Werders realistisches Ziel heißt jetzt Relegation

War es das für Werder? Nach über neun Monaten ohne Heimsieg verlor man 0:1 gegen Wolfsburg. Die Spiele werden immer weniger, aber Kohfeldt glaubt noch an die Rettung.

Florian Kohfeldt schaut nachdenklich und vom Regen durchnässt an der Seitenlinie nach oben.
Frustrierender Nachmittag: Werder-Coach musste die elfte Heimniederlage der Saison gegen Wolfsburg mitansehen. Bild: Imago | Poolfoto

Und dann öffnete der Himmel über dem Weser-Stadion seine Schleusen, so als wäre es für Werder Bremen nicht schon schlimm genug. Eine halbe Stunde lang Sintflut von oben und matschiger Rasen von unten, und das in der wichtigen Schlussphase in diesem noch wichtigeren Spiel gegen Wolfsburg.

Aber es lag nicht am Wolkenbruch, dass Werder in der Schlussphase den 17. Gegentreffer per Kopfball kassierte. Gut mitgehalten, anständig verteidigt, einmal nicht aufgepasst und selbst wieder nicht getroffen – das fasst die Bremer Misere am 30. Spieltag zusammen.

Enttäuscht, aber weiter kämpferisch

Niklas Moisander mit konsternierten Blick auf dem Spielfeld.
Bild: gumzmedia/nordphoto/Pool

Als die Werder-Spieler am Sonntagmittag vom Feld schlichen, klatschnass und kalt erwischt, da hätten sie allesamt das Bild vom begossenen Pudel kaum besser darstellen können. Platz 17, immer noch 25 Punkte, drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und nur noch vier Spiele. "Es wird immer schlimmer. Wenn wir nicht gewinnen, wird es immer schwerer, die Klasse zu halten", resümierte Davy Klaassen. Und auch der patschnasse Trainer Florian Kohfeldt sagte: "Natürlich ist die Enttäuschung nach dieser Niederlage groß."

Doch trockengelegt war kurz darauf der Bremer Kampfgeist wieder zurück. "Ich glaube immer noch daran", betonte Klaassen und Kapitän Niklas Moisander fügte hinzu: "Wir geben alles bis zum Ende." Kohfeldt hatte nach dem Spiel in der Kabine wohl den richtigen Ton getroffen: aufgeben gilt nicht.

Rang 15 ist bereits 6 Punkte entfernt

"Ich gehe da voran", sagte Kohfeldt danach in der virtuellen Pressekonferenz, "und ich denke, vor der Mannschaft eben war meine kämpferische Haltung wieder da. Wir werden uns schütteln und dann werden wir kämpfen. Die Mannschaft war alles andere als tot, sie hat sich nicht ergeben und glaubt noch. Es ist auf jeden Fall noch möglich." Doch alles scheint nach der elften Heimniederlage eben nicht mehr möglich. Rang 15, der erste direkte Nicht-Abstiegsplatz, ist bereits sechs Punkte entfernt. Realistisch ist wohl nur noch der Relegationsplatz.

Wir kämpfen um diesen Relegationsplatz, das ist unser erstes Ziel. Und wenn wir dann über die Relegation kommen, haben wir noch zwei Chancen. Das heißt: Aufgeben gilt auf gar keinen Fall. Auch bei aller Enttäuschung heute nicht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Blick auf die Tabelle macht Kohfeldt Mut – ausdrücklich

Torwart Jiri Pavlenka und seine Abwehrspieler können nur zuschauen, wie der Ball ins Netz geht.
Einmal nicht aufgepasst: In der 82. Minute fügte Wout Weghorst Werder das 17. Kopfball-Gegentor der Saison zu. Bild: Imago | Poolfoto

Kohfeldt betonte, dass ihm der Blick auf die Tabelle ausdrücklich Mut mache, schließlich betrage der Rückstand auf Rang 16 nicht "sieben oder acht Punkte", sondern nur drei. Allerdings auch mit schlechterem Torverhältnis, "das muss man klar mit reinrechnen", so der Werder-Coach, "da müssen wir realistisch sein". So realistisch wie der Blick auf die Rettungsszenarien.

Rein rechnerisch ist der Klassenerhalt für Werder noch möglich, allerdings nicht, wenn der Mannschaft immer die gleichen Fehler unterlaufen. Die Partie am Samstag gegen Schlusslicht Paderborn wird daher richtungsweisend. "Nach Paderborn schauen wir, wie die Tabelle aussieht", meinte Kohfeldt.

Kohfeldt: "Wir müssen punkten"

Doch von den drei Partien bleibt dann nur doch jene gegen Mainz als direktes Duell. Und gegen Bayern geht es wohl nur darum, das Torverhältnis nicht noch weiter ausufern zu lassen. Vier Spiele, ein Ziel. Das Ziel, zumindest die Relegation zu erreichen. Realismus ist das Gebot der Stunde für Werder.

Den Restspielplan der Anderen will ich gar nicht bewerten. Wir haben mit Sicherheit ein unglaublich schweres Spiel da noch drin. Aber damit beschäftige ich mich erst, wenn wir gegen Paderborn gespielt haben. Die haben gestern unentschieden gegen Leipzig gespielt, die werden brennen und richtig Alarm machen. Aber wir müssen punkten, sonst müssen wir über gar keinen Gegner mehr reden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Werder-Sportchef Baumann exklusiv: "Spiel ist Spiegelbild der Saison"

Video vom 7. Juni 2020
Werder-Sportchef Frank Baumann im Gespräch.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 7. Juni 2020, 19:30 Uhr