Interview

Bremens Landessportchef: "Der Sport kann die dritte Impfung sein"

Die geplanten Öffnungen im Bremer Breitensport sind überfällig, sagt Andreas Vroom. Der Präsident des Landessportbundes fordert zudem eine Nachjustierung der Corona-Notbremse.

Mehrere Kinder trainieren mit Bällen auf einem Fußballplatz.
Schon ab Montag könnte es erste Corona-Lockerungen im Bremer Breitensport geben. Bild: Imago | Shotshop
Herr Vroom, der Bremer Senat hat zeitnahe Corona-Lockerungen für Bremens Sportlerinnen und Sportler in Aussicht gestellt. Wie bewerten Sie die möglichen Öffnungsschritte?
Natürlich freuen wir uns über die Lockerungen. Was den Outdoorsport betrifft, sind Sie aber längst überfällig. Studien belegen schon seit langer Zeit, dass keine Ansteckungen erfolgen, wenn man sich etwa beim Fußball kurz anrempelt oder nebeneinander herläuft. Letztendlich hat uns aber die Corona-Notbremse den regionalen Handlungsspielraum genommen.
Inwiefern?
Die Erkenntnis, dass wir den Outdoorsport für die Bewegung der Bevölkerung und als soziales Ventil brauchen, ist schon lange bei der Sportsenatorin angekommen. Sie konnte sich im Senat aber nicht durchsetzen, sodass durch die Notbremse keine Chance mehr da war, auf regionale Bedürfnisse einzugehen.
Woran hapert es Ihrer Meinung nach also noch?
Wie gesagt, bei der Notbremse sehe ich deutlichen Nachbesserungsbedarf. Momentan ist es so, dass wir, sobald wir in den kommenden drei Tagen über eine 100er-Inzidenz kommen, wieder auf Null fallen. Ich wünsche mir aber, dass all das, was potenziell für den Outdoorsport in Aussicht gestellt wurde, unabhängig davon erhalten bleibt. Ebenso müssen wir die nächsten Schritte im Stufenlockerungsplan schneller in die Landesgrundlagen aufnehmen. Die Vereine, Sportlerinnen und Sportler müssen sich einfach frühzeitig auf mögliche Öffnungen einstellen können.
Wie haben die Vereine die vom Senat in Aussicht gestellten Lockerungen aufgenommen?
Das Bild ist sehr gemischt. Wir haben durch das zermürbende Auf und Ab leider mit einer gewissen Müdigkeit zu kämpfen. Alle Vereine haben Hygienekonzepte in der Schublade und sind auch grundsätzlich flexibel. Aber es stehen viele Fragen im Raum: Wer testet wen? Wer bezahlt was? Wie wird das organsiert? Insofern wird es schon Anstrengungen kosten. Viele brennen darauf, sich endlich zu bewegen und wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Andere müssen wir leider mühsam von der Playstation und vom Sofa wegholen. Sie wieder in die Sportvereine zu bringen, wird ein Kraftakt.
Was braucht es dafür?
Wir benötigen, und das sind die Spätfolgen der Pandemie, dringend mehr finanzielle Unterstützung. Sei es für Marketingkampagnen oder zur Stärkung des Ehrenamts, um die Trainerinnen und Trainer zurückholen – das wird eine große Herausforderung.
In einer Pressemitteilung haben Sie vor kurzem geschrieben, dass der Sport kein Problem der Pandemie, sondern Teil der Lösung sei. Was meinen Sie damit?
Wir sehen den organisierten Sport als Teil der Lösung, weil die Bewegung der Menschen – gerade in Gruppen und Sozialverbänden – ein wesentlicher Gesund- und Wohlfühlbestandteil ist. Ein gesunder Körper und Geist ist als dauernder Gesundheitsfaktor zu betrachten. Und das zum einen präventiv, denn wir haben dringenden Nachholbedarf für alle Altersgruppen, was gesunde Bewegung betrifft. Zum anderen aber auch im Sinne einer nachhaltigen Gesundheitsförderung. Der Sport kann die dritte Impfung sein.

Bremer Senat beschließt nächste Öffnungsschritte

Video vom 11. Mai 2021
Die Strandbar am Lankenauer Höft in Rablinghausen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Mai 2021, 19:30 Uhr