Auto-Sponsor ade: Werder-Profis zurück in ihren Luxus-Karossen

Werder verliert mit Volkswagen einen lukrativen Sponsor zur neuen Saison. Die Spieler freut's, sie dürfen nun wieder in ihren kostspieligen Flitzern zum Training fahren.

Der hellgrüne Lamborghini von Ex-Keeper Tim Wiese parkt vor dem Trainingsgelände des Bremer Weser-Stadions.
Nur zu Besuch: 2014 schaute Tim Wiese in seinem Lamborghini beim Werder-Training vorbei - ab jetzt dürfen die Profis ihre Schlitten auch wieder zum Weser-Stadion steuern. Bild: Imago | Nordphoto

Wirklich gerne sind die wenigsten Werder-Profis in ihren Dienstwagen unterwegs gewesen. Die tägliche Tour zum Training und zurück in einem Modell des Wolfsburger Autobauers, das war bei den Grün-Weißen seit 2008 Pflicht. Aber wenn man echte Kunstwerke der besten Automobilingenieure in der eigenen Garage stehen hat, sei es ein Ferrari, Lamborghini oder Porsche, dann ist es für einen hoch bezahlten Fußballprofi natürlich fast schon peinlich, in einem Jedermann-Auto gesichtet zu werden.

Doch Werder verstand beim Thema Dienstwagen keinen Spaß. Diego zum Beispiel versuchte es anfangs, in seiner Luxusmarke, die ebenfalls zum Wolfsburger Autokonzern gehört, das Training anzusteuern - vergebens. Thorsten Frings probierte es mit einem Trick und bretterte auf seiner Harley-Davidson zum Weser-Stadion - ging auch nicht.

Naldo steht auf dem Parkplatz vor dem Weser-Stadion neben seinem weißen Lamborghini.
Auch ein Faible für schicke Sportwagen: Naldo durfte seinen Lamborghini 2008 noch zum Training fahren. Bild: Imago | Fishing 4

Die meisten Werder-Profis wählten notgedrungen das SUV-Modell, um sich wohl einen Restanschein von Coolness zu bewahren. Doch viele ließen sich morgens von ihren Lebensgefährtinnen zum Training kutschieren, anschließend brausten die Damen davon – als Frauen-Auto gingen die Wagen in der Fußball-Welt wohl noch durch.

Werder Bremen verliert 1,3 Millionen Euro

Boubacar Sanogo parkt seinen schwarzen Maserati vor dem Weser-Stadion.
2008 noch erlaubt: Boubacar Sanogo fuhr in seinem Maserati zum Werder-Training. Bild: Imago | Fishing 4

Manche Werder-Spieler waren aber auch gänzlich uneitel, wie beispielsweise Per Mertesacker. Mit seinen knapp zwei Metern Körperlänge entschied sich der ehemalige Nationalspieler für das Kleinwagenmodell, schob den Fahrersitz bis zum Anschlag nach hinten und zwängte sich zufrieden rein. "Wieso auch nicht?", meinte Mertesacker damals: "Ich fahre damit doch nur zum Training - warum soll ich mir da das dicke Modell aussuchen?" Das leidige Thema hat sich nun jedoch erledigt, denn Werders Vertrag mit Volkswagen ist Ende Juni ausgelaufen. Den Bremern geht damit eine Summe von geschätzten 1,3 Millionen Euro verloren - ein herber Schlag in finanziell ohnehin schwierigen Zeiten.

Lamine Sane posiert neben seinem schwarzen Ferrari auf dem Parkplatz vor dem Weser-Stadion
Kümmerte sich 2017 mal nicht um die Dienstwagenregelung: Lamine Sané kam im Ferrari - und entging einer Geldstrafe. Bild: Imago | Nordphoto

Dabei hatte man sich mit dem Autokonzern zum Jahresbeginn eigentlich auf eine Verlängerung der Zusammenarbeit verständigt, doch dann kam die Corona-Krise und der Konzern zog sich als Sponsor zurück. Wie der "Weser-Kurier" und die "Deichstube" berichten, steht Werder in Verhandlung mit einem anderen Automobilhersteller. Doch dessen Engagement sei deutlich weniger lukrativ und Dienstwagen werde es so oder so bei Werder nicht mehr geben.

Zuletzt hatte der Verein ohnehin Kritik für die wenig umweltfreundliche Autoflotte kassiert, die kaum in das von Werder promotete "grüne Konzept" passte. Das dürften die Luxus-Karossen der Spieler wohl auch nicht, doch nun haben sie wieder freie Fahrt und können ungeniert ihre teuren Spielzeuge durch die Gegend fahren. Und auf dem Parkplatz vor dem Weser-Stadion ist dann nach zwölf Jahren wieder deutlicher erkennbar, wer die Topverdiener und wer die Ersatzspieler im Verein sind. Ob das so gut ist, sei dahingestellt.

Rückblitz: Als Naldo vor 15 Jahren nach Bremen kam

Video vom 29. Juli 2020
Der ehemalige Werde Bremen Profi Naldo Lang gibt zahlreichen Kindern Autogramme.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 30. Juli 2020, 18:06 Uhr