Werder-Wahnsinn! Bremen ballert sich mit 6:1-Sieg in die Relegation

Die Chance auf Rettung war minimal - aber Werder hat sie genutzt. Da Düsseldorf parallel mit 0:3 gegen Union unterlag, haben die Bremer den Abstieg vorerst verhindert.

Milot Rashica umarmt Torschütze Joshua Sargent.
Jubel, der sechste: Milot Rashica (links) umarmt den Torschützen Joshua Sargent. Bild: gumzmedia/nordphoto/Pool

Wahnsinn im Weser-Stadion: Werder Bremen hat mit einem Gala-Auftritt den zweiten Abstieg nach 1980 vorerst verhindert. Das Team von Trainer Florian Kohfeldt rettete sich mit einem 6:1 (3:0) gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga noch auf Relegationsplatz 16 – und schaffte Teil eins des möglichen nächsten Wunders von der Weser. Ein Patzer von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin machte die späte Punktlandung im Kampf um den Klassenerhalt noch möglich.

Kohfeldt und Co. erhalten somit die Chance, in K.o.-Spielen gegen den 1. FC Heidenheim oder den Hamburger SV den Absturz am Ende einer katastrophalen Saison noch zu verhindern.

Osako begann den Bremer Torreigen

Yuya Osako schreit ungläubig seine Freude über seinen Treffer hinaus.
Doppelte Freude bei Yuya Osako: Der Japaner traf für Werder gleich zweimal und erzielte den wichtigen Treffer zum 1:0. Bild: Imago | Poolfoto

Yuya Osako befeuerte mit seinem Treffer zum 1:0 in der 22. Spielminute die Hoffnungen der Hanseaten, Milot Rashica (27.) und Niclas Füllkrug (29.) legten in Turbo-Manier nach. Im zweiten Durchgang erhöhten Davy Klaassen (55.), erneut Osako (58.) und Josh Sargent (68.) weiter, Dominick Drexlers Ehrentreffer für den FC dämpfte die Stimmung nur kurz (62.).

Werder, ein echtes Urgestein der Bundesliga, darf weiter hoffen. Vier deutsche Meisterschaften feierten die Bremer bislang, sechs Triumphe im DFB-Pokal kommen hinzu. Das Duell mit dem 1. FC Köln war das 1.900. Erstligaspiel in der Vereinsgeschichte – kein Klub hat mehr im Fußball-Oberhaus vorzuweisen. Vor 40 Jahren, beim ersten Abstieg, hieß der Gegner im entscheidenden Spiel 1. FC Köln. Eine Wiederholung haben die Grün-Weißen nun verhindert.

"Mir ist nicht flau, ich will dieses Spiel gewinnen"

Blick auf die leere Werder-Tribüne auf ein Plakat mit der Aufschrift "Wir glauben dran".
Die Fans mit einer klaren Botschaft an die Mannschaft: Sie war bei Werder offenbar angekommen. Bild: Reuters | Pool

Die völlig bisslosen Rheinländer hatten in der nun beendeten Saison mit Trainer Markus Gisdol die Abstiegsgefahr durch einen Zwischenspurt im Winter gebannt und schließen nahe des Ligakellers ab. Nach der Corona-Pause schaffte der FC keinen Sieg mehr.

Vor dem Anpfiff strotzte Kohfeldt schon voller Tatendrang. "Mir ist nicht flau, ich habe Energie, und ich will dieses Spiel gewinnen", sagte er bei Sky. "Wir glauben dran", stand auch auf einem Plakat unweit der Mittellinie. Die Werder-Bank war während der Partie immer über das Geschehen um Fortuna Düsseldorf informiert, doch der Hauptfokus galt erst einmal dem eigenen Versuch, den ersten Bundesliga-Heimsieg seit knapp zehn Monaten einzufahren.

Fortuna spielt Werder in die Karten

Milot Rashica legt mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken und streckt beide Zeigefinger nach oben.
Endlich wieder getroffen: Milot Rashica war in der Rückrunde noch torlos, im Abstiegskrimi gelangen den Kosovaren gleich zwei Treffer. Bild: Joachim Sielski/Sielski-Press/Pool/gumzmedia/nordphoto

Werder, erstmals wieder mit dem lange verletzten Torjäger Füllkrug in der Startelf, begann entschlossen und setzte in der Anfangsphase direkt zwei Fernschüsse ab. Die Kölner wurden nur bei einer Chance von Anthony Modeste gefährlich (9.). Werder erkämpfte sich immer größere Vorteile und schlug so eiskalt zu, wie man es im Weserstadion lange nicht gesehen hatte.

"Wir schaffen das", schrie Füllkrug. Und auch Kohfeldt hatte kaum etwas zu bemängeln, einzig die Durchsage des Düsseldorfer Rückstands brachte ihn kurz aus der Fassung. 

Nach dem Seitenwechsel blieben die Bremer trotz eines Kölner Dreifachwechsels auf dem Gaspedal und ließen keinen Zweifel daran, dass sie ihren Teil für das Erreichen der Relegation erledigen wollten. Mit Beginn der Schlussphase erkundigten sich die Ersatzspieler immer häufiger nach dem Stand bei der Fortuna - auf dem Platz hätte Grün-Weiß sogar noch erhöhen können, Rashica traf den Pfosten (81.). In den letzten Minuten kam zudem der eingewechselte Claudio Pizarro (41) zu seinem letzten Bundesliga-Einsatz.

"Liebe kennt keine Liga": Werder und seine Fans vor dem Saisonfinale

Video vom 26. Juni 2020
Fanutensilien von Werder Bremen an einem Balkon. Ein Trikot und ein Schal mit der Aufschrift Heimsieg.
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 27. Juni 2020, 19 Uhr