Werders Hinrunden-Zeugnis: Der Angriff muss nachsitzen

18 Punkte nach 17 Spielen – das sind die nüchternen Werder-Fakten zur Halbzeit der Saison. Doch welche Note haben die Grün-Weißen verdient? Unser Hinrunden-Zeugnis.

Yuya Osako und Joshua Sargent schlagen verzweifelt die Hände vors Gesicht nach einer verpassten Torchance.
Magere Ausbeute: Werders Angreifer um Yuya Osako (links) und Joshua Sargent erzielten nicht einmal die Hälfte der 19 Bremer Tore der Hinrunde. Bild: Imago | Nordphoto

In dieser Saison liegt das Halbjahreszeugnis der Werder-Profis mal nicht unterm Tannenbaum, sondern ist erst jetzt fällig. Und dieses Mal kann Trainer Florian Kohfeldt doch ein zufriedenes Zwischenfazit ziehen nach der insgesamt zweitbesten Hinrunde der vergangenen sieben Jahre. Nur in der Saison 2018/19 war Werder mit 22 Punkten besser. Nun sind es 18 Punkte nach 17 Spielen und Rang 13 für die Grün-Weißen.

Wir haben unter sehr schwierigen Bedingungen eine mindestens solide Hinrunde gespielt. Der Abstand nach unten ist noch nicht groß. Diesen Abstand müssen wir verteidigen und ich traue uns das zu.

Werder-Trainer Florian Kohfeldts Hinrunden-Fazit

Werder braucht ein bisschen Nachhilfe

Sportblitz-Reporter Dino Bernabeo steht im Klassenraum vor einer weißen Tafel, an der Werders Noten des Hinrundenzeugnises angeschrieben sind.
Sportblitz-Reporter Dino Bernabeo glaubt nicht, dass Werders Versetzung in dieser Saison gefährdet ist. Bild: Radio Bremen

Echte Abstiegsgefahr bekam Werder in dieser Hinrunde nicht zu spüren und das wohl aus zwei Gründen: Erstens taten sich Mannschaften wie Schalke, Mainz, Köln oder Bielefeld noch schwerer als die Bremer und zweitens punkteten sie gegen Teams, gegen die sie punkten mussten. Solide also, aber ein bisschen Nachhilfe braucht Werder dennoch.

1 Der Angriff

Werders Klassenbester ist Niklas Füllkrug. Mit vier Toren in sieben Spielen, aber das Problem: die vielen Fehlzeiten. Füllkrug ist öfter krank, als gesund. Ansonsten ist Werders Sturm eher ein laues Lüftchen. Davie Selke, Tahith Chong, Yuya Osako oder Milot Rashica – wanken bisher meist zwischen Verletzung und Ladehemmung. Stets bemüht ist Joshua Sargent. Aber nur ein Treffer in 16 Liga-Spielen – das ist einfach zu wenig für Werder.

Nur etwas mehr als ein Tor pro Spiel und nicht einmal die Hälfte der Tore haben die Stürmer geschossen, das ist mangelhaft. Note: 5

2 Die Abwehr

Die Defensive ist das neue Prunkstück von Werder – wer hätte das gedacht? Definitiv haben hier die vielen Nachhilfestunden auf dem Trainingsplatz Wirkung gezeigt. Drei Mal kassierte Werder sogar gar kein Gegentor. Und inzwischen beherrschen die Bremer sogar das Einmaleins bei Standardsituation – mit Ausnahme des Schnitzers gegen Gladbach. Und besonders wenn Abwehrchef Ömer Toprak mitspielt ist, zieht er seine Teamkollegen mit.

25 Gegentore – genau so viele wie die Streber aus München. Gut, das sagt in diesem Jahr nicht ganz so viel aus, trotzdem Note: 2

3 Der Trainer

Florian Kohfeldt hat an seiner Seriosität gearbeitet, optisch den Trainingsanzug gegen legere Klamotten getauscht. Und auf dem Platz lässt der 38 Jahre alte Fußballlehrer mehr Ergebnis- statt Erlebnisfußball spielen. Aber seine Schüler ziehen mit – die Chemie im Team stimmt.

Der neue Kohfeldt-Fußball ist nicht schön, aber dafür effektiver und somit erfolgreicher, als im letzten Jahr. Aber da ist noch Luft nach oben, daher Note: 3

4 Die Zukunfts-AG

Die Mannschaft ist in vielen Bereichen nicht wirklich ausbalanciert, Werder fehlt das Geld für Transfers. "Wir konnten keine sportliche Kaderplanung im eigentlichen Sinne machen", sagte Kohfeldt. Deshalb setzt Werder auf die Jugend – und das mit positiven Ansätzen. Die Youngster tobten sich in der Hinrunde richtig aus.

Manuel Mbom, der vor der Saison vom Drittligisten KFC Uerdingen zurückkehrte, kam auf bemerkenswerte 14 Einsätze. Felix Agu, in der vergangenen Saison in der 2. Liga beim VfL Osnabrück am Ende nicht einmal mehr Stammspieler, zeigte zuletzt ebenfalls, dass er mithalten kann. Eren Dinkci traf mit seinem ersten Ballkontakt und Romano Schmid demonstrierte gerade, wie viel Wucht in den 1,68 Meter stecken.

Die Talente haben die Liga zwar nicht an die Wand gespielt, aber sie haben das Potenzial auf diesem hohen Bundesliga-Niveau mitzuhalten. Deswegen die Note: 2-

Das Fazit unseres Hinrunden-Zeugnisses:

Im Angriff müssen die Bremer noch nachsitzen, aber insgesamt ist in diesem Jahr die Versetzung nicht gefährdet.

Werder-Coach Kohfeldt moniert: "Hätten einen Punkt verdient gehabt"

Video vom 20. Januar 2021
Werder-Trainer Florian Kohfeldt sitzt mit verschränkten Armen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Gladbach.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Dino Bernabeo Redakteur und Autor
  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 20. Januar 2021, 18:06 Uhr