Stillstand auf dem Transfermarkt: Werder wird seine Spieler nicht los

Werder muss etliche Spieler von der Gehaltsliste bekommen. Das Problem ist nur: So geht es vielen Bundesligisten auch. Und niemand kann kaufen, bevor er verkauft hat.

Clemens Fritz telefoniert leicht gelangweilt auf dem Trainingsplatz, Frank Baumann steht mit Händen in den Hosentaschen neben ihm.
Müssen Werders Kader für die neue Saison zusammenstellen: Scouting-Chef Clemens Fritz (links) und der Geschäftsführer Sport Frank Baumann. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für Florian Kohfeldt war der Plan nach der Last-Minute-Rettung sofort klar. Einfach irgendwo hin mit Sonne, Strand und niemandem, der ihn erkennt. "Nichts sehen, nichts hören, Handy abgeben - genießen", meinte der Werder-Coach nach der Relegation, bevor er abdüste. Doch für Frank Baumann ist Kohfeldt sicherlich auch in seinem Urlaubsparadies jederzeit erreichbar, so ist es immer. Aber momentan dürfte es für den Sportchef und den Trainer sehr wenig geben, was sie dringend besprechen müssten. Denn auf dem Transfermarkt tut sich gerade nichts. Überhaupt nichts.

Einerseits, weil der Spielbetrieb in vielen europäischen Ligen noch läuft. Andererseits, weil im Grunde alle Vereine – Werder eingeschlossen –ein großes Problem vereint: Sie müssen unbedingt jede Menge Spieler von ihren Gehaltslisten kriegen. Durch die Corona-Krise sind nicht nur die Bremer in finanzielle Schieflage geraten und so gilt für die meisten Vereine: erst verkaufen, dann neu kaufen. Im Falle von Werder ist das nun aber besonders schwierig, denn für die zwei bis drei Stammspieler, die man verkaufen muss, um andere Ausgaben zu refinanzieren, gibt es bisher nur ein Angebot für Milot Rashica. Und das ist den Bremern viel zu niedrig, die weit über 20 Millionen für den Kosovaren möchten. Das will zumindest RB Leipzig aber nicht zahlen.

Bewegung erst in zwei bis drei Wochen?

Milot Rashica legt mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken und streckt beide Zeigefinger nach oben.
Werders Goldjunge: Milot Rashica sollte eigentlich 35 Millionen Euro einbringen. Nun wird es schwer, sogar 20 Millionen Euro für ihn zu bekommen. Bild: Joachim Sielski/Sielski-Press/Pool/gumzmedia/nordphoto

Erschwerend kommt hinzu, dass Werder nicht nur Premiumspieler wie Rashica anbieten, sondern auch einen ganzen Schwung aus der dritten Garde, deutlich gesagt, loswerden muss. Allein acht Leihspieler, inklusive Martin Harnik, haben bei den Bremern keine Zukunft mehr, sind aber auch so nicht wirklich gefragt. Die Konkurrenz aus der Bundesliga hat selbst genug dieser Spieler, die mehr kosten als nutzen. Beispielsweise hat der FC Augsburg mit 39 Profis den aufgeblähtesten Kader der Bundesliga und will ihn nach Informationen des "Kicker" auf 30 Spieler reduzieren. Sogar Profis mit laufenden Verträgen wird nun wohl mitunter nahegelegt, sich andere Vereine zu suchen. Es sind Corona-Zeiten, viel wert sind unterschriebene Papiere derzeit offenbar nicht. Viele Spieler müssen um ihre Existenz bangen. Und die Vereine bangen um ihre Liquidität.

Aber passieren tut bisher wenig. Baumann und Co. hängen in der Warteschleife, vermutlich wird erst in zwei bis drei Wochen etwas Bewegung in den Transfermarkt kommen. Doch leicht wird dieser Kampf um Verstärkungen für Werder nicht. Im Gegenteil, Baumann steht vor der größten Herausforderung seiner Amtszeit. Niemand weiß, was das erste Transferfenster der Corona-Krise bringen wird, wie sie sich auswirkt. Viel Positives erwartet kaum jemand. Dabei wären viele Spieler jetzt sogar ablösefrei zu haben - aber so lange nicht vorher eigene Spieler veräußert wurden, geht eben nichts. Der Großteil der Bundesliga-Manager kann nicht viel mehr tun, als abzuwarten und das Beste zu hoffen.

Werder-Profis günstig abzugeben

Video vom 13. Juli 2020
Mehrere Karten, auf denen die aktuellen Spieler von Werder Bremen gedruckt sind.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 13. Juli 2020, 18:06 Uhr