Bosz, Wagner – Labbadia? Kohfeldt fühlt sich unwohl als "Job-Killer"

Wenn der Trainer-Stuhl wackelt, sind Spiele gegen den Werder-Coach schon mal das Ende des Jobs. Kohfeldt selbst gefällt dieser "Rekord" vor dem Hertha-Spiel gar nicht.

Die Trainer Florian Kohfeldt und Bruno Labbadia stehen vor dem Spiel eng zusammen und unterhalten sich.
Lange her: Im März 2019 begegneten sich Werder-Coach Florian Kohfeldt (links) und Bruno Labbadia damals in Wolfsburg. Nun könnte Kohfeldt für ihn bei der Hertha Schicksal spielen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Bruno Labbadia weht in diesen Tagen ordentlicher Gegenwind um die Nase, und es ist gut möglich, dass mit einem schwachen Auftritt seiner Hertha am Samstagabend gegen Werder seine Trainerarbeit beim Berliner Klub beendet ist.

Es ist unangenehm. Es ist nie schön, wenn ein Trainer-Kollege gehen muss. Nie. Es ist aber auch nie die Verantwortung des Gegenübers, sondern die des eigenen Klubs.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Für Florian Kohfeldt ist diese Situation nicht neu, also als Trainer auf der Gegenseite zu stehen und einem Kollegen quasi den sportlichen Todesstoß zu versetzen. Das war bereits bei Dortmunds Coach Peter Bosz so im Dezember 2017 nach einer 1:2-Niederlage und auch für David Wagner war im September 2020 nach einer 1:3-Pleite gegen Werder für ihn auf Schalke Schluss. Bei Lucien Favre kam es in Dortmund im vergangenen Dezember zwei Tage vor dem Werder-Spiel zur Entlassung.

"Wünsche Bruno, dass er lange im Amt bleibt"

Werder-Trainer steht nachdenklich mit den Händen in den Taschen auf dem Trainingsplatz und schaut nach oben.
Oftmals alleine im Fokus: Werder-Coach Florian Kohfeldt weiß, wie man als Bundesliga-Trainer unter Druck geraten kann. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nicht direkt im Anschluss an das Spiel gegen Werder, sondern erst einen Monat danach während der Corona-Pause, war dann auch für Alexander Nouri im April 2020 bei der Hertha Schluss. Diese Serie binnen kaum vier Jahren Amtszeit brachte Kohfeldt in der "Bild"-Zeitung den Titel "Job-Killer" ein, sehr zum Unmut des Werder-Coaches. "Ich fand die Schlagzeile, die ich durchaus gelesen habe, eher als befremdlich und distanziere mich davon", sagte der 38-Jährige am Freitag: "Das ist nicht meine Verantwortung."

Mit Labbadia, der mit der Hertha auf Platz 14 und damit direkt hinter Werder rangiert, kann Kohfeldt mitfühlen. Auch er stand im vergangenen Jahr während des Beinahe-Abstiegs ziemlich unter Beschuss, dufte aber weitermachen. In Berlin stehen die Zeichen eher nicht darauf, dass Labbadia noch länger Schonfrist bekommt. Kohfeldt jedenfalls bedauert das.

Ich wünsche Bruno, dass er seine Arbeit lange fortsetzen kann. Er hat bei allen Stationen gezeigt, dass er Dinge entwickeln kann. Dass es in der Regel mit ihm besser war, als vorher und manchmal auch danach. Deshalb wünsche ich ihm, dass er sehr lange im Amt bleibt.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Werders Gegner Hertha steckt in der Krise

Video vom 21. Januar 2021
Hertha-Trainer Bruno Labbadia schreit verärgert an der Seitenlinie.
Bild: Imago | Contrast

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Januar 2021, 18:06 Uhr