Werders Neustart – aber ohne tabula rasa

Es geht wieder los bei Werder. Und obwohl in der vergangenen Saison sehr viel schief lief, halten sich die Veränderungen beim Trainingsauftakt noch in Grenzen.

Werder-Profis kommen gemeinsam mit entspannter Laune zum Trainingsplatz.
Entspannte Stimmung beim Auftakt: 26 Werder-Profis kamen am Mittwoch zum ersten Mannschaftstraining - die Bremer Kaderplanung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Fünf Minuten hatten sie sich verspätet, dann betraten die 26 Werder-Profis am Mittwochnachmittag einen der abgelegenen Trainingsplätze am Weser-Stadion. Mittendrin zwischen einigen neuen und vor allem jungen Gesichtern auch Trainer Florian Kohfeldt mit entspanntem, breiten Lächeln.

Die "Nahtoderfahrung", wie Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald Werders Fast-Abstieg bezeichnete, hat Kohfeldt offensichtlich gut weggesteckt. Die Kritik, den Dauer-Druck, den Negativstrudel, all das hatte der Trainer in seiner bisher schwierigsten Saison überstanden und beim familiären Strandurlaub den Akku wieder aufgeladen.

Ich bin voller Energie. Eine gewisse Zeit war ich froh, dass ich keinen mehr gesehen habe. Aber jetzt bin ich voll da, ich freue mich. Anzeichen von Müdigkeit stelle ich auch nicht fest. Es war sehr schön am Strand, aber jetzt auch wieder sehr schön, hier zu sein.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Altgediente sind weg, neue Gesichter da

Florian Kohfeldt zeigt auf dem Trainingsplatz Neuzugang Patrick Erras etwas in der Ferne mit ausgestrecktem linken Arm.
Den Neuen den Weg weisen: Trainer Florian Kohfeldt (links) mit Neuzugang Patrick Erras. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Tabula rasa will Kohfeldt nun jedoch nicht machen, es war schließlich "nicht alles katastrophal", so der 37 Jahre junge Coach, und er habe ja viel an Erfahrung hinzugewonnen. Zu dieser Erkenntnis gehörte auch, dass man im Eifer der guten Saison zuvor im vergangenen Sommer zu viel in der Vorbereitung versucht hatte. Ob man den ein oder anderen Spieler physisch überfordert hatte, stellte Werder zumindest in den Bereich des Möglichen. Einen Zusammenhang zu den eklatant vielen Verletzungen im Verlauf der Saison wollte man aber keinesfalls ziehen.

So oder so, einen Fitnessblock nimmt Kohfeldt in Vergleich zur letzten Vorbereitung dieses Mal raus; begann nach den Leistungstests zum Wochenstart am Mittwoch nun direkt mit "fußballspezifischem Training", sprich: "Wir gehen raus auf dem Platz", so Kohfeldt. Und da standen die 26 Profis nun also versammelt, obwohl Werders Kaderplanung noch längst nicht abgeschlossen ist. Doch schon jetzt hat die Mannschaft ein anderes, verjüngtes Gesicht. Altgediente wie Claudio Pizarro, Philipp Bargfrede, Sebastian Langkamp oder Fin Bartels sind weg. Dafür sind die Neuzugänge Patrick Erras (1. FC Nürnberg), Felix Agu (VfL Osnabrück) und Romano Schmid (Wolfsberger AC) hinzugekommen. Auch in Kohfeldts Trainerteam gab es Änderungen: Von Thomas Horsch und Ilia Gruev trennte man sich, Danijel Zenkovic kommt neu hinzu.

Woche der Eingewöhnung

Und die Neuen sollen sich in dieser Woche vor allem erst einmal eingewöhnen, auch der Rest des Kaders soll "wieder reinkommen", bevor es richtig ernst wird. Damit Neuzugänge zunächst das Grundverständnis des Werder-Spiels unter Kohfeldt näher gebracht bekommen, die "unverrückbaren Leitplanken, in denen wir uns bewegen", wie es der Trainer nannte.

Für uns wird die erste Woche eine Woche der Gewöhnung sein. Da werden wir einmal alle Phasen des Spiels durchsprechen, das ist gerade für die Neuzugänge sehr wichtig. Damit sie wissen: Wie spielen wir gegen den Ball? Wie spielen wir, wenn wir den Ball verlieren? Wie, wenn wir den Ball gewinnen?

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Danach will Kohfeldt dann einzelne Schwerpunkte in den Einheiten setzen, besonders im Trainingslager im Zillertal: Das Toreschießen, das aggressive Verteidigen, die Konterabsicherung. Damit sind die Werder-Profis zur Genüge beschäftigt und auch der Trainer dürfte inständig hoffen, dass seine Botschaften dieses Mal besser zu seinen Spielern durchdringen. Denn ansonsten dürfte die Kritik an ihm schnell wieder lauter werden. Doch derzeit hat Kohfeldt weiterhin das Sagen, und so begann er das erste Training der neuen Saison mit einem klaren: "Es geht los!" Wohin es gehen wird, muss sich aber noch zeigen.

Werders Neuer stellt sich vor: Das ist Patrick Erras

Video vom 5. August 2020
Frank Baumann und Patrick Erras posieren mit dem Trikot des Neuzugangs in Händen nebeneinander.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mehr zum Thema:

Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. August 2020, 18:06 Uhr