub unter anderem in der zweiten Runde den Vorjahres-Finalisten Bremer SV aus. Beim 3:1-Erfolg nach Elfmeterschießen parierte sich BSV-Torhüter Jascha Tiemann zum Matchwinner, indem er gleich drei Schüsse abwehrte. In der Liga, in der Jonathan Bondombe-Simba mit 14 Treffern klubintern die meisten Tore erzielte, reichte es für den Verein aus Bremen-Nord, der vor allem offensiv zu überzeugen wusste, zum siebten Tabellenplatz. Auch wenn alles andere als ein Blumenthaler Weiterkommen eine Überraschung wäre: Nach der langen Corona-Pause fangen viele Teams wieder bei Null an. Zudem schreibt der Pokal bekanntlich seine eigenen Gesetze.

Zurück in Bremen: Clemens Schoppenhauer spielt beim FC Oberneuland

Video vom 17. Juli 2020
Clemens Schoppenhauer sitzt im Triko des FC Oberneuland auf einer Tribüne.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 27. Juli 2020, 18:06 Uhr