Negativtrend, Druck und viel Kritik: Werder will nicht abrutschen

Nach sechs Spielen ohne Sieg ist Werder gegen Aufsteiger Stuttgart am Sonntag gefordert. Doch Ausfälle und Unruhe von außen machen die Vorbereitung nicht leichter.

Florian Kohfeldt hält sich während des Trainings die Hände vors Gesicht.
Nur nicht verzweifeln: Nach sechs Spielen ohne Sieg steht Werder-Coach Florian Kohfeldt gegen Stuttgart unter Druck. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Für die Power-Wochen bis Weihnachten ist Florian Kohfeldt gewappnet – zumindest im Privatleben. "Ich habe schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft, denn da werde ich nicht mehr zu kommen bis dahin", sagte der Werder-Trainer angesichts von noch fünf Pflichtspielen bis Heiligabend. Den Auftakt in die intensive Phase zum Jahresabschluss macht für seine Mannschaft das Duell mit dem VfB Stuttgart am Sonntag um 15:30 Uhr. Angesichts von zuletzt sechs Partien nacheinander ohne Sieg weiß Kohfeldt vor dem Spiel gegen den Aufsteiger: "Natürlich ist da ein bisschen Druck drauf."

Werder und Stuttgart liegen gleich auf, haben jeweils zwei Siege, fünf Remis und zwei Niederlagen auf dem Konto. Die Schwaben stehen nur aufgrund der besseren Tordifferenz als Tabellenzehnter einen Platz vor Werder. Nach den negativen Erfahrungen der Vorsaison, die fast mit dem Abstieg geendet hätte, weiß man in Bremen um die Eigendynamik eines Negativlaufs. Allerdings wirkt Werder trotz des etwas wilden 3:5 am vergangenen Spieltag in Wolfsburg deutlich gefestigter als in der vergangenen Saison.

Damals haben wir erst Spieler verloren, dann Spiele und dann unser Saisonziel. Es hat gedauert, bis wir uns zurückgekämpft hatten. Davon kann in diesem Jahr keine Rede sein. Wir werden sehr aktiv und aggressiv sein, um da nicht wieder reinzurutschen, wo wir nicht mehr hin wollen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Sorge vor erneutem Werder-Absturz? Kohfeldt winkt ab

Video vom 5. Dezember 2020
Florian Kohfeldt lächelt bei einer Pressekonferenz von Werder Bremen.
Bild: Radio Bremen

Millionen-Kredit nimmt den Druck bei Rashica-Verkauf

Insgesamt hat der Coach in dieser Spielzeit bislang deutlich weniger personelle Sorgen als in der vergangenen Saison. Gegen den bislang guten VfB muss Kohfeldt allerdings auf vier Stammspieler verzichten: Kevin Möhwald (Gelb-Rot) und Jean-Manuel Mbom (fünfte Gelbe Karte) fehlen gesperrt. Mit Milot Rashica und Niclas Füllkrug fallen zudem zwei wichtige Offensivkräfte aus.

Rashica verletzte sich am Dienstag am Oberschenkel und fehlt womöglich bis Ende Januar 2021. Seine Zwangspause trifft Werder sportlich und verringert zudem die Chancen, den 24-Jährigen im Winter für viel Geld zu verkaufen. Geld, das Werder dringend gebrauchen könnte, auch wenn der SVW am Freitag bekanntgab, die Zusage für Kredite in Höhe von 20 Millionen Euro zum Auffangen coronabedingter finanzieller Ausfälle erhalten zu haben. Die Kredite werden von einem lokalen Bankenkonsortium gewährt und sind durch eine Landesbürgschaft abgesichert. "Damit ist die Liquidität der Grün-Weißen für die laufende Spielzeit im Wesentlichen gesichert", hieß es vom Verein.

Wontorras Kritik an Werder sorgt für Unruhe

Neben den Verletzungen und der sportlichen Lage sorgte eine "Gruppe besorgter Vereinsmitglieder" mit Kritik an der Bremer Klubführung zuletzt für Schlagzeilen. Am Freitag bestätigte Fernsehjournalist Jörg Wontorra seine von dieser Gruppe unterstützte Kandidatur für den Aufsichtsrat bei den Grün-Weißen. Wontorra wiederholte am Freitagabend im Sportblitz seine harsche Kritik an der Bremer Geschäftsführung um Hubertus Hess-Grunewald und Klaus Filbry, der er fehlende Kompetenz unterstellt.

Sportchef Frank Baumann reagierte prompt mit klaren Worten. Die Kritik an der Geschäftsführung sei "an den Haaren herbeigezogen", sagte er. "Es ist schwer, wenn sich Außenstehende, die keinen Einblick in die Interna haben, dementsprechend äußern." Und gemeldet habe sich Wontorra in den letzten zwei Jahren nur, um "Freikarten für den VIP-Bereich" zu bekommen. Wontorras Konter im "Weser-Kurier": "Und weil er mir ja mal Freikarten geschenkt hat, bin ich dran: Kaffee und ein Fläschchen Wein gehen auf meine Rechnung."

Wontorra zu seiner Kandidatur bei Werder: "Es gibt keine Verschwörung"

Video vom 4. Dezember 2020
Moderator Ludwig Evertz im Sportblitz- Studio, der ein Skype- Interview mit Jörg Wontorra hält.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Dezember 2020, 18:06 Uhr