Werder Bremen: Mit Tacheles gegen das Heimtrauma

Werders Bilanz im Weser-Stadion ist verheerend schlecht, nach der Pleite gegen Frankfurt geigten sich die Profis die Meinung. Hilft das fürs Heimspiel gegen Wolfsburg?

Florian Kohfeldt brüllt beim Geisterspiel im Weser-Stadion von der Seitenlinie.
Kohfeldt im Wachrüttel-Modus: Der Werder-Coach hofft, dass die Aussprache seiner Spieler nach der Frankfurt-Pleite die Köpfe freigemacht hat. Bild: Imago | Poolfoto

Eintracht-Trainer Adi Hütter war es am Mittwochabend zu viel geworden, dieses dauernde Reinbrüllen, Aufspringen und Radaumachen der Werder-Betreuer und Ersatzspieler. Aber genützt hatte es den Bremern überhaupt nichts.

Denn selbst dieser Krach, der durch das leere Weser-Stadion echote, konnte die Spieler auf dem Rasen nicht aufwecken. Die Werder-Profis spielten in der zweiten Halbzeit im kollektiven Tiefschlaf, schlafmützig in der Verteidigung, bei hohen Bällen, bei der Zuordnung. So spielt ein Absteiger.

Nachsitzen und Tacheles reden

Werder-Spieler trotten mit teils gesenkten Köpfen zum Trainingsplatz.
Sehr viel Energie und Optimismus versprühten die Werder-Profis am Donnerstag noch nicht - bis Sonntag bleibt ja noch Zeit. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dabei war die Partie gegen Frankfurt eine Stunde lang völlig offen gewesen, aber dann kassierte Werder zack-zack-zack drei Gegentore. "Unerklärlich" sei dieser Einbruch für seine Spieler gewesen, berichtete Trainer Florian Kohfeldt hinterher. Doch das konnte er so nicht stehen lassen. Unerklärlich gibt es nicht. Nicht jetzt, nicht, wenn Werder das Wasser bis zum Hals steht. Nicht mit zwei Punkten Rückstand auf Platz 16, nicht mit nur noch fünf Spielen, nicht mit direkt dem nächsten Heimspiel am Sonntag gegen Wolfsburg (13:30 Uhr).

Es musste eine Erklärung her für das Unerklärliche und das sofort. Also tat Kohfeldt das, was jeder Lehrer nach so einer Leistung auch getan hätte: Er verordnete Nachsitzen. Doch seine Spieler sollten nicht einfach die Zeit in der Kabine abbrummen, sie sollten Tacheles reden.

Ich habe gesagt, dass sie sich die Meinung sagen müssen und jetzt nicht jeder einzeln nach Hause fahren soll. Die Spieler waren länger im Stadion als sonst, und das ist auch gut so.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

14 Heimspiele, nur sechs Punkte

Aber ob die Werder-Spieler einen Erklärungsansatz fanden, ob die Luft gereinigt und frischer Kampfgeist dabei geweckt wurde, ist bisher nicht überliefert. Die Antwort wird wohl erst am Sonntag zu sehen sein, genauso wie jene auf die Frage, ob sie die Furcht vor dem eigenen Stadion endlich in den Griff bekommen haben. Die verheerend-schlechte Bilanz im Weser-Stadion hat sich mittlerweile zu einem echten Heimtrauma ausgewachsen.

14 Spiele, sechs Punkte - Werder liegt in der Heimtabelle der Bundesliga auf dem letzten Platz. Das 0:3 gegen Eintracht Frankfurt war bereits die zehnte Liga-Niederlage im Weser-Stadion in dieser Saison. Und dabei spielt es offensichtlich auch gar keine Rolle, ob mit oder ohne Zuschauern gespielt wird. Die Bremer haben einen Heimkomplex, seit zwölf Spielen sind sie im eigenen Stadion sieglos - das ist Vereinsnegativrekord. Und da klingt es mittlerweile wie ein Nachteil, dass Werder bei drei der fünf ausstehenden Partien zu Hause antreten darf oder eher muss.

Es ist noch nichts vorbei, wir müssen ruhig bleiben, noch ist alles möglich für uns. Es ist klar, wir müssen unsere Heimspiele gewinnen.

Werder-Kapitän Niklas Moisander

Kohfeldt zumindest hatte nach dem Abpfiff am Mittwochabend noch keine Antwort darauf, wie Werder sein Heimtrauma bewältigen könnte und woran es überhaupt hakt. Der Coach reagierte leicht genervt auf die Frage, vermutlich, weil auch er genau weiß, dass er schnellstens eine Lösung finden muss.

Die Analyse: Werder und die extreme Heimschwäche

Video vom 4. Juni 2020
Stephan Schiffner im Studiogespräch

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Juni 2020, 18:06 Uhr