Matchwinner Füllkrug bleibt Werders Wackelkandidat

Gegen Schalke schoß Niclas Füllkrug Werder im Alleingang zum 3:1-Sieg. Doch seinen Stammplatz in Kohfeldts Elf hat sich der Stürmer damit trotzdem nicht gesichert.

Video vom 27. September 2020
Niclas Füllkrug strahlt während eines Fernsehinterviews mit dem Sportblitz.
Bild: Radio Bremen

Den Spielball, den hatte sich Niclas Füllkrug gemopst, als alles vorbei war. Jenen Ball, mit dem er am Samstagabend alle drei Treffer für Werder Bremen im Schalker Tor versenkt hatte. Jenen Ball, der nun neben den anderen vier gemopsten Bällen bei ihm zu Hause einen besonderen Platz bekommen wird. "Es ist ja nicht mein erster Hattrick-Ball", meinte Füllkrug mit einem Augenzwinkern bei Sky: "Der kommt jetzt auch in meine Vitrine."

Zum fünften Mal in seiner Profi-Karriere waren dem 27-Jährigen drei Tore in einem Spiel gelungen, doch erst zum zweiten Mal in der Bundesliga. Das hatte Füllkrug zuvor nur im Januar 2018 geschafft, beim 3:2-Sieg seiner Hannoveraner gegen Mainz 05. Nun war der Stürmer also der Mann des Abends auf Schalke geworden, der Matchwinner, der Werder quasi im Alleingang mit dem 3:1-Erfolg vorerst aus der Krise befördert hatte. Und der damit kräftig Werbung in eigener Sache gemacht haben dürfte, nachdem er beim Saisonauftakt gegen die Hertha nur als Joker ins Spiel gekommen war.

Füllkrug ist noch nicht völlig fit

Niclas Füllkrug klatscht strahlend nach dem Sieg auf Schalke mit Trainer Florian Kohfeldt ab.
Dank für den Startelf-Platz: Niclas Füllkrug (rechts) mit Werder-Coach Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Natürlich war ich da enttäuscht", meinte Füllkrug: "Aber so ein bisschen Wut im Bauch zu haben, ist ja nicht immer schlecht, um eine gute Leistung abzurufen." Die Trotzreaktion hatte sich Trainer Florian Kohfeldt nach dem schwachen Auftritt seiner Mannschaft von ihr auch erwartet - und Füllkrug hatte geliefert. Doch dessen Hoffnung bremste der Coach direkt wieder ein. "Es ist noch kein Automatismus, dass er nächste Woche wieder Startelf spielt und wieder und wieder und wieder", betonte Kohfeldt in der Pressekonferenz.

Und Füllkrug hatte den entscheidenden Satz ja selbst nach dem Spiel bei Sky gesagt, als man ihm seine tolle Statistik von sieben Toren in den letzten neun Spielen vorlegte: "Na ja, da lagen ja auch zehn Monate Verletzung dazwischen." Der Kreuzbandriss, seine vierte, schwere Knieverletzung. Sie ist der Grund, dass Kohfeldt Füllkrugs Enthusiasmus und Einsatzwillen immer noch einbremst.

Wir müssen weiterhin geduldig bleiben. Das Allerwichtigste ist, dass wir Niclas konstant über die Saison bringen. Aber ich warne nochmal: Niclas hat nach 65 Minuten um die Auswechslung gebeten, und das macht er nicht ohne Grund.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der Pressekonferenz

"Es war eine Bauchentscheidung"

Er habe unter der Woche viel mit Füllkrug geredet, erklärte Kohfeldt, der den Stürmer schon trainiert hatte, als der erst 13 Jahre alt war. Sie haben ein enges, vertrautes Verhältnis und vermutlich spürt Kohfeldt seine Fürsorgepflicht als Trainer bei Füllkrug noch einen Tick stärker als bei anderen.

Einen erneuten Verletzungsrückfall will Kohfeldt auf keinen Fall riskieren, doch in diesem Fall passte Füllkrug für ihn etwas besser als Spielertyp zu Schalke als Stürmer-Konkurrent Davie Selke. Also riskierte Kohfeldt den Einsatz in der Startelf und wurde belohnt. Für das kommenden Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ist Matchwinner Füllkrug aber wieder Wackelkandidat.

Ausschlaggebend war, dass Niclas heute sagte, dass er sich bereit fühlt. Und dann habe ich es entschieden. Es war eine Bauchentscheidung, bei der ich ausnahmsweise mal Glück gehabt habe.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der Pressekonferenz

Füllkrug macht im Werder-Training auf Trotzkopf

Video vom 18. August 2020
Niclas Füllkrug steht mit verschränkten Armen und mit einigen Metern Abstand hinter Florian Kohfeldt beim Pressegespräch.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 27. September 2020, 19:30 Uhr