3 Gründe, warum Werder nicht mehr gewinnt

Aus dem schönen Remis-Lauf ist nach der Wolfsburg-Schlappe eine trübe Serie aus sechs Spielen ohne Sieg geworden. Besonders der Ausfall eines Spielers wiegt schwer.

Werder-Torwart Jiri Pavlenka leht nach dem Spiel enttäuscht mit den Händen auf die Oberschenkel gestützt am Pfosten.
Enttäuschung pur bei Werder-Torwart Jiri Pavlenka: In Wolfsburg konnte der Tscheche gegen die fünf Gegentreffer nichts ausrichten. (Archivbild) Bild: Imago | Mis

Ein bisschen peinlich war es ihm schon, hatte Florian Kohfeldt vor einer Woche zugegeben. Dieser wohl langweiligste Rekord der Bundesliga-Geschichte von fünf Remis in Folge mit exakt dem gleichen Ergebnis, dem 1:1. Doch nach der 3:5-Schlappe in Wolfsburg hätte sich der Werder-Coach wohl ein bisschen mehr Ergebnis-Langeweile gewünscht.

Denn das ist das Tückische an langen Remis-Serien: Wenn man verliert, dann kippt ein langer Lauf ohne Niederlage in eine lange Serie ohne Sieg. Nun wartet Werder also bereits seit sechs Spielen auf einen Dreier (fünf Remis, eine Niederlage) – und diese Durststrecke hat Gründe.

1 Siegen fällt ohne Füllkrug richtig schwer

Das bisher letzte Mal gab es vor zwei Monaten drei Punkte für Werder, beim 1:0-Sieg gegen Aufsteiger Bielefeld am 3. Spieltag. Damals war Mittelstürmer Niclas Füllkrug noch mit dabei, der bis zum 5. Spieltag vier Tore beisteuerte, aber seither verletzt fehlt. Und wie sehr Werders Vollstrecker fehlt, zeigen die Zahlen: Mit ihm haben die Bremer ihre Großchancen im Liga-Vergleich gut genutzt (70 Prozent) und waren auch bei Treffern nach ruhenden Bällen effektiv (sechs). Von ihnen verwandelte Füllkrug zwei Elfmeter. Mit 13 Toren auf dem Konto (15 ist Liga-Durchschnitt) steht Werder eigentlich gut da und hat saisonübergreifend in den vergangenen elf Spielen jeweils zumindest ein Mal getroffen. Doch zum Gewinnen ist das oft zu wenig gewesen. Auch, weil der junge Stürmer Joshua Sargent nicht Füllkrugs Durchschlagskraft besitzt und ihm der endgültige Durchbruch mit einem Treffer und zwei Assists bisher noch nicht gelungen ist.

2 Spielerisch geht wenig bei Werder

Kohfeldt hat es mehrfach betont, wie seine Strategie für mehr Sicherheit im Bremer Spiel aussehen soll: Über Stabilität in der Defensive soll sich später das offensive Spiel entwickeln, das lange Werders Markenzeichen war. Das bedeutet, dass sich der Coach erst einmal vom offensiven und spielerischen Ansatz verabschiedet hat. Werder hat in dieser Saison daher nur geringe Ballbesitzphasen und erst fünf Mal nach Passspiel getroffen. Auch das Konterspiel ist noch wenig effektiv. Immerhin nutzte Sargent in Frankfurt einen der erst sechs Kontertorschüsse. Und von der Bank kommt bei Werder schon seit langem kaum etwas Produktives: Seit Beginn der vergangenen Saison erzielte Werder lediglich drei Joker-Tore (das letzte dabei durch Kevin Möhwald gegen Wolfsburg).

3 Zweikampfstärke und Schnelligkeit fehlt

Theodor Gebre Selassie im Zweikampf mit Wolfsburgs Renato Steffen.
Könnte besser sein: Werders Zweikampfverhalten dürfte eine Spur aggressiver sein. (Archivbild) Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dass Werder regelmäßig zumindest einmal pro Spiel getroffen hat, ist zwar positiv. Doch die Bremer haben dabei auch nur in einer der letzten 15 Partien zu null gespielt – eben gegen Bielefeld. Werder ließ auch in dieser Saison recht viele Torschüsse zu und fing sich in Wolfsburg die Gegentreffer elf bis 15. Damit ist man zwar noch Liga-Durchschnitt, aber wer immer Tore kassiert, gewinnt auch nicht so leicht. Personell aufgerüstet wurde in der Defensive nicht und immer wieder offenbarte Bremen große Defizite in Sachen Zweikampfverhalten und Tempo. Werder hat im Liga-Vergleich in dieser Saison bisher die zweitwenigsten Sprints (2.041). Bayern München hat über 500 mehr. Nur noch Freiburg sprintet weniger als Werder (2.008). Und Kohfeldt monierte in Wolfsburg die fehlende Härte seiner Spieler in den Zweikämpfen.

Kontergegentore konnten die Bremer zwar bisher verhindern und ließen lediglich fünf Torschüsse nach Konterangriffen zu – ein sehr guter Wert. Dafür lässt kein anderer Bundesligist seine Gegner so oft zum Flanken kommen wie Werder: 132 Mal. Und keiner kassierte bisher mehr Gegentore nach Flanken als die Bremer (vier). Zudem setzte es in den vergangenen beiden Spielen drei Gegentreffer per Kopf. Von Kohfeldts anvisierter Stabilität ist Werder also noch ein ganzes Stück entfernt.

Werder-Verteidiger Gebre Selassie: "Wir waren alle enttäuscht"

Video vom 3. Dezember 2020
Theodor Gebre Selassie hält sich nach dem Spiel enttäuscht die Hand vors Gesicht.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 4. Dezember 2020, 18:06 Uhr